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Ostdeutsche laufen in die Altersarmut

Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes hält die Nullzins-Politik für eine Zumutung für künftige Rentner.

Symbolbild.

Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, Logo.

Foto: André Schulze

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Symbolbild. Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, Logo. Foto: André Schulze Foto: / / ©  André Schulze

Von Finn Mayer-Kuckuk

Solange die Zinsen in der Eurozone extrem niedrig stehen, zahlen Sparer drauf, wenn sie sich solide verhalten und Geld zurücklegen wollen. Vor allem langfristig gesehen bringt das nach Einschätzung der ostdeutschen Sparkassen erhebliche Probleme. „Viele Menschen laufen bei Nullzinsen in die Altersarmut, und der Osten Deutschlands läuft voran“, sagt Michael Emrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands, am Donnerstag in Berlin. Die anhaltende Politik des billigen Geldes sei zwar kurzfristig vorteilhaft für den Staatshaushalt, sie sei aber „eine Zumutung für die kommende Rentnergeneration und politisch sehr ungesund für unsere Gesellschaft“.

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Hintergrund der Kritik ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). In der Finanzkrise des Jahres 2009 hatte diese den Leitzins zunächst auf ein Prozent und ab 2014 sogar auf null gesetzt. Notenbankchef Mario Draghi hat den Zins zuletzt sogar in den Negativbereich sacken lassen, um den gebeutelten Ländern Südeuropas zu helfen. Die EZB trägt damit nach eigener Darstellung dazu bei, den Arbeitsmarkt auch in Deutschland zu stützen, indem sie für eine ausreichende Geldversorgung und eine normale Inflation sorgt. Doch der Leitzins setzt auch das Niveau der Sparzinsen auf den Konten der Bürger fest. Als normal gelten hier Werte um fünf Prozent.

Politik soll mehr Eigentum im Osten fördern

Während die amerikanische Zentralbank den Zins zuletzt immerhin über zwei Prozent angehoben hat, gibt es keine Anzeichen, dass auch Draghi eine Normalisierung anstrebt. Emrich zeigt sich bei der Vorlage des Halbjahres-Berichts seines Verbandes darüber enttäuscht. „Die Zentralbank orientiert ihre Politik weder am deutschen Sparer noch an der deutschen Sparkasse und auch nicht an der deutschen Volkswirtschaft.“ Die Angst der Menschen in Deutschland vor Altersarmut sei daher „leider begründet“.

In den Ost-Bundesländern besitzen zudem besonders wenig Mitbürger eine eigene Wohnung – und die steigenden Mieten fressen einen immer größeren Teil der Rente auf. Nur ein Drittel der Bewohner der fünf Länder verfügt über Wohneigentum. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 70 Prozent. Statt sich zu bessern, stagniert die Quote in Ostdeutschland. Denn die hohen Kaufpreise lassen bei den vergleichsweise niedrigen Löhnen den Aufbau von Eigentum nicht zu.

Emrich fordert die Politik daher auf, stärker gegenzusteuern. Sie könne mehr beim Aufbau von Eigentum helfen und für ein höheres Angebot an bezahlbarem Wohnraum sorgen. Auch alles, was in Richtung einer Zinserhöhung durch die EZB wirkt, ist willkommen. Solange der Nullzins bleibe, habe der private Anteil der Altersvorsorge beispielsweise durch Riester-Verträge schlicht keinen Sinn. Investitionen in Aktien kommen demnach als Alternative infrage. Sie seien jedoch vor allem etwas für junge Sparer mit einem langen Anlagehorizont, die bis zur Rente noch manche Krise aussitzen und danach wieder auf steigende Kurse hoffen können.

Die Niedrigzinsen belasten auch das Geschäftsergebnis der Sparkassen in den fünf ostdeutschen Bundesländern. Zwar senken die Institute die Kosten, doch ihre Hauptertragsquelle – die Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen – gibt eben derzeit nicht viel her. Dennoch sind im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich sowohl die Bilanzsumme als auch die Kreditvergabe gestiegen. Aus den Zahlen lassen sich jedoch düstere Vorzeichen ablesen: Die Unternehmen leihen sich im Hinblick auf einen möglichen Abschwung weniger Geld für neue Projekte.

Weniger Filialen und Automaten

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Die privaten Verbraucher gönnen sich dagegen öfter etwas und finanzierten die Anschaffungen zunehmend über ihre örtliche Sparkasse. Die Gebühren für die Bankdienste stiegen im Berichtszeitraum nur minimal. Einzelne ostdeutsche Sparkassen verlangten jedoch bereits Strafgebühren für hohe Spareinlagen – ebenfalls ein Trend im Zeitalter des Negativzinses, der derzeit deutschlandweit für Diskussionen sorgt. Die Sparkassen zogen sich wegen des Kostendrucks seit dem vergangenen Jahr mit ihren Diensten erneut aus der Fläche zurück. Die Zahl der Filialen sank um 16 auf 1 241, die der Geldautomaten um sieben auf 2 812. Der Verband versichert jedoch, dass der Rückgang im Einklang mit der örtlichen Nachfrage erfolge – und die Sparkassen sich Schließungen nicht leicht machen.

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