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Neue schneeweiße Hoffnung

Das Wildgehege Moritzburg bekommt einen jungen Hirsch vom Weißen Rotwild. Zwei Vorgänger endeten tragisch.

Noch lebt der junge Hirsch in der Uckermark. Aber bis zum Herbst soll er nach Moritzburg umziehen.
Noch lebt der junge Hirsch in der Uckermark. Aber bis zum Herbst soll er nach Moritzburg umziehen. © Thomas Golz

Moritzburg. Gleich zwei Hiobsbotschaften kamen in den vergangenen drei Wochen aus dem Wildgehege Moritzburg. Erst musste die zweijährige Elchkuh Elli weggegeben werden, weil die Gefahr bestand, dass der 14 Jahre alte Elchbulle Horst sie tödlich verletzen könnte. Kurz darauf musste das imposante Alttier eingeschläfert werden.

Nun gibt es Nachrichten, die neue Hoffnungen wecken. So soll die abrupt unterbrochene Haltung der großen Hirsche mit neuen Tieren fortgesetzt werden. Einem Bullen und ein oder zwei weiblichen Tieren. Helfen will dabei Thomas Golz, in dessen Elch- und Rentierfarm in der Uckermark Elli ein neues Zuhause gefunden hat.

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Doch nicht nur beim Wappentier von Sachsens ältestem Wildpark besteht damit wieder Hoffnung auf Nachwuchs. Auch beim seltenen Weißen Rotwild, das es nur in wenigen Parks gibt und dessen Haltung und Zucht damit noch schwieriger ist als die der Elche, soll es weitergehen.

„Im Tausch für Elli bekommen wir von Herrn Golz einen jungen Hirsch vom Weißen Rotwild“, sagt Ronald Ennersch, der Leiter des zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörenden Wildgeheges. Der Spießer, so heißen die Junghirsche wegen ihrer geraden, noch nicht verzweigten Geweihstangen, ist gut ein Jahr alt, so Thomas Golz.

Mit dem prächtigen Hirsch wurde die Haltung des Weißen Rotwilds in Moritzburg vor fast 20 Jahren wiederbelebt. In der Silvesternacht 2013 wurde er getötet und enthauptet. 
Mit dem prächtigen Hirsch wurde die Haltung des Weißen Rotwilds in Moritzburg vor fast 20 Jahren wiederbelebt. In der Silvesternacht 2013 wurde er getötet und enthauptet.  © SZ/Sven Görner

Ronald Ennersch ergänzt: „Sobald er transportfähig ist, soll er zu uns nach Moritzburg kommen.“ Das sei der Fall, wenn der Bast, die kurzbehaarte Haut, die das Geweih während dessen Wachstumsphase umschließt, runter ist. Bis dahin gibt es in Moritzburg allerdings noch einiges zu tun.

„Wir wollen für unsere beiden weiblichen Tiere und den Hirsch ein neues Gehege schaffen“, sagt der Forstmann. Dafür soll der Teil der Damwild-Anlage in Richtung Brandwiese abgetrennt werden. Normales und Weißes Rotwild werden so künftig Nachbarn. „Entlang des neuen Zaunes wollen wir auch eine Benjeshecke als Sichtschutz zum Damwild anlegen.“

Das Weiße Damwild, das derzeit mit dem normalfarbenen zusammen in der Anlage ist, soll dann im jetzigen Gehege des Weißen Rotwilds neben dem Abenteuerpark sein neues Zuhause bekommen. Die beiden Hirschkühe sind dort oft schwer zu entdecken, weil das Gehege nur von zwei Seiten einsehbar ist. „Das wird sich mit dem neuen Standort des Weißen Rotwilds ändern“, verspricht Ronald Ennersch. Denn dank des dortigen Rundweges kann das seltene Wild, das Sachsens Kurfürsten bereits im 17. Jahrhundert für Repräsentationszwecke in Moritzburg hielten, künftig von drei Seiten beobachtet werden.

Die Kühe und der Hirsch sollen zeitgleich umziehen, damit sie sich gemeinsam an das neue Zuhause gewöhnen können. Ob der junge Hirsch dann gleich noch für Nachwuchs im nächsten Jahr sorgen kann, wie es der Wildgehegeleiter insgeheim hofft, bleibt abzuwarten. Die Brunftzeit ist im September/Oktober.

Sein letzter Nachkomme Rudolf  musste im Vorjahr eingeschläfert werden. Für Nachwuchs hatte er nicht gesorgt. 
Sein letzter Nachkomme Rudolf  musste im Vorjahr eingeschläfert werden. Für Nachwuchs hatte er nicht gesorgt.  © Kerstin Bachner

Sein Vorgänger in Moritzburg, der 2014 geborene Hirsch Rudolf, war dabei trotz mehrerer Versuche erfolglos geblieben. Ob das möglicherweise Folgen der Inzucht in dem seit der Jahrtausendwende wieder in Moritzburg gehaltenen Bestand des Weißen Rotwildes waren, ist nicht sicher. Der neue Hirsch sorgt nun auf jeden Fall für frisches Blut. Denn die Zuchttiere von Thomas Golz stammen nicht aus hiesigen Haltungen, sondern aus Belgien. Durch Einkreuzungen versucht der Brandenburger auch ständig, Inzucht zu verhindern.

Die ursprüngliche Herkunft des Weißen Rotwilds, eine Farbvariation des Rotwilds, ist nicht eindeutig belegt. Fachleute gehen davon aus, dass es aus dem Iran, Pakistan und Vorderindien stammt. Schon vor Jahrhunderten gelangten Exemplare nach Europa und wurden gezüchtet.

Bis 1945 gab es Weißes Rotwild auch in Moritzburg. Vor fast 20 Jahren wurde die Tradition mit zwei Tieren wiederbelebt, darunter dem in der Silvesternacht 2013 getöteten 14-jährigen Hirsch. Das Tier war mit einer Armbrust beschossen worden. Die Täter hatten dann den Kopf mit dem prächtigen Geweih brachial vom Rumpf getrennt. Ermittelt werden konnten sie bisher nicht.

Sein 2014 geborener Sohn Rudolf wurde Ende vergangenen Jahres eingeschläfert, nachdem sich sein Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert hatte. Die Prüfungen in der Landesuntersuchungsanstalt ergaben, dass das Tier an einer schweren Lungenentzündung und akutem Nierenversagen litt.

Schon damals hatte Ronald Ennersch angekündigt, wieder einen neuen Weißen Hirsch nach Moritzburg holen zu wollen. Seine Hoffnungen richteten sich dabei auf Zuchten unserer südlichen Nachbarn. In Tschechien gibt es mehrere Gehege, in denen diese Tiere leben. Nachfragen führten allerdings nicht zum gewünschten Erfolg.

„Dass wir jetzt den Hirsch von Thomas Golz bekommen, hat sich dann rein zufällig ergeben, als ich bei ihm wegen Elli nachgefragt habe.“ Denn wer auf die Internetseite des Brandenburgers klickt, findet dort keinen Hinweis auf seine Zucht der fürstlichen Weißen Hirsche.

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