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Der Prinz ist keine Heuschrecke

Ein Kommentar von SZ-Redakteur Peter Anderson zur Watsche von Meißens Stadtrat für Sachsens größten Privatwinzer Georg Prinz zur Lippe.

Georg Prinz zur Lippe und seine Frau Alexandra Gerlach, Prinzessin zur Lippe, sowie Architekt Heinrich von Bünau vor den Plänen des Gästehauses.
Georg Prinz zur Lippe und seine Frau Alexandra Gerlach, Prinzessin zur Lippe, sowie Architekt Heinrich von Bünau vor den Plänen des Gästehauses. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Meißner Stadträte haben sich am Mittwochabend teils mit knapper Mehrheit gegen drei Beschlussvorlagen zu Bauprojekten im zur Stadt gehörenden Dorf Proschwitz, im Ortsteil Korbitz und gegen den Domblick ausgesprochen. Die Motive für die Absagen waren ganz unterschiedlicher Natur.

Im Fall des nur einen Katzensprung von Schloss Proschwitz geplanten Gästehauses ging es vor allem um Fragen des Landschaftsbildes. In einem offenen Brief an die Stadträte hatte Gottfried Herrlich, als Vincenz-Richter-Wirt eine Institution in der Stadt, davor gewarnt, die Ansicht des Elbtals zu verändern. Dieses konservative Argument lässt  außer Acht, dass es allein in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder architektonische Eingriffe in die Hänge an der Elbe gegeben hat. Weithin sichtbar sind zum Beispiel die modernen Internatshäuser des Landesgymnasiums St. Afra. Das Weingut Vincenz Richter hat selbst eine sehr gelungene Vinothek an den Fuß der eigenen Weinberge gesetzt. Solche Projekte sind wichtig als ergänzende Sujets und Kontrapunkte zum tradierten Baubild.

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Was bei dem Nein zum Gästehaus in Proschwitz offensichtlich weitgehend unbeachtet blieb, sind die wirtschaftlichen und historischen Hintergründe des Vorhabens. Man konnte in der Diskussion fast den Eindruck gewinnen, als wäre Sachsens größter Privatwinzer eine Heuschrecke, ein böswilliger Investor, der sich auf Kosten anderer im Elbtal breitmachen möchte. Die Diskussion erinnerte an die Vorgänge in Thüringen, wo der Wein-Pionier durch eine unsägliche Kampagne vertrieben wurde und auf einem Millionen-Schaden sitzenblieb.

Die Realität sieht anders aus. Mit dem aufwendigen Weinbau im Elbtal lässt sich keine goldene Nase verdienen. Schon gar nicht nach Spätfrösten und Corona-Krise. Zu den akuten Schwierigkeiten gesellt sich im Fall des Weinguts Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe ein chronisches strukturelles Problem. Wie der Name sagt, existiert neben dem eigentlichen Weingut ein Schloss, welches finanziert werden muss, ähnlich wie im Fall des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth. Dort übernimmt das Land Sachsen die Kosten für den Erhalt des Denkmals. Im Fall des Weinguts Schloss Proschwitz müssen diese Ausgaben aus dem Erlös des Unternehmens bestritten werden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass größere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konferenzen, ohne Übernachtungskapazitäten nicht nach Proschwitz zu holen sind. Dieser Bereich ist jedoch entscheidend dafür, um den Betrieb profitabel zu gestalten. Kurz gesagt: Wenn die Stadträte dem Unternehmen dieses Projekt verweigern, entziehen sie ihm eine wichtige wirtschaftliche Grundlage. 

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Und nicht nur das. Sie beschädigen oder zerstören auch die Aufbauarbeit des Winzers Georg Prinz zur Lippe, ohne dessen stetes Drängen auf allerhöchste Qualität Sachsens moderne Weinwirtschaft nicht dort stünde, wo sie sich heute befindet. Es wäre nur fair und respektvoll, wenn Meißens Stadträte vor diesem Hintergrund ihr Abstimmungsverhalten überdenken würden.

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