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Kornhaus-Verkauf beschlossene Sache

Jetzt wirbt ein Banner um Käufer für die umstrittene Immobilie in Meißen.

Ein Banner wirbt um Käufer für das seit gut einem Dutzend Jahre im Dornröschenschlaf dämmernde Meißner Kornhaus.
Ein Banner wirbt um Käufer für das seit gut einem Dutzend Jahre im Dornröschenschlaf dämmernde Meißner Kornhaus. © Claudia Hübschmann

Meißen. Niemand habe die Absicht, das Kornhaus zu verkaufen. So hatte es immer wieder von der durch italienische Geschäftsleute gegründeten Besitzgesellschaft Venere mit Sitz in Innsbruck geheißen. Das Gebäude tauchte zwar in unregelmäßigen Abständen teils für Fantasiepreise von bis zu fünf Millionen Euro bei Immobilienportalen im Internet auf. Auf Anfrage hin teilte Venere-Geschäftsführer Cesare Geat jedoch stets mit, dass diese Annoncen nicht autorisiert, sondern illegal geschaltet worden seien.

Nun allerdings gibt es einen greifbaren Beweis dafür, dass diese Dementis offenbar nur pro forma erfolgten. An einem Balkon des vor gut einem Dutzend Jahren durch die Meißner Stadtentwicklungsgesellschaft Seeg verkauften Denkmals hat das Radebeuler Maklerunternehmen Von Poll ein Banner mit seinen Kontaktdaten angebracht. Die Agentur bewirbt das Objekt bereits seit mehreren Monaten auf ihrer Internetseite als "sanierungsbedürftiges Herrenhaus", in welchem sich beispielsweise Luxuswohnungen einrichten ließen. Auch auf die ursprünglich von den Besitzern verfolgten Pläne für ein Luxushotel und das hierfür von Dombaumeister Knut Hauswald erarbeitete Konzept wird verwiesen.

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SZ-Informationen zufolge ist unter der Hand von einem Preis in Höhe von 1,5 Millionen Euro die Rede. Das wäre zwar das Dreifache der Summe, welche ursprünglich von den Italienern an die Seeg geflossen sein soll. Allerdings erscheint dieser Preis realistischer als frühere Angaben, die von 2,5 Millionen Euro bis fünf Millionen Euro reichten.

Probleme mit italienischem Bauprojekt

Vorstellbar wäre, dass bei dieser Konstellation der Freistaat Interesse zeigen könnte, das ohne Garantien oder Rückkaufklausel veräußerte Gebäude zu übernehmen, um beispielsweise zusätzliche Ausstellungsfläche für die benachbarte Albrechtsburg Meißen zu schaffen. Auf eine Kleine Anfrage des Meißner AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Kirste hieß es jüngst ausweichend aus Dresden, dass "die Willensbildung" der Staatsregierung in diesem Fall noch nicht abgeschlossen sei. Um die Bausubstanz nicht weiter verfallen zu lassen, stehe der Freistaat in der Pflicht, die Immobilie umgehend zu erwerben, mahnte Kirste an. Ähnliche Forderungen hatte es in den letzten Jahren immer wieder gegeben, so vom früheren Meißner ULM-Stadtrat Wolfgang Tücks.

Unbekannt ist derzeit, was die Italiener bewogen haben könnte, jetzt intensiver einen Verkauf zu befördern. Eine aktuelle Anfrage der SZ dazu an Venere-Geschäftsführer Cesare Geat sowie das Von-Poll-Maklerteam blieb bis Mittwochnachmittag unbeantwortet. Die Pläne für ein Fünf-Sterne-Hotel hatten sich früheren Angaben zufolge im Zug der Finanzkrise 2008 zerschlagen. Dabei war dieses Vorhaben ein wichtiger Punkt für den Bau des Schrägaufzugs sowie des Parkhauses im Meisatal durch die Meißener Stadtwerke gewesen. Die Italiener reservierten dort Plätze für die künftigen Gäste des Hotels. 

Einem Bericht des italienischen Nachrichtenportals Varesenews.it vom Mai dieses Jahres zufolge, könnte einer der Gesellschafter der Venere GmbH in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Seit Jahren arbeitet das Bauunternehmen von Michele Panico im Auftrag der lombardischen Stadt Busto Arsizio an der Sanierung des innerstädtischen Viertels Piazza Vittorio Emanuele II. Laut Varesenews.it stockten die Arbeiten. Hinzu kämen Probleme mit Leerstand sowie Baumängeln. 

Unternehmer Michele Panico ist dabei kein unbeschriebenes Blatt. Einem Bericht des italienischen Nachrichtenportals La Repubblica.it vom März 2015 zufolge, wurde gegen ihn und 13 weitere Verdächtige wegen Steuerbetruges in Höhe von mehreren Millionen Euro ermittelt. Im Fokus stünde dabei laut La Repubblica die Firma Italcost, mit deren Hilfe Michele Panico beim Bau eines 2004 eröffneten Ikea-Einkaufszentrums falsche Rechnungen ausgestellt haben soll. Wie das in Neapel beheimatete Nachrichtenportal Il Mattino ebenfalls im März 2015 schrieb, werde  dem Neapolitaner vorgeworfen, das auf diese Weise verdiente Geld in Immobilien, Wertpapiere und Antiquitäten investiert zu haben. Venere-Rechtsanwalt Cesare Geat bezeichnete gegenüber der SZ diese Anschuldigungen allerdings als haltlos.

Steampunks setzten sich für Kornhauss ein

Vielleicht bei der vierten Auflage des Meißner Steampunk-Festivals am Wochenende auch wieder mit dabei: Mitglieder der Band Jessnes.
Vielleicht bei der vierten Auflage des Meißner Steampunk-Festivals am Wochenende auch wieder mit dabei: Mitglieder der Band Jessnes. © Archiv: Claudia Hübschmann

Als positiv wird die aktuelle Entwicklung von Jeannette Mahlow von Zahnrad und Zylinder bewertet. So könne das Bauwerk möglicherweise eine neue Chance erhalten. Der Steampunk-Verein setzt sich seit Jahren für den Erhalt des Kornhauses ein und versucht immer wieder, mit verschiedenen Veranstaltungen und den Besuchen prominenter Gäste Aufmerksamkeit auf das aus dem 15. Jahrhundert stammende Denkmal zu lenken

Mit einem Spezialmarkt auf dem Domplatz steht von Freitag bis Sonntag das nächste Event in dieser Richtung auf dem Programm. Schon ab Freitagnachmittag werden die Marktleute  ihre Stände präsentieren, und Sonnabend und Sonntag erleben die Besucher der Altstadt mit Oh Alter Knaben Herrlichkeit, Jessnes und Krambambuli aus Dresden sowie dem Meister des Monokel Pops, Daniel Malheur aus Berlin, die musikalische Vielfalt des Steampunks. Dazu beantwortet  Szene-Ikone Clara Lina Wirz in Live-Vorträgen die Frage "Was ist Steampunk?" und gibt einen Einblick in eine an das 19. Jahrhundert angelehnte "vergangene Zukunft". Auch ein historisches Puppentheater wird dabei sein. Zahlreiche Steampunks aus ganz Deutschland haben ihr Kommen angekündigt und werden die Altstadt von Meißen in eine Fantasiewelt verwandeln.

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Die Veranstaltung im Juli ist dabei nur ein Teil der Vereinsarbeit. Sie steht dieses Jahr ganz im Zeichen des 200. Geburtstags von Bürgermeister Karl Richard Hirschberg, der Meißen in der Gründerzeit maßgeblich prägte. Ihm zu Ehren wird, auf Initiative des Vereins, die Eisenbahnbrücke seinen Namen erhalten, die Obergasse thematisch gestaltet und die Grabstätte der Hirschbergs restauriert. Unterstützung erfährt der Verein dafür vom Stadtmarketing, der Sparkasse Meißen, privaten Spendern und Sponsoren. 

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