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Das sagen zwei Legenden zum Ost-Klassiker

Bei Dynamo gegen Magdeburg ging es einst um Titel, nun geht es um den Klassenerhalt. Hans-Jürgen Dörner und Joachim Streich erinnern sich – und blicken voraus.

Hans-Jürgen Dörner (li.) und Joachim Streich.
Hans-Jürgen Dörner (li.) und Joachim Streich. © Robert Michael, Eibner/Montage: SZ-Bildstelle

Sicher haben es die Spielansetzer einfach nicht gewusst. Andernfalls hätten sie mehr Fingerspitzengefühl gezeigt und den Ost-Klassiker auf den Freitag datiert – genau 60 Jahre nach dem ersten Duell zwischen Magdeburg und Dynamo. Am 15. März 1959 gab es bei der Punktspiel-Premiere zwischen beiden Vereinen ein 2:2, für den Liga-Aufsteiger aus Dresden ein beachtliches Ergebnis. Am Samstag nun treffen die beiden ostdeutschen Traditionsklubs zum 70. Mal aufeinander, es ist also ein doppeltes Jubiläum.

Mit einem 2:2 wären die Tabellennachbarn diesmal wohl nicht zufrieden, im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga könnte neun Spieltage vor dem Saisonende ein Sieg vorentscheidend sein, Magdeburg bräuchte den noch dringender, liegt fünf Punkte hinter Dynamo.

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Joachim Streich wünscht sich, dass am Ende beide Klubs drinbleiben. Der ehemalige Stürmer des 1. FCM erinnert sich gerne an die vielen Duelle. „Das waren immer Spiele auf einem ganz hohen Niveau“, erzählt er. „Da standen zwei Drittel der Nationalmannschaft auf dem Platz, und es ging meist um die Meisterschaft oder um die Qualifikation für den Europapokal.“

Meisterfeier unter Flutlicht

Hans-Jürgen Dörner, Dynamos Libero-Legende, ist vor allem ein Freitagabendspiel im Mai 1977 unter Flutlicht im ausverkauften Ernst-Grube-Stadion im Gedächtnis geblieben. Den Schwarz-Gelben genügte ein Unentschieden, um die Meisterschaft zu gewinnen. Eine knappe halbe Stunde vor dem Ende sah Dresdens Verteidiger Christian Helm die Rote Karte. „Es war dramatisch, hitzig, am Ende retteten wir das 0:0 aber über die Zeit“, erzählt der 68-Jährige. Zwei Jahre zuvor hatten die Magdeburger den Titel in Dresden gefeiert, die Revanche war geglückt.

Dynamos Ehrenspielführer Hans-Jürgen Kreische (l.) im Zweikampf mit dem Magdeburger Manfred Zapf in einem Oberliga-Spiel im Dynamo-Stadion.  
Dynamos Ehrenspielführer Hans-Jürgen Kreische (l.) im Zweikampf mit dem Magdeburger Manfred Zapf in einem Oberliga-Spiel im Dynamo-Stadion.   © Volker Santrucek (Archiv)

In den 1970er-Jahren dominierten beide Klubs den DDR-Fußball. „In der ersten Hälfte waren wir besser, in der zweiten dann Dynamo“, erzählt Streich, der Rekordtorschütze der DDR-Oberliga. „Die Dresdner haben mir immer gut gefallen, weil sie in der Mannschaft eine gute Mischung hatten. Sie waren spielstark, konnten aber auch gut verteidigen.“ Dörner wiederum lobt die Athletik des Dauerrivalen – und Streich. „Er war ein ganz unangenehmer Gegenspieler. 89 Minuten stand er im Strafraum rum, und dann machte er innerhalb von einer Minute zwei Tore. Er brauchte dafür nicht viele Chancen.“

Magdeburg gewann 1974 den Europapokal der Pokalsieger durch einen 2:0-Sieg im Finale gegen den AC Mailand, es war der einzige internationale Titel für einen DDR-Verein und damit der größte Erfolg im Klubfußball. In den 1980er-Jahren beendet in der Oberliga Serienmeister BFC Dynamo den Zweikampf der Elbstadt-Vereine, nach der Wende stürzten beide ab, wobei die Dresdner noch bis 1995 erstklassig blieben und deutlich eher ihr Debüt in der 2. Bundesliga feierten. „Da wurden in beiden Vorstandsetagen riesige Fehler gemacht, saßen die falschen Leute am falschen Platz“, findet Streich.

Das Programmheft zum ersten Punktspiel zwischen den Magdeburgern, die damals noch SC Aufbau hießen, und Dynamo. 
Das Programmheft zum ersten Punktspiel zwischen den Magdeburgern, die damals noch SC Aufbau hießen, und Dynamo.  © Dresdner Fußballmuseum (Archiv)

Der Aufschwung in Magdeburg fällt für ihn mit dem Einstieg von Mario Kallnik in die Geschäftsführung 2012 zusammen. „Er hat neue Wege beschritten, vernünftig gewirtschaftet und für Kontinuität gesorgt.“ Der 1. FCM feierte zwei Aufstiege, baute die Schulden ab und gliederte die Profiabteilung in eine Spielbetriebs-GmbH aus. In der nächsten Woche beginnt der Umbau des 2006 eröffneten Stadions. Für elf Millionen Euro sollen die Tribünen hüpfsicher werden und die Kapazität auf mehr als 30 000 Plätze wachsen.

„Sie haben in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet, und mit Jens Härtel war ein Trainer da, der die Mannschaft entwickelt hat“, findet Dörner. Für Streich wiederum ist Dynamos Aufstieg seit dem Abstieg in die 3. Liga 2014 eng mit Sportvorstand Ralf Minge verknüpft. „Er hat die sportliche Seite im Griff und vor allem Ruhe reingebracht“, findet der 67-Jährige.

Die Partie endete 2:2, der SCM wurde am Ende Vizemeister und stieg in die Oberliga auf, Dynamo landete auf Platz sieben. 
Die Partie endete 2:2, der SCM wurde am Ende Vizemeister und stieg in die Oberliga auf, Dynamo landete auf Platz sieben.  © Dresdner Fußballmuseum (Archiv)

In die Zukunft können die beiden Fußball-Legenden zwar nicht schauen, doch sie formulieren Wünsche, wie es in zehn Jahren aussehen könnte. Geht es nach Streich spielt Magdeburg dann um die deutsche Meisterschaft mit. „Dafür müsste allerdings ein Scheich oder anderer Großinvestor einsteigen“, schränkt er ein. Das Beispiel RB Leipzig habe aber gezeigt, wie schnell es gehen könnte. „Bei beiden Vereinen fiebert eine ganze Region mit, ist vom gesamten Umfeld her das Potenzial da, um höherklassig zu spielen.“

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Dörner ist bei seiner Prognose etwas vorsichtiger. „Ich wünsche mir, dass sich beide Vereine in den nächsten Jahren etablieren. Dann könnte es vielleicht mal mit dem Aufstieg klappen. Aber das wird schwer.“ Ein Bundesliga-Duell fehlt noch in der 60-jährigen Geschichte.

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