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Neue Zuversicht bei den Teigwaren

Monatelang kämpften die Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen. Nun scheint das Ziel zum Greifen nah.

Freuen sich über konstruktive Gespräche mit der Teigwaren-Geschäftsführung: die aktuellen und ehemaligen Betriebsräte Carola Werner, Daniel Zielke, Frank Meyer, Andreas Wolf und Anja Reisky (v.l.n.r.).
Freuen sich über konstruktive Gespräche mit der Teigwaren-Geschäftsführung: die aktuellen und ehemaligen Betriebsräte Carola Werner, Daniel Zielke, Frank Meyer, Andreas Wolf und Anja Reisky (v.l.n.r.). © Lutz Weidler

Riesa. So oft wie 2019 haben die Teigwaren Riesa wohl noch nie für Schlagzeilen gesorgt. Auf viele davon hätte das Unternehmen wohl liebend gern verzichtet. Vor allem der Winter stand ganz unter dem Zeichen des Arbeitskampfes. Insgesamt fünf Mal riefen der Betriebsrat und die Gewerkschaft NGG zwischen November 2018 und April 2019 zum Streik. Fast ein halbes Jahr lang wurde gerungen und verhandelt, nicht immer machte die Geschäftsführung dabei nach außen eine gute Figur.

Ende April, der nächste Streik schien schon sicher, vermeldete die NGG dann überraschend den Durchbruch: Man habe sich auf einen Manteltarifvertrag geeinigt, hieß es. Ein Meilenstein für das Unternehmen, sagt Daniel Zielke. Er leitete in der heißen Phase des Tarifstreits den Betriebsrat. Schon zum Jahreswechsel hatten die Teigwaren die Entgelte um sieben Prozent angehoben. Doch das genügte den Gewerkschaftern nicht. „Sieben Prozent klingt erst einmal viel. Aber sieben Prozent von Wenig, das ist immer noch wenig.“ Letztlich hätte die Lohnerhöhung nur 60 bis 80 Cent pro Stunde ausgemacht.

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Die NGG und die Betriebsräte wollten mehr – und sehen den Manteltarif als ersten Schritt. Nachtschichtzuschläge, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Umkleidezeiten und ab 2020 insgesamt 30 Tage Urlaub – all das ist nun klar geregelt. „Es geht nicht einfach nur um mehr Geld, sondern auch um Wertschätzung“, erklärt Frank Meyer, der Zielke als Betriebsrats-Chef mittlerweile abgelöst hat.

Seitdem ist es nach außen wieder weitgehend ruhig geworden um die Teigwaren. Hinter den Kulissen allerdings wird weiter verhandelt. „Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung ist besser geworden“, sagt Frank Meyer. Mittlerweile liefen die Gespräche konstruktiver ab, bestätigen auch andere Mitglieder des Betriebsrats. Die Eigentümerfamilie hatte zuvor noch keine Berührungen mit dem Thema Betriebsrat und Streiks gehabt. „Dabei kann ein Betriebsrat auch für das Unternehmen arbeiten“, betont Daniel Zielke. Nestlé beispielsweise habe seinem Betriebsrat den Auftrag gegeben, ein Konzept zur Suchtprävention im Unternehmen zu erarbeiten und vorzustellen. Mit- statt gegeneinander, das könne schon funktionieren.

Während mittlerweile die Produktion wieder läuft und hinter den Kulissen verhandelt wird, hatten am Jahresanfang 2019 mehrfach Streiks das Unternehmen lahmgelegt.
Während mittlerweile die Produktion wieder läuft und hinter den Kulissen verhandelt wird, hatten am Jahresanfang 2019 mehrfach Streiks das Unternehmen lahmgelegt. © Sebastian Schultz

Bald geht es wieder ans Eingemachte für die Betriebsräte: Nachdem zuletzt die Ecklohn-Gruppen festgelegt wurden, kommt Anfang des Jahres das größte Problem, sagt Frank Meyer: Wie hoch fällt der Ecklohn aus? „Vom Unternehmen hieß es, das solle kostenneutral erfolgen.“ Die letzte geplante Verhandlungsrunde im Dezember habe man deshalb abgesagt. Nach dieser Ansage hätte eine Verhandlung keinen Sinn gehabt. „Einen kostenneutralen Tarifvertrag wird es nicht geben.“ Jetzt wollen die Verhandlungspartner einige neue Termine für Januar bis März anbieten. Am 31. März endet die Friedenspflicht. Derzeit geben sich die Arbeitnehmervertreter optimistisch, bis dahin eine Einigung zu erreichen.

Sorgen im Nudelcenter

Intern haben die Streiks und Tarifverhandlungen in jedem Fall etwas bewirkt. „Es herrscht Aufbruchsstimmung“, sagt Frank Meyer. Die Motivation sei Ende 2018 am Boden gewesen, das sei nun ganz anders. „Das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter ist auch ein ganz anderes“, ergänzt Daniel Zielke. Etwa 80 Prozent der Mitarbeiter sind in der Gewerkschaft. Wer Probleme hat, traue sich nun auch, den Betriebsrat als Ansprechpartner zu kontaktieren.

Daniel Zielke selbst allerdings ist mittlerweile kein solcher Ansprechpartner mehr. Er absolviert derzeit im Saarland ein Trainee-Programm zum Gewerkschaftssekretär – bei der NGG. Mit dem Hausverbot, das er Ende 2018 mit Beginn der Tarifstreitigkeiten bekommen hatte, habe das wenig zu tun. Ihm sei schon vor Gründung des Betriebsrates klar gewesen, dass er sich etwas Neues suchen wolle, betont er. Gar nicht so einfach mit einer im Internet leicht nachzuvollziehenden Vita als streikfreudiger Betriebsrat, erzählt er lächelnd.

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Für den siebenköpfigen Betriebsrat um den neuen Vorsitzenden Frank Meyer gibt es auch abseits der Löhne noch einiges zu regeln. Denn während in der Produktion einiges läuft, sieht die Lage in anderen Abteilungen weniger rosig aus, sagt Betriebsrätin Anja Reisky. „Für uns im Nudelcenter war das letzte halbe Jahr eine psychische Belastung.“ Nach wie vor ist eine mögliche Ausgliederung nicht vom Tisch, sagen die Betriebsräte. Auch wenn sie nicht glauben, dass die Geschäftsführung das rechtlich durchdrücken könne: Die Sorge um den Arbeitsplatz sei da.

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