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Neue Schätze im Döbelner Stadtmuseum

Eine fast 250 Jahre alte Landkarte der Stadt ist in die Sammlung aufgenommen worden. In der Dauerausstellung wird sie nie zu sehen sein.

Fast 250 Jahre alt ist der Plan der Stadt Döbeln, den Oberbürgermeister Sven Liebhauser und Kathrin Fuchs vom Stadtmuseum in den Händen halten. Er gehört zu den Neuerwerbungen, mit denen das Museum jedes Jahr seine Sammlung ergänzt.
Fast 250 Jahre alt ist der Plan der Stadt Döbeln, den Oberbürgermeister Sven Liebhauser und Kathrin Fuchs vom Stadtmuseum in den Händen halten. Er gehört zu den Neuerwerbungen, mit denen das Museum jedes Jahr seine Sammlung ergänzt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die empfindliche Neuerwerbung steckt in einer Mappe aus Karton. Mit Handschuhen klappt Kathrin Fuchs vom Döbelner Stadtmuseum den Umschlag auf. Vergilbtes Papier wird sichtbar, auf der anderen Seite des Blattes kommt das zum Vorschein, was es so wertvoll macht. Ein Stadtplan, gedruckt und koloriert vor fast 250 Jahren vom Leipziger Kupferstecher Georg Friedrich Jonas Frentzel. 

„Plan der Stadt Döbeln und den amtlich eingepfarrten Dorfschaften“. Die Maßangaben in Schritten, 8.000 davon auf die halbe Meile gerechnet. In der rechten unteren Ecke eine opulente Ansicht der Stadt. Die Karte ist eine der neusten Anschaffungen des Döbelner Stadtmuseums. 

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„Der Plan ist in einem ziemlich perfekten Zustand und wird selten angeboten“, sagte Kathrin Fuchs. Sie hatte ihn bei ihren Recherchen im Netz bei einem Händler entdeckt. 1.200 Euro steht mit Bleistift in einer Ecke geschrieben. „So viel haben wir aber nicht bezahlt. Der Händler ist uns entgegengekommen.“

Der Stadtplan ist der älteste, den das Museum in seinem Bestand hat. Man kann sich in ihm verlieren und lange nach den bekannten Orten suchen. Nach Ober-Ranschitz zum Beispiel, Bornitz und Zschaeschitz, wie die Orte in der damaligen Schreibweise hießen. Aber der Plan wird eher selten zu sehen sein. 

„In die Dauerausstellung kommt er auf keinen Fall, weil er aus Papier ist“, sagte Kathrin Fuchs. Der gute Zustand würde sich unter Ausstellungsbedingungen schnell verschlechtern. Der Plan sei aber wichtig für das Verständnis der Stadtgeschichte. „Gegebenenfalls kann man ihn mal in einer Sonderausstellung zeigen“, sagte Kathrin Fuchs.

Hunderte Möbelbeschläge sind in diesem Katalog der Firma Tümmler aus dem Jahr 1926 abgebildet. Er wurde dem Stadtmuseum von einem Österreicher zum Kauf angeboten und ist eine Rarität.
Hunderte Möbelbeschläge sind in diesem Katalog der Firma Tümmler aus dem Jahr 1926 abgebildet. Er wurde dem Stadtmuseum von einem Österreicher zum Kauf angeboten und ist eine Rarität. © Jens Hoyer

Das Heimatmuseum hat ein Finanzbudget, um regelmäßig solche Anschaffungen zu tätigen. „Da werden wir dranbleiben, weitere Stücke zu erwerben, die Bezug auf die Heimatgeschichte haben“, sagte Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU). Der Ausbau der Sammlung ist auch eine der Voraussetzungen für die institutionelle Förderung, die das Museum vom Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen erhält. Das sind etwa 20.000 Euro pro Jahr, sagte Kathrin Fuchs.

Meist sind es Exponate aus Papier, die im Fundus des Museums landen. Die sind weit verbreitet und vergleichsweise günstig zu bekommen. Im vorigen Jahr war dem Museum ein weiterer Glückskauf gelungen. Auf dem Kunstmarkt war ein Plakat vom Döbelner Heimatfest 1914 angeboten worden, das seinerzeit vom Döbelner Maler Bernhard Kretzschmar entworfen wurde. 

„Das Plakat existiert fast nirgendwo mehr“, sagte Kathrin Fuchs. Vor Jahren hatte sie ein gleiches bei einer Auktion in Amerika entdeckt, es aber aufgrund der Umstände nicht erworben. Dann bekam sie einen Tipp. Ein Antiquariat in Leipzig hatte das seltene Stück im Angebot. Der Entwurf Kretzschmars sei außergewöhnlich. „Es war auch ein sehr großes Heimatfest“, sagte Kathrin Fuchs. Außerdem sei das Plakat in der Druckerei Thallwitz in Döbeln gedruckt worden.

Manche Objekte werden dem Museum auch angeboten. Ein Österreicher hatte ein besonders interessantes Stück in seinem Besitz. Einen dicken Wälzer – ein Katalog der Firma Robert Tümmler von 1926. „Es ist faszinierend, in welcher Fülle Tümmler Möbelbeschläge angeboten hat“, sagte Kathrin Fuchs. Die Firma ging später im VEB Döbelner Beschläge und Metallwerk (DBM) auf. Heute steht Kaufland auf dem Betriebsgelände.

„Konfekt“ steht auf dieser Matrize, die wohl aus der Firma Schönfeld von der Feldstraße in Döbeln stammt. Der genaue Verwendungszweck ist unklar. Auch über die Firma selbst ist nicht viel bekannt.
„Konfekt“ steht auf dieser Matrize, die wohl aus der Firma Schönfeld von der Feldstraße in Döbeln stammt. Der genaue Verwendungszweck ist unklar. Auch über die Firma selbst ist nicht viel bekannt. © Jens Hoyer

Es sei gar nicht so einfach gewesen, das seltene Exponat nach Döbeln zu bekommen. Drei Versuche waren nötig, zweimal ließen die Paketdienste die Sendung nach Österreich an den Absender zurückgehen. Begründung: Die Adresse, also das Döbelner Rathaus, sei unauffindbar gewesen.

 „Zum Glück war der Verkäufer geduldig“, sagte Kathrin Fuchs. „Der wollte, dass der Katalog ins Museum kommt.“ Dort ergänzt es die Sammlung zur Döbelner Industriegeschichte. „Der Katalog ist ein Schmuckstück und vollständig. Es fehlt keine Seite. Wir haben auch viele Beschläge der Firma Tümmler im Bestand.“

Schon etwas handfester und auch für die Dauerausstellung geeignet, sind zwei andere Exponate, die neu im Fundus sind. Die Matrizen aus Kupfer wurden seinerzeit in einer Schokoladenfabrik für einen unbekannten Zweck verwendet. In Spiegelschrift ist „Konfekt“ zu lesen und „Schönfeld“. 

Über die Firma, die der Vorläufer des VEB Süßwarenfabrik war, weiß man nicht viel, sagte Kathrin Fuchs. „Wir müssen dazu erst einmal recherchieren. Zum Thema Süßware haben wir noch nichts in unserer Ausstellung.“ Der Dresdner Uwe Hessel hatte vor zehn Jahren einen Vortrag zur Döbelner Schokoladenindustrie gehalten. Demnach produzierte die Firma Schönfeld seinerzeit auf der Feldstraße, unter anderem auch Marzipan.

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Nicht Marzipan, sondern Seife kamen etwa zur gleichen Zeit aus der Firma Hermann Otto Schmidt an der Rößchengrundstraße. Ins Museum ist eine Korrespondenz gelangt, die eine Episode aus dem Jahr 1935 wiedergibt. Ein Großhändler aus Greiz hatte zu wenig Geld überwiesen, weil ihm der Handelsvertreter der Döbelner Firma noch 19 Reichsmark schuldete. Die Firma Hermann Otto Schmidt bat nun darum, das Geld zu überweisen, um das Konto auszugleichen.

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