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Moritzburg Festival findet trotz Corona statt

Lange wurde nach einer Lösung gesucht. Nun steht fest: Das Musikfest wird erstmals ein reines Open-Air-Event. Mit einer Ausnahme.

Das Moritzburg Festival für Kammermusik findet erstmals komplett unter freiem Himmel statt. Corona-bedingt werden vom 2. bis 16. August alle Konzerte auf die Nordterrasse von Schloss Moritzburg bei Dresden verlegt.
Das Moritzburg Festival für Kammermusik findet erstmals komplett unter freiem Himmel statt. Corona-bedingt werden vom 2. bis 16. August alle Konzerte auf die Nordterrasse von Schloss Moritzburg bei Dresden verlegt. © Oliver Killig

Von Julian Wolf

Den Kartenvorverkauf hatte das Moritzburg Festival verspätet am 20. April gestartet. Mit Einschränkungen bei der Kartenkapazität. Ob das renommierte Musikfest trotz der Corona-bedingten Auflagen im August stattfinden kann, war damit allerdings noch nicht sicher. Am Dienstag kam nun die Mitteilung, auf die Musikfreunde schon lange gewartet haben - das Moritzburg Festival wird es auch in diesem Sommer geben.

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„Alle Konzerte erklingen diesmal unter freiem Himmel“, teilte Tobias Teumer, der Geschäftsführer des Moritzburg Festivals, mit. Unter der langjährigen Leitung des Intendanten und Cellisten Jan Vogler stehen die Zeichen gut für einen Kammermusikgenuss vor den Toren Dresdens, heißt es in einer Pressemitteilung.

Doch einen großen Unterschied wird es in diesem Jahr geben. Das Moritzburg Festival wird in seiner 28-jährigen Geschichte und Tradition nun zum ersten Mal komplett als Open-Air-Festival veranstaltet: „Zum Schutz von Publikum und Künstlern werden vom 2. bis 16. August alle Konzerte auf die Nordterrasse von Schloss Moritzburg verlegt. Gesundheit und Musikgenuss gehen so unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln und Hygienevorschriften an lauen Sommerabenden Hand in Hand.“

Diese Freiluftvariante soll Platz für 160 Zuschauer bieten, wobei keines der ursprünglich im Schloss, in der evangelischen Kirche Moritzburg und im Dresdner Kulturpalast geplanten Konzerte abgesagt werden soll. Auch wird die auf 16 Teilnehmer reduzierte Akademie des Festivals erneut junge Musiker verschiedener Nationen in Moritzburg vereinen. Das sind allerdings weniger als die Hälfte der vergangenen Jahrgänge.

„Dank der Aufhebung von Reisebeschränkungen in Europa kann ein Großteil der engagierten Künstler zum Festival anreisen.“ Das Publikum darf sich neben den Stammgästen Kai Vogler (Violine), Mira Wang (Violine) und Jan Vogler (Violoncello) auf ein Wiedersehen mit Ismo Eskelinen (Gitarre), Lars Anders Tomter (Viola), Andrea Lucchesini, Lise de la Salle (Klavier) und Andreas Brantelid (Violoncello) freuen, teilten die Verantwortlichen mit.

Das ausverkaufte Eröffnungskonzert des Moritzburg Festivals im Speisesaal des Schlosses, das mit 180 Gästen einen Besucherrekord erlebte, konnte im vergangenen Jahr beim kostenfreien Public Viewing auf der Nordterrasse miterlebt werden. Diesmal finden die
Das ausverkaufte Eröffnungskonzert des Moritzburg Festivals im Speisesaal des Schlosses, das mit 180 Gästen einen Besucherrekord erlebte, konnte im vergangenen Jahr beim kostenfreien Public Viewing auf der Nordterrasse miterlebt werden. Diesmal finden die © Patrick Böhnhardt

Doch nicht nur das Publikum kann sich über die gefundene Lösung freuen. Schlossleiterin Dominique Fliegler ist ebenfalls begeistert: „Ich finde es absolut fantastisch, dass das Moritzburg Festival trotz der Corona-Krise unter den erforderlichen Bedingungen stattfinden kann. Das Open-Air wird gepaart mit der Moritzburger Szenerie, die die Atmosphäre der Konzerttage einzigartig machen wird.“

Die Sitzordnung auf der Nordterrasse könne wie im Speisesaal des Schlosses beibehalten werden, sodass keine Plätze verloren gehen. Das gelte auch für die ursprünglich in der Kirche geplanten Konzerte. „Die Belegung bleibt also gleich, mit Ausnahme der Karten für die Aufführung im Kulturpalast Dresden.“

Einige Herausforderungen bringen die Umgestaltung sowie die Neu-Planung des Festivals jedoch bei aller Freude mit sich. „Es gibt keinerlei Innenräume in diesem Jahr, die exklusive Atmosphäre während der Auftritte im Speisesaal war weltweit einmalig. Das kann dieses Jahr leider nicht stattfinden“, erklärt Fliegler, die sich auch mit logistischen Problemen auseinandersetzen muss: „Wir müssen den Flügel jeden Tag aus dem Lager nach draußen transportieren und zurück.“ Überlegungen gebe es auch noch für eine Not-Schlecht-Wetter-Variante für das Publikum und die Künstler in den Wagenhallen. „Und wir benötigen viel Personal. Die Gäste müssen platziert werden, Abgänge und Aufgänge der Mitwirkenden überlegt sein und ein WC-Bereich eingerichtet werden.“

Etwas Normalität bleibt dem Musikfestival dennoch erhalten. So finden die öffentlichen Proben - als einzige Ausnahme - in der Kirche Moritzburg statt, wenn auch nur mit limitierter Besucheranzahl. Nach der Premiere im Vorjahr sind erneut Lese-Konzerte im Käthe-Kollwitz-Haus geplant, die aber in dessen Garten rücken. Und auch das Proschwitzer Musik-Picknick bleibt im Schlosspark ohne Bestuhlung bestehen. Trotzdem bleibt die Einhaltung der erforderlichen Mindestabstände und Hygienevorschriften Pflicht, auch wenn das Festivalgelände ohne Mund-Nasen-Schutz betreten werden darf.

Einziger Wermutstropfen: Die Veranstaltungen in der Kirche Steinbach und den Elbe Flugzeugwerken müssen ersatzlos ausfallen. Die hierfür bereits erworbenen Karten werden erstattet. „Bitte teilen Sie uns hierzu eine Bankverbindung mit“, heißt es von den Organisatoren.

Tickets für das Festival sind bei allen bekannten Reservix Vorverkaufsstellen, unter www.moritzburgfestival.de oder die Ticket-Hotline 0351 1609 2615 erhältlich.

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