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Missbrauch in Dresdner Sportverein

Ein Trainer soll mehrere Kinder über Jahre sexuell missbraucht haben. was bisher zum Fall bekannt ist und wie Eltern sexuelle Übergriffe erkennen.

Ein neuer Missbrauchsfall beschäftigt die Dresdner Polizei.
Ein neuer Missbrauchsfall beschäftigt die Dresdner Polizei. © Symbolfoto: dpa

Eltern hatten darauf vertraut, dass ihre Kinder bei ihm in guten Händen sind. Doch ein 49 Jahre alter Mann soll so ziemlich das Schlimmste getan haben, was sich Mütter und Väter vorstellen können. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kampfsporttrainer vor, sich an mehreren Schülern sexuell vergangen zu haben, wie die Behörde am Freitag mitteilte.

Was ist zu den Fällen bislang bekannt? Über Jahre soll der Beschuldigte als Trainer in einem Dresdner Kampfsportverein Kinder und Jugendliche mehrfach sexuell missbraucht haben. Zu den genauen Tathergängen schweigt die Staatsanwaltschaft noch. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt am Freitag. Klar ist allerdings, dass er sexuelle Handlungen an, also nicht vor den Kindern vorgenommen haben soll. Dazu zählen auch Vergewaltigungen. Es werde wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs ermittelt.

Außerdem handle es sich bei den Opfern nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich um Jungen. Die Staatsanwaltschaft ist aktuell dabei, weitere mögliche, bislang unbekannte Opfer ausfindig zu machen. Deshalb könne noch nicht gesagt werden, in welchem Alter sich die Kinder und Jugendlichen befinden und in welchem Zeitraum genau die Taten stattfanden, so Schmidt.

Um den Fall so schnell wie möglich aufzuklären, hat die Dresdner Polizei eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen Tatami gegründet. Der Begriff kommt aus dem Japanischen und steht für eine Bodenmatte, wie sie im asiatischen Kampfsport, zum Beispiel Judo, genutzt wird. In der Ermittlungsgruppe seien fünf „äußerst erfahrene Kriminalisten“ im Einsatz, die sich mit der Bearbeitung von Sexualstraftaten auskennen, so die Staatsanwaltschaft. Sie würden ausschließlich an der Aufklärung dieses Falls arbeiten.

Bisher nicht auffällig geworden

Der Beschuldigte sitzt bereits seit drei Wochen in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe ein Ermittlungsrichter am 31. Oktober einen Haftbefehl gegen den 49-Jährigen erlassen. In welchem Sportverein er tätig gewesen ist, teilte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht mit. Der Mann sei noch nicht wegen ähnlicher Taten auffällig geworden. „Die Ermittlungen dauern an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es.

Eine Frage, die sich viele Eltern stellen dürften: Wie würde ich überhaupt erkennen, ob meinem Kind eine solch schlimme Tat widerfahren ist? Bei sexuellen Übergriffen gebe es bestimmte Veränderungen zum vorherigen Verhalten, sagt Veit Rößner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Dresdner Universitätsklinikum. Es könne zu plötzlichen Auffälligkeiten wie übermäßiger Ängstlichkeit oder Aggressivität kommen. Manche Kinder würden sich stärker in ihr Zuhause zurückziehen.

Die Vermeidung von Blick- und Körperkontakt mit bestimmten Person oder erfundene Ausreden, nicht in den sonst geliebten Sportverein gehen zu müssen, könnten ebenfalls Warnsignale sein. „Andere Kinder waschen sich ständig, um den Ekel zu verringern. Einige Betroffene wiederum boykottieren Wasser und Seife, damit der Täter sie ungewaschen vielleicht in Ruhe lässt“, so Rößner weiter. Körperliche Verletzungen können, müssen aber nicht zurückbleiben. Wenn doch, dann seien sie am Gesäß, dem Rücken, den Genitalien oder an den Innenflächen der Oberschenkel zu sehen. „Wir warnen aber eindringlich vor einer Überreaktion durch Nichtexperten“, so der Mediziner. Häufig gebe es ebenso viele Schilderungen von sexuellen Taten, die sich nachträglich als falsch herausstellten, wie wirkliche Vergehen. Und sowohl für tatsächliche als auch angebliche Opfer und Täter seien langanhaltende Folgen für die Psyche möglich.

Täter und Opfer kennen sich meist

Erst im März war ein 24-Jähriger verurteilt worden, der im Frühjahr letzten Jahres als Praktikant in einer Striesener Kita vier Mädchen sexuell missbraucht hatte. In einem Fall erkannte die Jugendschutzkammer einen besonders schweren Fall. Der Angeklagte, der die Vorwürfe bis zuletzt bestritt, wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

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Während Missbrauchstäter oft das Vertrauen von Menschen in ihrem persönlichen oder sozialen Umfeld ausnutzen, sind Fälle, in denen sich Täter und Opfer nicht kennen vergleichsweise selten. Ende Juli soll etwa ein 37-jähriger Deutscher ein 15-jähriges Mädchen in einem Waldstück an der Bischofswerdaer Straße vergewaltigt haben. Noch am selben Tag konnte der Verdächtige festgenommen werden. Die Ermittlungen erhärteten den Verdacht, dass der Mann möglicherweise weitere Taten begangen haben könnte. So soll er am 22. Juli eine Elfjährige auf dem Dölzschener Friedhofsweg überfallen und sich sexuell an ihr vergangen haben. Bereits Tage zuvor soll er eine 23-jährige Frau auf der Grenzallee sowie ein zwölfjähriges Mädchen in der Flutrinne angegriffen und ebenfalls versucht haben, sie zu missbrauchen. In einem Fall sei ihm das gelungen.

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