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Wirtschaft

Früheres Florena-Werk in Waldheim wird geschlossen

Der Standort des Nivea-Herstellers Beiersdorf steht überraschend vorm Aus. Die Firma baut bei Leipzig ein neues Werk. Für Mitarbeiter gibt es ein Angebot.

Die Produktionsstätte für Nivea-Cremes in Waldheim wird geschlossen, die Herstellung nach Leipzig verlegt.
Die Produktionsstätte für Nivea-Cremes in Waldheim wird geschlossen, die Herstellung nach Leipzig verlegt. © Christian Charisius/dpa

Döbeln. Der ehemalige Florena-Standort in Waldheim, an dem 250 Mitarbeiter heute vor allem Cremes der Marken Nivea und Eucerin herstellen, wird mittelfristig geschlossen. Das teilte am Mittwoch der Personalvorstand der Beiersdorf AG Zhengrong Liu mit. Er war aus Hamburg angereist. Nach Gesprächen in den einzelnen Abteilungen der Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH wurde am Nachmittag die Belegschaft über die Pläne informiert.

Hintergrund ist eine geplante Investition des Unternehmens an einem neuen Standort. 2022 will die Beiersdorf AG in Leipzig eine neue Produktionsstätte für Kosmetik und Körperpflegeprodukte eröffnen. Rund 200 Mitarbeiter sollen zunächst an dem Standort in Seehausen unter anderem Deodorants herstellen. Bevor der Konsumgüterhersteller Beiersdorf bauen kann, muss das Gewerbegebiet Seehausen II erschlossen werden. Rund neun Millionen Euro sind dafür nach Auskunft des Dezernats Wirtschaft, Arbeit und Digitales in Leipzig nötig. 

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Neben Fördergeldern wird die Stadt rund 3,3 Millionen Euro aus Eigenmitteln in die Erschließung des 54 Hektar großen Areals stecken. Sie soll in diesem Sommer beginnen. 28 Hektar der Gesamtfläche hat sich Beiersdorf reserviert, um hier einen neuen Standort zu erreichten, der Teil eines strategischen Produktionsnetzwerks in Europa sein wird. Man könne in Seehausen künftig die modernsten Umweltstandards erfüllen und mit optimierten Reinigungskreisläufen die Belastung der Natur minimieren, begründete Personalvorstand Zhengrong Liu die Entscheidung für den Neubau. Er wird rund 220 Millionen Euro kosten. Es ist die größte Einzelinvestition der AG zur Erweiterung ihrer Produktion in Europa.

Waldheimer sollen nach Leipzig

Die Schließungsabsichten stellen eine Wende dar. Noch im Oktober 2019 hatte der Betriebsratsvorsitzender des Waldheimer Werkes, Jürgen Sager gegenüber dem mdr versichert: "Es gibt keine Konkurrenzsituation oder Angst, dass Waldheim dadurch (neuer Standort in Seehausen , Anmerkung. d. Red.) etwas wegbrechen könnte". Es gäbe keinerlei Überschneidungen bei der Produktpalette mit dem Werk in Waldheim. Zum Thema der Standortsicherheit für Waldheim äußerte sich Sager allerdings damals schon deutlich vorsichtiger. Die größte Herausforderung sei, das Waldheimer Werk wettbewerbsfähig aufzustellen, denn nur ein wettbewerbsfähiger Standort sei ein sicherer Standort, so der Betriebsratschef.

Die Schließung des Standortes Waldheim bahnte sich daher schon etwas an. Die beiden Standorte liegen gut 70 Kilometer auseinander. Mit dem Auto braucht man gut 50 Minuten, mit der Bahn zweieinhalb Stunden. Man wolle die langjährig Erfahrung und Expertise der Waldheimer Mitarbeiter nutzen, so Personalvorstand Liu, man werde ihnen ein Stellenangebot unterbreiten. Ob und wie viele Mitarbeiter das Angebot in Seehausen annehmen werden, ist noch völlig offen.

Das frühere Florena-Werk in Waldheim will der Nivea-Hersteller Beiersdorf schließen.
Das frühere Florena-Werk in Waldheim will der Nivea-Hersteller Beiersdorf schließen. © Dietmar Thomas

Der Beiersdorf AG hatte bereits 2019 eine Investitionsoffensive angekündigt. Bis zu 80 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren zusätzlich in die Internationalisierung, Innovation, Digitalisierung und Mitarbeiterqualifizierung fließen. Man wolle sich so für die tiefgreifenden Branchenumbrüche wappnen, erklärte Stefan De Loecker damals. Er hat seit 1. Januar 2019 den Vorstandvorsitz der Beiersdorf AG inne. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung innovativer Haut-, Schönheits- und Pflegeprodukte. Zu den bekanntesten Marken zählen unter anderem Nivea, Eucerin, Labello, 8x4 und La Prairie.

Seit Jahren keine Florena-Produkte mehr

Seit April 2002 gehört auch die Marke Florena komplett zu der Beiersdorf AG. Ein Jahr zuvor hatte sich der Hamburger Konsumgüterhersteller mit zunächst knapp 25 Prozent in das Unternehmen eingekauft. Eine Firma, die man gut kannte, denn schon in den 1990-er-Jahren wurden in Waldheim im Rahmen der so genannten Gestattungsproduktion Cremes und Salben für Beiersdorf abgefüllt. Zur Komplettübernahme wurde zugesichert, dass das Unternehmen als wirtschaftlich selbstständige Tochtergesellschaft weiter agieren könne und auch der Markenname Florena erhalten bleiben soll. Ihn gibt es noch heute, allerdings auf deutlich weniger Produkten als früher.

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Von der Herstellung von Duschbädern, Flüssigseifen oder Rasierschaum der Marke Florena hat sich Beiersdorf bereits 2014 verabschiedetet. Die Hamburger begründeten die Verschlankung des Portfolios mit einem nachlassenden Kaufinteresse für einige Produkte. Vor allem die jüngere Kundschaft identifiziert sich seltener mit der Marke und ihren Produkten, heißt es von Seiten des Handels. Allerdings gäbe es gerade zwischen Rostock und Suhl immer noch eine sehr treue Käuferschaft, die einige eingestellte Produkte vermisse.

2018 erwirtschaftete Beiersdorf einen Gewinn von 728 Millionen Euro bei einem Umsatz von 7,65 Milliarden Euro. Die Geschäftszahlen für 2019 will Beiersdorf am 3. März bekannt geben.