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Surfen im Saxonia

Im Zug von Dresden nach Leipzig gibt es seit Dienstag kostenfreies WLAN. Und der VVO nimmt die S-Bahn ins Visier.

Das Symbol auf den Türen des Regionalexpress Saxonia kündigt eine Neuerung an. Seit Dienstag verkehren die ersten Züge mit kostenfreiem WLAN auf der am stärksten genutzten Fernbahnverbindung in Sachsen.
Das Symbol auf den Türen des Regionalexpress Saxonia kündigt eine Neuerung an. Seit Dienstag verkehren die ersten Züge mit kostenfreiem WLAN auf der am stärksten genutzten Fernbahnverbindung in Sachsen. © Foto: Peter Anderson

Der Weg zum kostenfreien WLAN ist denkbar simpel und funktioniert selbst außerhalb des Zuges. Einfach unter den Einstellungen das DB-Netzwerk auswählen. Anschließend mit einem Klick im automatisch öffnenden Browserfenster die Geschäftsbedingungen akzeptieren. Schon kann das Surfvergnügen im Regionalexpress Saxonia auf der Eisenbahnstrecke zwischen Dresden und Leipzig beginnen.

Am Dienstagmittag hat der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), Burkhard Ehlen, die Technik zusammen mit dem Vorsitzenden der Regionalleitung DB Regio Südost, Wolfgang Weinhold, auf dem Dresdner Hauptbahnhof vorgestellt. Entscheidend für die Zugkunden: Das System zapft parallel die Mobilfunknetze unterschiedlicher Anbieter an. Dadurch wird eine Bandbreite und Verfügbarkeit geschaffen, wie sie mit dem eigenen Handy kaum zu erreichen sein dürfte. Trotzdem bleibt die Stabilität abhängig von der Leistungsfähigkeit der Mobilfunknetze entlang der Strecke. "Die Verbindung von Dresden nach Leipzig war ja 1839 die erste Ferneisenbahn in Deutschland", so VVO-Chef Ehlen. Jetzt sei die Linie wieder ganz vorn mit dabei.

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Die Kosten für das Angebot betragen laut Verkehrsverbund und DB Regio Südost insgesamt 830.000 Euro bis zum Ende des aktuell laufenden Verkehrsvertrages 2025. Das Geld wurde ausgegeben, um acht Triebwagen des Saxonia mit WLAN auszurüsten. Für die täglich 8.500 Nutzer der Strecke, davon 5.500 Pendler, ist der Service kostenlos.

VVO-Chef Ehlen nutzte den Anlass, und erteilte mit Verweis auf die hohen Investitionen den immer wieder auftauchenden Plänen eine Abfuhr, Nahverkehr etwa in Ballungszentren wie dem Dresdner Raum kostenfrei anzubieten. Moderne Züge gebe es nicht umsonst. Eine hohe Leistungsqualität habe ihren Preis, so Ehlen. Nur wer dafür zahle, schätze den Komfort entsprechend wert.

Perspektivisch denkt der Verkehrsverbund Oberelbe seinem Geschäftsführer zufolge darüber nach, den S-Bahn-Kunden ebenfalls ein freies WLAN anzubieten. Allerdings habe dieses Vorhaben gegenwärtig noch eine geringere Priorität hinter den sächsischen Fernbahnstrecken, da die durchschnittlichen Fahrzeiten in der S-Bahn zumeist deutlich kürzer ausfielen.

Ein mit WLAN ausgerüsteter Saxonia-Express wartet im Dresdner Hauptbahnhof auf seinen Einsatz.
Ein mit WLAN ausgerüsteter Saxonia-Express wartet im Dresdner Hauptbahnhof auf seinen Einsatz. © Foto: Peter Anderson

Verknüpft ist das freie Internet mit einem Portal, welches die DB Regio Südost laut eigenen Angaben zusammen mit dem Leipziger Stadtmagazin Urbanite sowie dem MDR bestückt. Es enthalte sowohl Nachrichten als auch Veranstaltungs- und Ausgehtipps, so der Vorsitzende der Regionalleitung Wolfgang Weinhold. Die Informationen würden regelmäßig aktualisiert und sollen auch in kurzen Offline-Phasen abrufbar bleiben.

Weiteres Abteil für Radler und Mütter

Neben dem digitalen Raum gab es am Dienstagmittag im Hauptbahnhof zudem Neuigkeiten zum Platzangebot. Für die fünfteiligen Triebwagen der Saxonia-Flotte sei zum Beginn der Fahrrad-Ausflugssaison ein weiteres Mehrzweckabteil mit vier Fahrradstellplätzen geschaffen worden. Im Tagesverkehr stünden so mindestens drei Mehrzweckabteile im RE 50 bereit. Vor allem Fahrradfahrer und Reisende mit Kinderwagen dürften hiervon profitieren. 

Verbund-Chef Ehlen verwies auf das Wacker-Werk in Nünchritz bei Riesa. Viele der rund 1.500 Angestellten kämen mit dem Rad zur Arbeit. Sie nutzten es, um auf dem riesigen Werksgelände schneller ihren Einsatzort zu erreichen. Die vielen mitgeführten Räder strapazierten die Kapazitäten im Saxonia.

Mehr Sitzplätze in der S 1

Ähnlich wie der Saxonia im Freistaat ist die S-Bahn 1 im Dresdner Raum eine der gefragtesten Linien. Dazu trägt nicht zuletzt die jüngste Verdichtung bei, durch die sich in Stoßzeiten der Takt auf vier Verbindungen pro Stunde gesteigert hat. Speziell bei den mit zwei Wagen ausgerüsteten Bahnen zwischen den halbstündlichen Zügen bemerkt der Verkehrsverbund eine anziehende Nachfrage. Mitunter würden die Sitzplätze knapp. 

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Dem soll rechtzeitig durch den Kauf neuer Triebköpfe bei Bombardier in der Lausitz begegnet werden. 90 weitere Sitzplätze könnten auf diese Weise pro Zug hinzugewonnen werden. Allerdings ist dieser Ausbau nicht ganz preiswert. 70 Millionen Euro würden dafür zu Buche schlagen. Die DB Region Südost und der VVO suchten deshalb nach Partner, um diese Zukunftsidee zu finanzieren, so Verbundchef Ehlen.