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Mordverdacht in Großenhain

Die Leiche eines 37-Jährigen wird in einem nahen Wald gefunden. Einen Tag später nimmt die Polizei vier Verdächtige fest.

Ein Polizeihubschrauber wie auf diesem Archivbild kreiste am Freitagnachmittag über Großenhain und Umgebung.
Ein Polizeihubschrauber wie auf diesem Archivbild kreiste am Freitagnachmittag über Großenhain und Umgebung. © dpa

Großenhain. Es ist die Art von Nachricht, die keiner lesen will. Schon gar nicht in einer Stadt wie Großenhain, wo quasi jeder jeden kennt. Aber die Neuigkeit verbreitet sich am Wochenende wie ein Lauffeuer. Am Freitagabend, so vermeldete am Sonntagmittag die Polizeidirektion Dresden in einer offiziellen Erklärung, sei in einem Waldstück bei Großenhain ein 37 Jahre alter Mann gefunden worden. Ein hinzugerufener Notarzt habe nur noch dessen Tod feststellen können.

Ein trauriger Umstand, der nicht zuletzt für viele Facebook-Nutzer ein weiteres Puzzlestück für ein tragisches Bild sein dürfte, das bisher noch nicht ganz vollständig ist. Mit einem Hilferuf hatte sich eine Frau bereits am Freitag an die Öffentlichkeit gewandt. Gesucht werde ein Bruder und Sohn, der bereits am 13. Juni – eine knappe Woche zuvor – um 19.30 Uhr ohne ersichtlichen Grund vom Rahmenplatz in Großenhain verschwunden sei.

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Bekleidet damals mit blauer Jeans, einem blau karierten Hemd und Turnschuhen mit weißer Sohle. Seitdem fehle von ihm jede Spur. Dazu das Bild des Vermissten – ein Schnappschuss von einem Beisammensein im Biergarten. Vielleicht etwas überrascht schaut der Mann in die Kamera, ein schlanker, freundlich wirkender Mann in kurzärmligem Hemd. Genau dieser Mensch wird nun gesucht. Wer ihn gesehen hat oder Hinweise jeglicher Art hat, solle sich per Facebook-Nachricht melden. 

Während der Facebook-Post zigfach geteilt und kommentiert wird, kreist am Freitagabend ein Hubschrauber über der Region. Medessen, Zschieschen, Zabeltitz, ganz sicher ist man sich am Sonntagnachmittag nicht mehr, wo genau es nun gebrummt hat. Aber dass da irgendetwas passiert sein muss und dass es wohl mit der aufgefundenen Leiche zu tun hat, vermutet so mancher.

Nicht zuletzt deshalb, weil schon am Sonnabendabend eine neue Facebook-Meldung aufhorchen ließ. Inzwischen sei der junge Mann durch die Mithilfe vieler Suchenden gefunden worden, steht da zu lesen. Das Erschütternde: Leider sei der Gesuchte tot. Die Schreiberin bedankt sich mit liebevollen Worten für die Unterstützung, ohne die es wohl nicht möglich gewesen wäre, den Vermissten überhaupt noch zu finden. Eindringlich bittet sie, ihn in guter Erinnerung zu behalten und weist schließlich darauf hin, 19.30 Uhr – also zu jener Zeit, um die der Mann verschwunden sei – werde die Mitteilung gelöscht.

Gelesen wurde die niederschmetternde Nachricht indes wiederum von vielen. Groß ist die Anteilnahme und noch größer die Frage, was da mitten in Großenhain passiert ist. War der Mann, der augenscheinlich unauffällig hier gelebt hat, den man vom Kindergarten und der Schule kannte, vielleicht krank? Was ist ihm, mit dem sich doch so viele gute Erinnerungen verbinden, widerfahren? 

Die Spekulationen reißen nicht ab, bis sie am Sonntagmittag jäh unterbrochen werden. Im Zuge der Ermittlungen seien zwei Frauen im Alter von 28 und 30 Jahren sowie zwei Männer, 28 und 51 Jahre alt, festgenommen worden, teilt die Polizei mit. Die vier deutschen Tatverdächtigen seien bereits am Sonnabend einem Ermittlungsrichter vorgeführt worden, der gegen alle sofortigen Haftbefehl erlassen habe. Aus ermittlungstaktischen Gründen seien momentan keine Angaben zum Tathergang oder Motiv möglich, heißt es auf SZ-Anfrage. Es ist davon auszugehen, dass sich am Montag Polizei und Staatsanwaltschaft ausführlicher äußern werden.

Eine Nachricht, die keiner lesen will: „Das muss man sich mal vorstellen! Hier bei uns, und nicht in Frankfurt oder Berlin, wird jemand getötet! Mitten unter uns von Leuten, die auch mitten unter uns waren. Ich bin tief erschüttert“, sagt eine Großenhainerin im SZ-Gespräch. Nicht deshalb, weil sie den Mann persönlich kannte. Nein, weil er ein Mensch war, wie du und ich.

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