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Wie sich Nieskys Händler auf Schließungen einstellen

Nicht jedes Geschäft ist davon betroffen. Einschränkungen gibt es aber in jeder Branche.

Von Steffen Gerhardt
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Doris Hoffmann und Tochter Annelie Hoffmann führen das Geschäft Augenoptik Neuhäußer in Niesky. Von einer Schließung sind die Augenoptiker zwar auch betroffen, aber sie sollen einen Notdienst für die Bürger anbieten.
Doris Hoffmann und Tochter Annelie Hoffmann führen das Geschäft Augenoptik Neuhäußer in Niesky. Von einer Schließung sind die Augenoptiker zwar auch betroffen, aber sie sollen einen Notdienst für die Bürger anbieten. © SZ/Steffen Gerhardt

Die Flasche mit dem Desinfektionsmittel hat Doris Hoffmann immer in Reichweite stehen. "Wir wollen im Interesse unserer Kunden mögliche Infektionen vermeiden", sagt die Inhaberin des Optiker-Geschäftes Neuhäuser in Niesky. So werden regelmäßig die Türklinken desinfiziert und das mit dem der Kunde in Berührung kommt.  

Eingeschränkt in ihren Dienstleistungen haben sich Doris Hoffmann und Tochter Annelie bereits in ihrem Geschäft. Gegenwärtig führen wir keine Sehtests mehr durch. Weil man dem Kunden direkt gegenübersitzt und sich beide Personen leicht infizieren können", sagt die Inhaberin. Abbruch bei den Kunden in ihrem Geschäft können die beiden Hoffmanns so nicht feststellen. "Aber es wird jetzt öfters zum Telefon gegriffen und nachgefragt, als in den Laden gekommen", hat Tochter Annelie festgestellt.    

Statt Händeschütteln ein Lächeln

Abstand zum Kunden halten, das ist jetzt das Motto auch bei Hoffmanns. Ein Schild auf der Kasse macht darauf aufmerksam mit dem Hinweis: "Wir verzichten momentan auf das Händeschütteln und schenken Ihnen dafür ein Lächeln". Auch wenn keiner sagen kann, wohin die Corona-Krise noch führen wird, Doris Hoffmann bleibt optimistisch und sagt sich: Das Glas ist halb voll.  

Denn wie es mit ihrem Geschäft weitergeht, kann ihr verbindlich derzeit keiner sagen. "Wir werden regelmäßig vom Zentralverband beziehungsweise Landesverband der Augenoptiker informiert. Aber sie können auch nur das weitergeben, was die Politik beschließt.", sagt Doris Hoffmann. Wie die derzeitige Lage ist, werden die Optikergeschäfte nicht ganz geschlossen. "Wir sind angehalten, einen Notdienst aufrecht zu erhalten. Damit sollen Reparaturen und der Kauf von Ersatzbrillen für die Bevölkerung möglich bleiben", erklärt die Geschäftsinhaberin.   

Notdienst für die Bürger

Wie das praktisch zu handhaben ist, das muss sich erst noch herausstellen und einspielen. Zumal bis gestern noch kein Termin festgelegt worden ist. "Wir sind aber vorbereitet", so Doris Hoffmann. Die Veränderungen durch das Coronavirus in ihrer Branche sind aber spürbar. So kommen auch keine Handelsvertreter mehr in ihr Geschäft. "Das wird alles telefonisch oder per E-Mail abgewickelt", sagt die Geschäftsfrau.    

Bei Hoffmanns schwingt noch etwas Zuversicht mit. Anders ist die Stimmung in den Geschäften, die um eine Schließung nicht umhinkommen, wenn sie verfügt wird. Gudrun Lehmann führt das Geschäft "Mode Schuh" am Zinzendorfplatz. Eine Angestellte hat sie. "Für uns ist der Verlust groß, wenn wir für längere Zeit schließen müssen." Davon ist Gudrun Lehmann überzeugt. 

Frühjahrsware schon im Regal

Hinzu kommt der ungünstige Zeitpunkt der Einschränkungen. "Wir sind dabei, die Ware für das Frühjahr und den Sommer zu ordern. Ein Teil ist schon da", sagt die Geschäftsinhaberin. Nun befürchtet sie, darauf sitzen zu bleiben, wenn sie keine Möglichkeit hat, ihre Ware zu verkaufen. "Keiner weiß, wie lange der Zustand noch anhält, die Geschäfte geschlossen bleiben", betont Gudrun Lehmann. Dazu kommt, dass die Leute Schuhe nicht auf Vorrat kaufen so wie Toilettenpapier oder Konserven. 

Absatzprobleme sieht auch Andreas Vetter auf sich zukommen. Er ist Inhaber vom Fachgeschäft Sport-Vetter in Niesky. Er hat schon Sportbekleidung für das Frühjahr geordert. Bei ihm ist es nicht anders als bei Gudrun Lehmann. Die Händler müssen in finanzielle Vorleistung gehen, die Waren also kaufen. "Können wir unsere Artikel nicht verkaufen, bleiben wir auf den Kosten sitzen", sagt Andreas Vetter.   

Alternativen sind möglich

Dass sein Sportgeschäft auch von der Schließung betroffen ist, will der Geschäftsmann nicht ganz akzeptieren. "Es lässt sich regulieren, wie viele Kunden den Laden betreten dürfen. Außerdem kann man so verkaufen, dass die Kunden wenig oder keinen Kontakt mit dem Personal haben", erklärt Vetter. Das Personal ist seine nächste Sorge. "Kurzarbeit war für uns noch nie ein Thema, nun werden wir uns damit beschäftigen müssen."  

Was den Einzelhändlern Sorge macht ist, dass sie sich allein gelassen fühlen. Das bestätigt auch Anke Noll. Sie führt in Niesky ein Buchgeschäft mit einer Lotto-Annahme. "Ich weiß nur, dass ich von einer Schließung bedroht bin. Wann sie kommt und mit welcher Konsequenz, das werde ich wohl aus den Medien erfahren", sagt die Geschäftsfrau. Muss sie schließen, dann betrifft das nur sie. Angestellte hat sie nicht. "Trotzdem ist das ein komisches Gefühl, seine Existenz aufzugeben für Gründe, die man nicht zu verantworten hat, auch wenn das nur befristet sein soll", sagt die junge Frau.    

Denn Miete und Betriebskosten laufen für ihr Geschäft weiter, auch wenn kein Kunde den Laden am Zinzendorfplatz mehr betreten darf. Dass die Bundespolitik finanzielle Hilfe zugesagt hat, findet Anke Noll gut. "Aber sie muss auch bei den Einzelhändlern ankommen, unbürokratisch und schnell!"

Baumarkt verzichtet auf Bargeld

Apropos Geld: Ideen und Gedanken, Infektionen zu vermeiden gibt es in diesen Tagen viele. Der Nieskyer Obi-Markt verzichtet jetzt auf Bargeldzahlungen, um damit ein Infektionsrisiko zu minimieren. "Wir empfehlen unseren Kunden, mit der Karte zu bezahlen, auch bei kleineren Beträgen", heißt es von der Marktleitung.  

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