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Neues Urlaubsgefühl in der alten Heimat

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Manch Ex-Hoyerswerdaer verbringt seine Ferien in der alten Heimat. Wie Jeanette Schömmel.

Jeanette Schömmel verbringt ihren Urlaub gern in ihrer alten Heimatstadt.
Ein Besuch im Garten der Familie gehört im Sommer unbedingt dazu.
Jeanette Schömmel verbringt ihren Urlaub gern in ihrer alten Heimatstadt. Ein Besuch im Garten der Familie gehört im Sommer unbedingt dazu. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Rückblick auf 2007: Im „Deutschen Familienatlas – Attraktivität der Regionen für Familien“ wird Hoyerswerda als „engagierte Stadt“ bezeichnet. Der Bau eines dreißig Meter hohen Aussichtsturmes zwischen Sedlitzer und Geierswalder See hat im Sommer begonnen. 

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Die Papierfabrik in Schwarze Pumpe investiert in weitere Maschinen. Das Lausitzer Seenland wächst langsam und nimmt erste Konturen an. In dem ehemaligen Braunkohlentagebaugebiet sollen zukünftig nahezu 30 Seen entstehen, deren Wasserflächen für touristische Nutzungen vorgesehen sind. Doch die Umsetzung braucht Zeit. Für viele Menschen zu viel Zeit, wie sich anhand der Bevölkerungszahlen über ein Jahrzehnt später herausstellen soll.

Jeanette Schömmel und viele andere Schulabgänger kehren ihrer Heimatstadt im Jahre 2007 den Rücken. Gründe dafür sind auch Perspektivlosigkeit, fehlende Wunschausbildungsplätze oder der Drang nach persönlicher Veränderung – inklusive Umgebungswechsel.

Der Duft der großen, weiten Welt riecht für viele junge Menschen nun mal verlockend. Verbunden mit dieser „Versuchung“ ist auch der Wunsch, sich beruflich wie auch privat weiterzuentwickeln. Und das möglichst sofort. Auch die Jugend wird schließlich nicht jünger.

Jeanette Schömmel möchte damals gern Kinderkrankenschwester werden. Aber: Es könne Jahre dauern, bis ein Ausbildungsplatz frei werde, sagt man der 19-Jährigen auf ihre Anfrage. Doch so lange möchte die gelernte Kinderpflegerin nicht warten, auch wenn sie gern in ihrer Heimatstadt bleiben möchte. Sie reagiert, trifft eine Entscheidung und handelt. Ihr sehnlichster Berufswunsch geht wenig später in den alten Bundesländern in Erfüllung. Heute lebt die ehemalige Hoyerswerdaerin in Troisdorf in Nordrhein-Westfalen. Und wenn man sie erzählen und schwärmen hört, dann scheint sie in ihrer Wahlheimat auch längst angekommen zu sein.

Dennoch zieht es die heute 31-Jährige mehrmals im Jahr in ihre Heimatstadt zurück, um Urlaub machen und ihre Familie besuchen zu können. Am liebsten gleich für mehrere Tage. Immerhin trennen ihre Angehörigen und sie fast 600 Kilometer.

Ab und an ein „goar ni“

In der Heimat angekommen, wird Jeanette Schömmel von Erinnerungen eingeholt, die sie zunehmend nachdenklicher, aber auch kritischer werden lassen.

Ihre alte Schule „Am Adler“ steht noch. Schüler und Lehrer werden in absehbarer Zeit in die Oberschule „Am Stadtrand“ umziehen. Was mit dem Schulgebäude „Am Adler“ passiert, steht in den Sternen. Hier haben tausende Kinder ihre Unterrichtszeit verbracht. Und plötzlich gerät Jeanette Schömmel (wieder) ins Schwärmen; berichtet von Ostereiern, Krabat und von sorbischen Traditionen. Nicht zu vergessen ihre Lieblingslehrerin, die von vielen als „Frau mit der Ritterrüstung“ bezeichnet wurde ob ihrer sehr engagierten Arbeitsweise, die so manches Problem aus der Welt schaffte. „Sie war an der Adlerschule die beste Klassenleiterin, die ich je hatte. Sie hat mein Leben sehr positiv geprägt.“

Von all diesen Erinnerungen berichtet die Ex-Hoyerswerdaerin auch gern ihren Freunden und Arbeitskollegen. Und wenn sie in ihrem Berufsalltag ein „goar ni“ (gar nicht) zu hören bekommt, weiß die Krankenschwester, dass diese Patienten wohl aus Hoyerswerda oder dessen näherer Region stammen. „Dann ist meine Heimat für mich ganz nah. Ein schönes Gefühl“.

Und weil Heimat auch gut schmecken kann, gehört ein Besuch bei „Hasans Döner“ in der Neustadt für Jeanette Schömmel immer unbedingt dazu. Auf der Rückreise aus dem Urlaub dürfen Lausitzer Leinöl, Bautzener Senf, Spreewälder Gurken, eine ganz spezielle Knoblauchsauce und Produkte von der hiesigen Fleischerei Dubau nicht im Gepäck fehlen.

„Seenland ist eine große Chance“

Was sie in ihrer alten Heimatstadt jedoch auch zunehmend beobachten kann, sind immer weniger junge Menschen und fehlender Mut zu Veränderungen. Besonders bei der jüngeren, arbeitsuchenden Generation mache sich zunehmende Lethargie und ein Gefühl des Aufgebens breit.

Was die 31-Jährige hingegen sehr freut: Der vertraute und höfliche Umgangston unter Nachbarn und Dorfbewohnern sei bis heute unverändert erhalten geblieben. „Das Miteinander schätze ich sehr an der Region. Ich mag auch die Ruhe und die vielen Seen mit ihren Stränden vor der Haustür. Das Seenland ist eine große Chance für die Region. Aber nur dann, wenn die Menschen sie auch nutzen und gut umzusetzen wissen. Dafür braucht es gute Ideen, viele engagierte Macher und Mut.“

Momentan kann sich Jeanette Schömmel nicht vorstellen, zurückzukehren. Aber der nächste Urlaub in der alten Heimat kommt bestimmt. Und vielleicht gibt es irgendwann für Jeanette Schömmel doch ein Zurück nach Hoyerswerda.

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