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Muskauer Schloss zeigt neue Ausstellung

Eine Leihgabe vom Fürstenhaus Wied von 74 Aquarellen von Carl Graeb ermöglicht eine kleine Zeitreise. Zur Eröffnung kommen die Fürstin und Politprominenz.

Cord Panning, Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung (li.) führte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mi.) und zahlreiche Gäste aus Kunst, Politik und Wirtschaft aus Deutschland und Polen persönlich durch die Sonderausstellung im Neuen Schl
Cord Panning, Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung (li.) führte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mi.) und zahlreiche Gäste aus Kunst, Politik und Wirtschaft aus Deutschland und Polen persönlich durch die Sonderausstellung im Neuen Schl © Joachim Rehle

Die aktuelle Sonderausstellung mit Aquarellen von Carl Graeb im Neuen Schloss von Bad Muskau ist in mehrfacher Hinsicht sensationell und fürstlich. Ob sie Fürst Pückler, dem genialen Landschaftsgestalter und einstigen Standesherrn von Muskau – dessen Wirken wir den binationalen Muskauer Welterbe-Park samt Bauwerken zu verdanken haben – gefallen würden, sei dahingestellt. 

Denn die Bilder beweisen der Nachwelt einmal mehr, dass der „Grüne Fürst“ zwar ein genialer Planer war, aber nie genug Geld hatte. Und so erleben Besucher beim Betrachten der 74 Aquarelle nicht nur positiv besetzte Aha--Erlebnisse. Sie sehen auch, wie sich Pücklers dauerhafter Geldmangel auswirkte. So zeichnete Carl Graeb beispielsweise das Amtshaus (Altes Schloss) mit einer aus dem Dach sprießenden Birke und abbröckelndem Putz. Ein anderes Bild zeigt eine hohe, winklige Brücke, errichtet aus naturbelassenen Holzstämmen. Es ist der Vorgänger der Englischen Brücke.

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Diese und 72 weitere Aquarelle des Berliner Landschaftsmalers Carl Graeb entstanden als Auftragsarbeit von 1855-59 im Muskauer Park und der Standesherrschaft und zeigen den Zustand von Park und Bauwerken vor und nach dem Umbau durch Prinz Friedrich der Niederlande, der das Pücklersche Anwesen übernahm, aufpolierte und Ideen des Fürsten vollendete.

20 Jahre Suche nach diesen Bildern

Dass es eine Serie von Muskauer Aquarellen gab, erfuhr man in den 1990er Jahren. Fast 20 Jahre dauerte es, bis die Fürst-Pückler-Stiftung sie aufspürte und 2018 erstmals 25 Motive präsentieren konnte. „Sie können sich nicht ausmalen, welche Sensation das damals für uns war. Umso unglaublicher ist es, dass wir jetzt alle 74 Aquarelle ausstellen können, die Überraschendes, Unbekanntes und Deja-vu-Erlebnisse in Meisterwerken der Landschaftsmalerei zeigen“, erklärte Cord Panning, Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau, bei der Vernissage gleichermaßen erfreut und überwältigt. „Als ich Student war, sammelte ich historische Gartenliteratur. Die war nicht sehr erschwinglich, also drückte ich mir oft die Nase an Antiquariaten platt. Als ich in einem Buch über den Park Sanssouci erstmals ein Aquarell Graebs vom Triumphtor sah, war ich sofort begeistert.“ Dass die Graebschen Bilder vom Muskauer Park nun in Bad Muskau zu sehen sind, ist für Panning ein einmaliges Erlebnis. Dass die erste Veranstaltung im Schloss nach dem Corona-Lockdown gleichermaßen fulminant und vielleicht die wichtigste Ausstellung der Stiftung sei, so Panning weiter, zeige zudem, „dass Provinz auch anders kann!“.

Zu verdanken ist die Ausstellung Isabelle Fürstin zu Wied, Witwe des 8. Fürsten zu Wied, und ihrem Sohn Maximilian, in deren Familienbesitz die verschollen geglaubten Aquarelle sind. „Ich liebe Bücher und Aquarelle, kann darüber die Zeit vergessen. Leider hing die komplette Serie der Muskauer Aquarelle von Carl Graeb nie vollständig bei uns aus, da der Platz fehlte. Für mich ist es ein Genuss, sie nun alle zu sehen“, erzählte Isabelle Fürstin zu Wied. „Als ich vor 2,5 Jahren Herrn Panning kennenlernte und er zu uns nach Hause kam, die Bilder akribisch und fasziniert anschaute und sich darüber freute, dass heute Gebäude und Pflanzen wie zu Pücklers Zeiten sind und ich erlebte, wie stolz man hier auf Schloss und Park ist und wie toll die Teamarbeit in der Stiftung ist, entschloss ich mich gerne zur Zusammenarbeit.“

Ministerpräsident verspricht weiteres Geld

Dass das Muskauer Schloss idealer Rahmen für die Ausstellung der Leihgabe mit Motiven von Muskau ist, ist dem Wiederaufbau und der Sanierung von Park und Gebäuden mit Geldern von Bund und Freistaat Sachsen zu verdanken. „Wir haben in den letzten 25 Jahren rund 50 Millionen Euro in Park und Schloss investiert mit dem Ziel, Lust auf den Besuch im östlichsten Zipfel Sachsens zu machen. Und wir werden in den nächsten fünf bis sechs Jahren noch einmal diese Summe in Kavaliershaus, Alte Brauerei und Badepark investieren. Denn wir wollen die Stiftung auch dafür nutzen, Arbeitsplätze im Strukturwandel zu schaffen“, so Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bei der Ausstellungseröffnung. Kretschmer, der seit Jahren auch Vorsitzender des Fördervereins Fürst-Pückler ist, zeigte sich gleichfalls von den ausgestellten Bildern begeistert. „Wenn ich sie hier so sehe, weiß ich auch, dass meine erste und nicht leichte Entscheidung im Förderverein, nämlich die Löwen nicht zu vergolden, richtig war“.“

Für die Fürst-Pückler-Stiftung hat der Aquarellzyklus neben der künstlerischen auch eine immense kunsthistorisch-denkmalpflegerische Bedeutung. Denn die Bilder zeigen, welche Blumen und Bäume an welchen Stellen gepflanzt waren, wie historische Wege und Bauten ursprünglich aussahen. So gab es im Park einen gusseisernen Wegweiser nach Görlitz und Bautzen, einen Moossalon für reiche Kurgäste Pücklers im Badepark und dekorative Verhängungen an der Gloriette. „Daran glaubten wir nicht, weshalb wir es bei der Rekonstruktion nicht aufgriffen. Ein Fehler, wie man nun sieht“, umschreibt Cord Panning die Bedeutung der Bilder..

Fakten zur Sonderausstellung

Name: Die zarte Leichtigkeit der Farben - Widerentdeckte Muskauer Aquarelle des Landschaftsmalers Carl Graeb (1816-1884) heißt der Titel der aktuellen Sonderausstellung mit 74 Aquarellen.

Dauer: Gezeigt wird die Ausstellung bis 1. November 2020, täglich von 10 bis 18 Uhr, im Westflügel des Neuen Schlosses in Bad Muskau. Im Ticket für den Besuch der Sonderschau ist die Möglichkeit enthalten, den Schlossturm zu besteigen.

Sonderangebot:  In Anlehnung an die Sonderausstellung wird es Führungen zu den Plätzen, wo die Bilder entstanden, geben. Infos dazu hier.

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