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Mit dem Trabi ins Salzburger Land

Es ist der zehnte Ausflug für die Trabantfreunde Quitzdorf am See. Die Fans der „Rennpappe“ werden im Landkreis mehr.

Das Ziel ist erreicht. Die Trabis der Trabantfreunde Quitzdorf am See parken am Ortseingangsschild von Filzmoos im Salzburger Land.
Das Ziel ist erreicht. Die Trabis der Trabantfreunde Quitzdorf am See parken am Ortseingangsschild von Filzmoos im Salzburger Land. © privat

Trabantfahrer sind die Härtesten. Dieser Spruch zierte zu DDR-Zeiten einige Heckscheiben der Rennpappen – und deren Piloten sind es noch heute. So wie die Trabantfreunde Quitzdorf am See. Eine seit rund 15 Jahren bestehende Interessengemeinschaft aus rund 30 Leuten. Sie eint eine gemeinsame Leidenschaft: Trabi basteln und Trabi fahren. Zu ihnen gehören der Kollmer Detlef Kalloch und Peter Pichotta aus Jänkendorf. Mit der Kraft der zwei Kerzen sind sie und weitere Trabifreunde vor kurzem von ihrem Trip ins Salzburger Land zurückgekehrt.

„Es ist feste Tradition bei uns, dass wir zu Pfingsten nach Österreich fahren“, sagt Detlef Kalloch. In diesem Jahr ist es bereits die zehnte Tour, die inzwischen zur reinen „Männersache“ geworden ist. „Unseren Frauen und Kindern ist es zu anstrengend, elf oder zwölf Stunden im Trabi unterwegs zu sein“, so Kalloch. Als es zu DDR-Zeiten an die Ostsee, an den Balaton oder gar zum Schwarzen Meer ging, da war das etwas anderes, erzählt Peter Pichotta. „Da kannten und da hatten wir nichts anderes, außer vielleicht im überfüllten Zug zu reisen.“ Umso herzlicher ist aber jedes Mal der Empfang, wenn die Oberlausitzer in ihren bunten Pappkisten in Filzmoos anrollen. Das ist eine Gemeinde mit rund 1 500 Einwohnern im Salzburger Land, eingerahmt von den Alpen. Übernachtet wird in Privatwohnungen – und dort haben sich über die Jahre einige Freundschaften entwickelt.

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Die Zeiten und die Reisegewohnheiten haben sich geändert, das merken auch die Quitzdorfer Trabifreunde. Bei den ersten Touren nach Österreich sind sie immer wieder mal auf Gleichgesinnte gestoßen, also auf weitere der härtesten Trabantfahrer. „Aber inzwischen sind wir wohl die Einzigen, die diese Tour auf sich nehmen“, resümiert Detlef Kalloch.

Dieser Eindruck widerspricht aber der Blick auf die Zulassungszahlen. „Der Trabi ist wieder im Kommen“, heißt es aus dem Ordnungs- und Straßenverkehrsamt des Landkreises Görlitz. So hat sich die Zahl der Zulassungen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Fuhren 2009 im Landkreis noch 316 angemeldete Trabants, so waren es zum 1. Januar dieses Jahres 753. Vor fünf Jahren, 2014, zählte der Landkreis 691 „Pappen – Made by Sachsenring“.

Diese Zahlen decken sich mit den bundesweiten Zulassungen. Wie die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt, geht es seit 2014 mit den Trabant-Zulassungen wieder aufwärts. In jenem Jahr wurden 32 311 registriert, fünf Jahre später sind es 36 259 Zulassungen. Kein Vergleich zu der Gesamtzahl von 1993. In dem Jahr wurden erstmals die ostdeutschen Autohersteller erfasst. Da verkehrten auf bundesdeutschen Straßen noch 920 162 Duroplast-Bomber. Ab 2003 lagen die Zulassungen dann nur noch im fünfstelligen Bereich.

Die Trabantfreunde von Quitzdorf am See schönen natürlich die Statistik, weil sie nicht nicht nur einen Trabant pro Person fahren. Detlef Kalloch hat vier zugelassene Trabis in seinem Grundstück stehen: Zwei 601er Kombis in Hellblau und gelb, einen zum Cabrio umgebauten Trabant und noch einen 600er. Peter Piechotta ist stolz auf seine beiden 600er Kombis. Diese Baureihe feiert übrigens in diesem Jahr ihr 60-Jähriges. 1959 liefen in Zwickau die ersten Kombis vom Band, zunächst noch unter dem Namen Trabant P 50/1. Die Besonderheit an diesem Auto ist, dass die Heckklappe als Tür seitlich zu öffnen ist. Im damaligen Werbeprospekt liest sich das so: „Trabant, der Kleinwagen mit den großen Vorzügen“. Davon schwärmt Peter Piechotta noch heute. Denn seine beiden runden Pappen sind Baujahr 1960 und 1963.

Peter Pichotta (links) und Detlef Kalloch gehören der Interessengemeinschaft „Trabantfreunde Quitzdorf am See“ an. Was den beiden Männern zu eigen ist, sie haben nicht nur einen Trabant zu Hause stehen. Im Alltag fahren sie aber „Westautos“. 
Peter Pichotta (links) und Detlef Kalloch gehören der Interessengemeinschaft „Trabantfreunde Quitzdorf am See“ an. Was den beiden Männern zu eigen ist, sie haben nicht nur einen Trabant zu Hause stehen. Im Alltag fahren sie aber „Westautos“.  © SZ/Steffen Gerhardt

Einen davon hat er erst 1988 aufgebaut und nach der Wende gegen einen Opel „eingetauscht“. Der Zufall wollte es, dass der Jänkendorfer Jahre später seinen Trabi im Internet sieht. „Der hatte sogar noch mein Nummernschild dran, daran habe ich ihn erkannt“, erzählt Piechotta. Und weil Vater immer noch so an seinem rollenden Schmuckstück hing, haben sich Frau und die beiden Töchter entschieden, den Trabi zurückzukaufen. „Das war nicht nur zu meinem Fünfzigsten, sondern überhaupt mein tollstes Geburtstagsgeschenk bisher“, freut sich der 52-jährige noch heute.

Detlef Kalloch hat aus Schrott ebenfalls seinen ersten eigenen Trabant selbst aufgebaut. Er ist zu einem Unfallwagen gekommen. Und da der gelernte Kfz-Mechaniker in der Nieskyer PGH einmal in seinem Berufsleben ein Anrecht auf eine Trabikarosse hatte, baute er den gegen einen Baum gesetzten Trabant mit neuer Karosse auf. „Ich fuhr dann meiner Hände Arbeit“, sagt der 53-Jährige rückblickend.

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