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Leipziger Forscher beweisen dicke Luft in Wohnungen

Sächsische Wissenschaftler zeigen mit Langzeitstudie: Was die Luft im Raum am stärksten belastet und was dagegen hilft.

© Norbert Millauer (Symbolfoto)

Leipzig. Bewohner entscheiden selbst, wie gut oder schlecht die Luft in ihrer Wohnung ist. Die Außenluft hat darauf einen vergleichsweise fast verschwindenden Einfluss. Das ist das Fazit der ersten Langzeituntersuchung zum Feinstaub in Innenräumen vom Leipziger Leibniz-Institut Tropos im Auftrag des Umweltbundesamtes. In der SZ stellen sie erstmals Ergebnisse vor.

Im Straßenverkehr wird der Feinstaub mit Gesetzen limitiert. In Wohnungen ist jedoch jeder für sich selbst verantwortlich. Grenzwerte wird es dafür vom Umweltbundesamt nicht geben, aber künftig klare Empfehlungen, daher wurde diese Untersuchung gemacht, sagt Alfred Wiedensohler der SZ. Er leitet die Abteilung Aerosole und Wolkenmikrophysik am Tropos.

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Vor allem ultrafeine Partikel weniger als 100 Nanometer winzig, also nur millionstel Millimeter, sind gefährlich. Sie dringen tief ins Lungengewebe ein und können auch die Blut-Hirn-Schranke durchdringen. Daher gelten sie als krank machend. 90 Prozent der Feinstaubpartikel in den Wohnungen sind aber genau solche ultrafeinen, geht aus der Studie hervor. Die größten Quellen dafür sind backen, toasten und vor allem Kerzen. Kamine und Staubsauger indes haben vergleichsweise wenig Einfluss. 

Braten und kochen liegen im Mittelfeld der Belastung. Eine Kerze in der Wohnung, der Kuchen im Backherd erhöhen die ultrafeinen Teilchen in der Luft auf das 50-Fache, bei einigen Messungen auch auf das 100-Fache. „Das ist eine Belastung, höher als an einer stark befahrenen Straße“, sagt Wiedensohler. Die Werte haben selbst ihn in seiner Wohnung überrascht. „Man sieht am Gerät, wie schnell Unmengen an Partikeln produziert sind, die man danach stundenlang noch einatmet.“

Wenn man nichts dagegen unternimmt, dauert es eben Stunden, bis sich diese Nano-Teilchen auf Oberflächen abgesetzt haben. Anders als Staub wirbeln die dann auch nicht mehr auf, sondern haften aufgrund ihrer Winzigkeit. Nur Abwischen würde sie dort fortbringen. Über Nacht wäre jedenfalls der Normalwert wieder erreicht. Es sei denn, dann wird morgens der Toaster angeworfen. Eigentlich hilft nur eins: Lüften, lüften, lüften, das geht ebenfalls aus der Studie hervor.

In 40 unterschiedlich großen Wohnungen von Leipzig und Berlin wurde zweimal eine Woche lang zu unterschiedlichen Jahreszeiten gemessen. Mehr als 10.000 Messstunden kamen so zusammen. Die im Tropos entwickelten Messschränke wurden in die Wohnzimmer gehievt und parallel dazu vor den Häusern aufgestellt. Einige Häuser waren an großen Straßen, andere in ruhigen Gegenden. So wurde auch die Aussage zum geringen Einfluss der Außenluft für den Innenraum möglich.

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