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Warum die Polizei alte Fälle neu entdeckt

In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Zeugenaufrufe für Taten, die schon Monate und Jahre zurückliegen. Was ist der Grund?

Tatort Hochbunker Tauchritz: Hier passierte ein Raub mit Waffe, allerdings vor über einem Jahr.
Tatort Hochbunker Tauchritz: Hier passierte ein Raub mit Waffe, allerdings vor über einem Jahr. © Nikolai Schmidt

Es muss der Horror für den 73-jährigen Hobbyfotografen gewesen sein. Gerade macht er sich in aller Ruhe daran, sein Stativ auszupacken. Er will den Hochbunker am Berzdorfer See ablichten. Plötzlich kommen zwei Männer auf ihn aus Richtung Bunker zu. Der Ältere sagt „kein Foto, Foto verboten“. Danach zieht er eine Waffe.

Als der Fotograf fragt, warum er keine Bilder machen darf, schießt der Unbekannte auf die Fototasche. Die steht auf dem Boden. Der Fotograf hat Technik im Wert von 30.000 Euro dabei. Mit vorgehaltener Waffe wird der 73-Jährige um sein Handy erleichtert. Der Zweite Unbekannte nimmt den Fotokoffer samt Hasselblad-Kamera, dann fliehen beide Männer zu einem Volvo in der Nähe und sind weg. Das war im Mai vergangenen Jahres, ist also über ein Jahr her. Im Juni dieses Jahres gab die Polizei den Zeugenaufruf samt Phantombildern heraus, einer von mehreren Fällen, die Monate oder Jahre zurückliegen.

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Keine "aufgerollten Altfälle"

Warum werden jetzt in der Polizeidirektion wieder Altfälle aufgerollt? Steckt ein besonderer Grund dahinter? Bei den Zeugenaufrufen handele es sich keineswegs um „aufgerollte Altfälle“, so Kai Siebenäuger, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. "In diesen Fällen haben die zuständigen Sachbearbeiter fortlaufend ermittelt und nun alle gängigen Ermittlungsansätze ausgeschöpft", sagt er.

Im nächsten Schritt wenden sich die Ermittler daher mit einem Zeugenaufruf oder aber einer Öffentlichkeitsfahndung an die Bevölkerung. "Die Einbeziehung der Öffentlichkeit in eine Fahndung ist ein wichtiges Ermittlungsinstrument, das je nach Fall aus taktischen Gründen früher oder später zum Einsatz kommt", so Kai Siebenäuger

Hinweise aus der Bevölkerung helfen

Im Fall der Kamera-Räuber vom Berzdorfer See hatte die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Das Diebesgut schrieben die Ermittler des Kommissariats für Eigentum- und Bandenkriminalität zur Fahndung aus. Eine Suche auf Verkaufsportalen in Deutschland und Polen blieb bisher ohne Ergebnis. Die Kriminalisten fertigten zu beiden Tätern Phantombilder. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Görlitz ordnete ein Richter des Amtsgerichts Bautzen  schließlich die öffentliche Fahndung nach den zwei unbekannten Tätern an. 

Wie hoch die Erfolgsquote nach Aufrufen in der Öffentlichkeit ist, könne man nicht allgemein sagen. Eine Statistik dazu gebe es nicht. "Dennoch haben Hinweise aus der Bevölkerung nach Zeugenaufrufen und Öffentlichkeitsfahndungen in der Vergangenheit der Polizei in vielen Fällen bei ihren Ermittlungen geholfen", so Kai Siebenäuger.

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