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Sebnitz

Mundschutz made in Sebnitz

Die Firma Hillcon fertigt eigentlich Wischmopps für den Profi-Einsatz. Jetzt kommen Gesichtsmasken gegen Corona hinzu - bis zu 20.000 Stück pro Tag.

Geschäftsführer Roland Hillmann: Bis zu 20.000 Stück der Masken will sein Unternehmen jetzt produzieren.
Geschäftsführer Roland Hillmann: Bis zu 20.000 Stück der Masken will sein Unternehmen jetzt produzieren. © Steffen Unger

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Am vergangenen Freitag hat sich Hillcon-Geschäftsführer Roland Hillmann mit dem Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) und Stadtfeuerwehrchef Björn Hoyer zusammengesetzt und den ersten Prototyp einer Maske besprochen, seit Montag läuft die Serienproduktion. 

Das Sebnitzer Unternehmen Hillcon fertigt eigentlich Wischmopps für den professionellen Einsatz, die unter anderem von der Lufthansa für die Reinigung ihrer Flugzeuge verwendet werden. In Zeiten der Corona-Krise kommt jetzt der allerorten gefragte Mundschutz hinzu. "Wir haben überlegt, was wir tun können", sagt Hillcon-Chef Roland Hillmann. Die Idee mit den Masken lag nahe. Die benötigten Materialien, die Technik und das Know-how hat die Firma im Haus.

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Das Besondere an dem Mundschutz aus Sebnitz ist das verwendete Grundmaterial. Die Gesichtsmasken bestehen aus einem speziellen Fleece-Stoff auf Basis des Kunststoffes Polypropylen. Dieses Fleece hat Hillcon bereits vor einiger Zeit in einem gemeinsamen Projekt mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut in Chemnitz entwickelt. Das Material fand bisher vor allem in der Reinigung Verwendung. Neben speziellen Mikrofasern bildet es eine Komponente für die von Hillcon produzierten Wischmopps. 

Wie sich zeigte, lassen sich aus dem Fleece auch Gesichtsmasken nähen. Es handelt sich jedoch ausdrücklich nicht um eine normierte Atemschutzmaske. "Es ist kein medizinisches Produkt", sagt Hillcon-Chef Hillmann. Das Material ist nicht auf die Abschottung gegen Viren getestet und nicht dafür zertifiziert, dafür wäre auf die Schnelle gar keine Zeit gewesen. 

Masken können andere schützen

Sinnvoll ist ein solcher Schutz für Mund und Nase trotzdem. Die Masken verhindern, dass ihre Träger beim Niesen, Husten oder Sprechen ungewollt winzige Tröpfchen in ihrer Umgebung verteilen. Sie sind sozusagen ein passiver Schutz, der helfen kann, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Sie können etwa beim Einkaufen oder in Bus und Bahn getragen werden. Denn niemand weiß sicher, ob er nicht vielleicht morgen Symptome zeigt und heute schon ansteckend ist. 

Die Masken seien deshalb eine gute Geste, hatte der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin am Dienstag in seinem täglichen Coronavirus-Podcast erklärt -so lange durch die private Nachfrage nicht die Versorgung der Krankenhäuser gefährdet werde. Da die von der Firma Hillcon hergestellte Gesichtsmasken keine medizinische Zulassung besitzen, trifft dieses Kriterium auf sie zu. 

Die erste Charge ist schon ausgeliefert. Das Sebnitzer Rathaus nimmt 5.000 der Gesichtsmasken ab. Sie sind zuallererst für die Feuerwehren der Stadt gedacht - für die Kameraden produziert Hillcon extra eine Variante mit roten Bändern. Als eine der ersten Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus hatte Sebnitz bereits Anfang März beschlossen, dass die Feuerwehrleute künftig bei Einsätzen einen Mundschutz tragen sollen, um eine gegenseitige Ansteckung zu verhindern. 

Kein Verkauf an die Bürger

Als weitere regionale Kunden haben bereits Bosch für sein Elektrowerkzeuge-Werk in Sebnitz sowie der Modellbahnhersteller Tillig die Masken für ihre Mitarbeiter geordert. Betriebe, Behörden, Großhändler oder Fachgeschäfte können die Gesichtsmasken bei Hillcon bekommen. An Privatleute kann das Unternehmen aber nichts verkaufen. Dafür fehle schlichtweg die Zeit, erklärt Geschäftsführer Hillmann. 

Mit seinen 35 Beschäftigten will Hillcon nun täglich 10.000 bis 20.000 Stück des Mundschutzes produzieren. Im Vergleich zu dem, was landesweit gebraucht werde, sei das beinahe nichts, sagt der Firmenchef. Die Mitarbeiter werden dafür ab sofort sogar samstags arbeiten. Um Luft für die neue Produktion zu schaffen, hat das Unternehmen seine Bestandskunden kontaktiert und nicht dringend benötigte Aufträge zeitlich etwas nach hinten verschoben. 

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Besonders viel Kapazitäten ließen sich dadurch aber nicht freischaufeln. "Wir stellen ohnehin Hygieneartikel her", sagt Hillmann. Aufgrund des Coronavirus wird aktuell nicht nur in Krankenhäusern, sondern in sämtlichen öffentlichen Einrichtungen geputzt ohne Ende. Die Nachfrage nach Wischmopps und anderen Reinigungstextilien von Hillcon ist deshalb gerade besonders groß.           

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