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Nabu beendet Exkursions-Lockdown

Auch die besucherstarke Fledermausnacht im August soll stattfinden – mit Kontaktliste und Sicherheitsabstand.

Botanik-Experte Dr. Dietrich Hanspach erklärt den Nabu-Exkursionsteilnehmern die Besonderheiten des Geflügelten Johanniskrautes.
Botanik-Experte Dr. Dietrich Hanspach erklärt den Nabu-Exkursionsteilnehmern die Besonderheiten des Geflügelten Johanniskrautes. © Foto: Manfred Müller

Großenhain. Es war ein Probelauf für die Naturschutzarbeit unter Coronabedingungen: die Exkursion des Nabu-Regionalverbandes „Großenhainer Pflege“ zur Radener Runze. Renate Wilhelms vom Vorstand hatte sogar eine Sprühflasche dabei, damit sich die Teilnehmer nach dem Eintragen in die Kontaktliste die Hände desinfizieren konnten. 

Nachdem ähnliche Veranstaltungen, die von März bis Mai geplant waren, ausfallen mussten, lief mit der Wanderung um das Quellmoor bei Raden die beliebte publikumsoffene Exkursionsreihe wieder an. Mit 14 Teilnehmern war das Besucherinteresse noch nicht überragend, aber immerhin ließ sich so der Sicherheitsabstand gut einhalten.

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Die Radener Runze ist das jüngste Naturschutzgebiet in der Elbe-Röder-Region. Die sumpfige Senke wurde erst im Jahr 2017 unter Schutz gestellt – unter tatkräftiger Mitwirkung des Nabu-Regionalverbandes. Sie ist vor allem ein Schatzkästchen für Botaniker. Bachquellkraut, Rispen-Segge und Geflügeltes Johanniskraut lassen das Herz eines jeden Pflanzenfreundes höherschlagen. 

Insgesamt 27 Hektar – zum Teil bewaldetes Moorgebiet, zum Teil umliegende Feuchtwiesen  – umfasst das geschützte Areal. Es ist zum Teil von Gräben durchzogen, die die Senke früher entwässern sollten. Zum Glück vergeblich – das Geländeprofil gab es nicht her.

„Ich bin schon als Kind hier drin herumgestreift“, erzählt der Treugeböhlaer Volker Wilhelms. „Da hat man sich gefühlt wie am Amazonas.“ Wilhelms ist heute Nabu-Regionalchef im Raum Riesa-Großenhain, und der Naturschutzorganisation gehören auch etliche Flächen in der Radener Runze.

Die Wiesen um die eigentliche Moorniederung herum werden von den Eigentümern bewirtschaftet, allerdings unter strengen Auflagen. Dünger und Pflanzenschutzmittel sind tabu. „Hier haben wir etwas ganz Besonderes“, sagt der Pflanzenexperte Dietrich Hanspach. Aus dem Gras recken sich ein paar gelbe Blüten nach oben. „Wasser-Kreuzkraut“, kommentiert der Ortrander begeistert. 

Das Pflänzchen ist für Weidetiere giftig und deshalb in Kulturlandschaften nur noch selten zu finden. In der Runze darf es wieder wachsen. Ebenso verschiedene Orchideenarten. Denen allerdings macht hoher Wiesenbewuchs zu schaffen – sie gedeihen am besten, wenn regelmäßig gemäht wird. Deshalb führen die Naturschützer auf den nabueigenen Wiesen hin und wieder Arbeitseinsätze durch. 

„In Feuchtgebieten wie diesem hier hat der Mensch das Wasser immer als Feind betrachtet“, erklärt Dietrich Hanspach. Seit Jahrhunderten sei es um die Entwässerung zur Gewinnung neuer Landwirtschaftsflächen gegangen. Dass der Boden allerorts austrockne, sei nicht allein dem Klimawandel geschuldet, sondern auch der Melioration.

Dem versucht der Naturschutzbund entgegenzuwirken, indem er zwischen Elbe und Röder wertvolle Feuchtbiotope erwirbt, schützt und pflegt. Seit den 1990er Jahren hat er bereits mehr als 200 Hektar gesichert – im Seußlitzer Grund, im Linzer Teichgebiet und in der Röderaue. 

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In diese Biotope führen dann oft auch die publikumsoffenen und kostenlosen Exkursionen des Nabu-Regionalverbandes „Großenhainer Pflege“, die von April bis September einmal im Monat angeboten werden. Drei davon mussten im Frühjahr wegen Corona ausfallen. Die anderen aber sollen wie geplant stattfinden. Darunter auch die beliebte Fledermausnacht, die jedes Jahr für Besucherrekorde sorgt. „Da kommen viele Familien mit Kindern – deshalb müssen wir besonders vorsichtig sein“, sagt Renate Wilhelms. Die Fledermausnacht soll diesmal am Seußlitzer Mühlteich stattfinden. Im September gibt es dann noch eine Exkursion in die Gävernitzer Heide.

Weitere Informationen: https://grossenhainer-pflege.nabu-sachsen.de/ueber-uns/

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