merken
PLUS Pirna

Mieter beklagt sich über WGP

Ein Pirnaer ist auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen. Doch den Stellplatz kann er kaum erreichen. Der Vermieter weist Kritik zurück. Kann SZ-Lichtblick helfen?

Hans-Joachim Mizera aus Pirna-Sonnenstein muss viele für ihn sehr anstrengende Meter mit dem Rollator zurücklegen, bevor er an seine kleine Garagenbox für den Elektro-Rollstuhl gelangt.
Hans-Joachim Mizera aus Pirna-Sonnenstein muss viele für ihn sehr anstrengende Meter mit dem Rollator zurücklegen, bevor er an seine kleine Garagenbox für den Elektro-Rollstuhl gelangt. © Karl-Ludwig Oberthuer

Hans-Joachim Mizera ist ein Freund der klaren Worte. "Das ist reine Schikane, was hier mit mir gemacht wird", sagt der 69-Jährige, der seit 2008 auf dem Sonnenstein in Pirna in der Remscheider Straße 61 wohnt. 

Die Kritik richtet sich gegen seinen Vermieter. Aus seiner Sicht wird er von der Städtischen Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) in seiner speziellen Situation zu wenig unterstützt. Was genau ist das Problem?

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Der Rentner ist zu 90 Prozent schwerbehindert und hat die Pflegestufe drei. Unter anderem leidet er unter einer Lungenkrankheit, einem kaputten Sprunggelenk und einer Leberzirrhose. Das führt nicht nur zu Atembeschwerden, sondern auch des Öfteren zu Schwindelgefühlen. "Ich bin schon mit dem Rollator umgekippt", berichtet der Pirnaer,  der für die ganz kurzen Strecken auf dieses Hilfsmittel angewiesen ist. Um weiter zu kommen, benötigt er einen Elektro-Rollstuhl. Diesen hat er auch über die Krankenkasse bewilligt bekommen. Allerdings befindet sich die Unterstellbox mit Elektroanschluss für das Aufladen des Motors nicht direkt an seinem Hauseingang.  Um zu der kleinen flachen Garage zu gelangen, muss  Mizera zunächst mit seinem Rollator zirka 60 bis 70 Meter zum Hochhauses Remscheider Straße 56 gehen. Dort am Hauseingang befindet sich der Unterstand für seinen Elektro-Rollstuhl. Die Strecke ist nicht eben, sondern es geht etwas bergan. Für Hans-Joachim Mizera bedeutet das eine mehr als große Herausforderung. Auf dem Weg zum Unterstand muss er wegen Atemnot sein Notfallspray benutzen. "Ich überlege mir jedes Mal, ob ich die Strapazen auf mich nehme oder lieber in der Wohnung bleibe", sagt Mizera. 

Unterstützung vom Pflegedienst

Dabei wäre die Lösung aus seiner Sicht ganz einfach. Der Unterstand müsste verlegt werden an den Hauseingang der Nummer 61. Dann könnte Mizera ohne größere Schwierigkeiten von seiner Wohnung mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss fahren, um von dort aus auf den Elektro-Rollstuhl zu wechseln. Mit den Stadtwerken Pirna habe er bereits gesprochen. Der elektrische Stromanschluss wäre kein Problem. "Den Strom für den Rollstuhl könnte man von meinem Wohnungszähler wegnehmen", berichtet der Pirnaer. Nur sein Vermieter, die WGP, stelle sich quer. "Ich habe schon mehrfach angefragt, ob man nicht die Box verlegen könne. Immer nur Absagen", bedauert Hans-Joachim Mizera.

Dabei bekommt er für sein Anliegen auch Unterstützung von Dritten. Gepflegt wird Mizera von seiner Tochter und seiner Frau. Zusätzliche Betreuung erhält er von dem Pflegedienst Cornelia Rümmler aus Pirna. Deshalb kennt Frau Rümmler die Situation von dem Patienten sehr genau. "Herr Mizera schafft es nicht alleine, zu der Unterstandbox seines Rollstuhl zu kommen.  Auch wegen seines Lungenleidens. Die Box müsste näher an seine Haustür umgesetzt werden", bekräftigt Cornelia Rümmler. 

Mieter wendet sich jetzt an SZ-Lichtblick

Doch die WGP kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Wir haben dem Mieter vor zwei Jahren den Standort der Rollatorbox vor dem Gebäude Remscheider Straße 56 angeboten. Dort befand sich damals schon eine Box und ein Stromanschluss. Der Mieter teilte uns mit, dass er damit einverstanden sei und die Entfernung für ihn kein Problem darstellt, da er in der Remscheider Straße 61 wohnt", erklärt Sören Sander von der WGP-Geschäftsleitung. 

Daraufhin sei der Standort umgebaut bzw. erweitert worden, da das bisherige Fundament zu klein war. Außerdem wurde die neue, große Box für den Mieter angeschafft. Das Vorhaben habe die Wohnungsgesellschaft mehrere Tausend Euro gekostet. "Wir haben den Mieter seinerzeit darauf hingewiesen, dass die Aufstellung dieser speziellen E-Rollatorboxen in unserem Bestand nur in akuten Ausnahmefällen erfolgt, da die Boxen sehr viel Platz vor den Hauseingängen einnehmen und die Aufstellung mit extrem hohen Kosten verbunden ist", fügt Sander hinzu. 

Hans-Joachim Mizera kennt diese Argumentation. "Damals ging es mir aber auch noch besser, meine Gesundheit hat sich dann immer mehr verschlechtert", ordnet Mizera ein, der seine Unabhängigkeit nicht aufgeben möchte  und sich jetzt an die SZ-Aktion Lichtblick wenden wird. "Vielleicht kann man mir über die Stiftung helfen, sagt er, "da es ja vordergründig ein finanzielles Problem zu sein scheint." 

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna