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Naturfreunde entdecken Großenhains Schönheiten

Die Volkshochschule lud zum Wandern über den Exer ein. Zwei Nationalpark-Ranger führten mit dem Blick von außen - der Auftakt einer neuen Reihe.

Die Besucher aus Radebeul und Zeithain an einer Infotafel zum Landschaftsschutzgebiet Exer.
Die Besucher aus Radebeul und Zeithain an einer Infotafel zum Landschaftsschutzgebiet Exer. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Erst die Husaren, dann die Panzer. Dass der Exerzierplatz in Kleinraschütz, kurz Exer genannt, so manche Geschichte erzählen könnte, hat sich bis zur Volkshochschule des Landkreises in Radebeul herumgesprochen. Die kann ihre ökonomisch-ökologische Bildung mit Förderung des Freistaates für zwei Jahre ausbauen. So waren die Hinterlassenschaften der Großenhainer Husaren jetzt Auftakt für die neue Reihe "Wandern durch den Landkreis" mit zwei Nationalpark-Ranger aus der Sächsischen Schweiz.   

Robert Wilhelm und Knut König wurden angefragt, die Naturführungen zu übernehmen. "Von Großenhain und seinen Husaren wusste ich bis jetzt noch nicht viel", gibt der 32-jährige Wilhelm zu. Der Dresdner war Informatiker und kam durch das Hobby Wandern zu seinem Job als freiberuflicher Landschaftserklärer. Im Internet hat er sich auf seine Tour über den Großenhainer Exer vorbereitet. 

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Seit 1996 ist die Kleinraschützer Heide immerhin Teil eines Landschaftsschutzgebietes. Dass hier auch ein Gartenkulturpfad entlang führt, erfahren die Teilnehmer aus Radebeul, Zeithain oder Dresden an der Infotafel, die am Zugang von der Wildenhainer Straße her nicht zu übersehen ist. Vorher haben die beiden Führer schon auf die Pilgermuschel für den Jakobsweg und den Aussichtsturm in den Straucher Bergen aufmerksam gemacht. "Wie weit ist es eigentlich noch bis Brandenburg", fragt Simone Meentzen aus Radebeul. Es scheint ihr ein bisschen unangenehm, dass sie von Großenhain fast gar nichts weiß.  

Ranger Robert Wilhelm erklärt die Hinweistafel zum Gartenkulturpfad.
Ranger Robert Wilhelm erklärt die Hinweistafel zum Gartenkulturpfad. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Immerhin hat sie sich aber auf den Weg gemacht, um das wertvollste Naturrefugium der Stadt kennenzulernen. Als solches wird die Kleinraschützer Heide überall bezeichnet. Dass der Exerzierplatz schon seit 1880 besteht und sich die jahrzehntelangen Militärübungen auf die Natur ausgewirkt haben, ist für die Naturfreunde sehr interessant. Sie sehen sogar noch Panzerspuren. Von Station zu Station lassen sie sich mehr auf den hiesigen Naturlehrpfad und die Erklärungen ein. Zikaden hüpfen um ihre Füße, am Himmel kreisen Raubvögel, ein Turmfalke ist zu hören. Etwas später finden die Wanderer die Feder eines Mäusebussards, des größten Raubvogels in der Region, wie es heißt.

Die Ranger weisen auf den typischen Trockenrasen und Fledermauskästen hin. Auf abgestorbene Birken und Fichten und im Gegensatz dazu eine Stileiche, die voller Eicheln hängt. "Sie ist als Tiefwurzler der Gewinner in der Trockenheit", erklärt Knut König. Gelegentlich blüht noch Ginster, doch die 80 Hektar große Fläche ist zumeist mit Johanniskraut bedeckt. Die Volkshochschul-Gäste staunen, als sie hören, dass 2013 hier Bothurs Panzer den Boden noch einmal verdichtet haben. Seit den 1950er Jahren hatte die NVA mit ihren Kettenfahrzeugen hier ihr Übungsgelände. "Die Fläche wird noch lange Heide bleiben", ist sich Robert Wilhelm sicher. 

Dann, an einer schattenspendenden Schutzhütte, kommen sie, die Fakten zu den schmucken Husaren, auf die die Wanderer gewartet haben. Robert Wilhelm zeigt Bilder ihrer farbenprächtigen Uniformen und erzählt die Geschichte der Kavallerie, die schon 1734 begann. Das ist für die Besucher mindestens genauso spannend wie die Infos zur Großenhainer Grundlinie, die sie am Basishäuschen Raschütz aufgenommen haben. "Interessant, was unsere Vorfahren schon alles geschafft haben", meint Simone Meentzen zur Landvermessung - zur königlich-sächsischen Armee kann man vielleicht geteilter Meinung sein. Und sie ist begeistert von der Kombination von Natur und Geschichte auf dieser Wanderung. Großenhain will sie möglichst bald wieder besuchen. 

Weitere Wanderungen der Volkshochschule: 1. August, 10.45 Uhr ab Klipphausen "Der Prinz und die Wilde Sau"; 29. August, 10.30 Uhr ab Strauch "An Brandenburgs Grenzen"; 26. September, 10.30 Uhr ab Lüttichau "Am Rande der Königsbrücker Heide", Kosten: je 5 Euro, Anmeldung über www.vhs-lkmeissen.de

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