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Die Polizeihochschule hat ihr neues Institut zum Laufen gebracht. Aufträge gibt es viele. Und das Interesse an Forschungsleistungen steigt.

Rektor Carsten Kaempf ist froh, dass jetzt endlich geforscht wird an der Rothenburger Polizeihochschule. Kerstin Reiter leitet die - noch im Aufbau befindliche - Geschäftsstelle. In Kürze treten zwei wissenschaftliche Mitarbeiter ihren Dienst an.
Rektor Carsten Kaempf ist froh, dass jetzt endlich geforscht wird an der Rothenburger Polizeihochschule. Kerstin Reiter leitet die - noch im Aufbau befindliche - Geschäftsstelle. In Kürze treten zwei wissenschaftliche Mitarbeiter ihren Dienst an. © André Schulze

Forschen an der Hochschule der sächsischen Polizei ist begehrt. Nachdem das Sächsische Institut für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS) - so der korrekte Name - im Dezember vergangenen Jahres aus der Taufe gehoben wurde, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Denn die beiden Gründungsprofessoren Tom Thieme und Marcel Schöne haben inzwischen Verstärkung bekommen.

Seit Anfang Juni ist Kerstin Reiter Leiterin in der Geschäftsstelle des SIPS, Mitte August stoßen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter dazu - renommierte Kräfte, die aus einem Pool von 38 Interessenten stammen und sich in einem Auswahlverfahren gegen acht andere Bewerber durchgesetzt haben. Hinzu kommen fünf Unterstützer aus den Reihen der angehenden Kommissare. Auch hier war die Zahl der Interessenten weit größer als die zu vergebenden Stellen. "Die Studenten recherchieren, werten aus, sind in wissenschaftliche Projekte eingebunden", freut sich Rektor Carsten Kaempf über die große Aufmerksamkeit, die dem neuen Institut schon nach kurzer Zeit zuteilwird. Weitere Studenten sollen - je nach Forschungsauftrag - mit einbezogen werden.

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Auch die finanzielle Ausstattung des Institutes ist gesichert: Im laufenden Jahr stehen für Sachmittel 175.000 Euro zur Verfügung. Für die nächsten beiden Jahre wurden beim Innenministerium Anträge für jeweils hohe sechsstellige Beträge gestellt, die - vorausgesetzt, sie werden vom Kabinett bestätigt - im Doppelhaushalt des Freistaates noch genehmigt werden müssen.

Inhaltlich geht es beim SIPS immer mehr zur Sache. Dabei konzentriere man sich auf die anwendungsorientierte Forschung, so Kaempf. Vor allem gehe es um die stärkere Vernetzung mit der Praxis sowie der Aus- und Fortbildung der sächsischen Polizei. Dazu nennt der Rektor ein prägnantes Beispiel: Mit einer Befragung von Anwohnern soll die Wirksamkeit und Akzeptanz der Waffenverbotszone in der Leipziger Eisenbahnstraße untersucht werden. "Wir wollen herausfinden: Welche Effekte wurden mit dieser Zone erzielt?", erklärt Carsten Kaempf.

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Aber auch andere Projekte sind bereits angelaufen. So wird in einer Dunkelfeldstudie zu den Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen des Rauschmittelkonsums mit Crystal Meth geforscht. In der äußeren Neustadt in Dresden wird in einem sogenannten Community-Policing-Projekt untersucht, welche Lösungsansätze es im Zusammenspiel von Polizei, Behörden und Einwohnern für mehr Sicherheit im urbanen Raum geben kann. Mit modernster Technik wird zudem 3-D-Daten-Auswertung von Tatorten betrieben, um die kriminalistische Aufarbeitung zu unterstützen.

Beteiligt ist das Forschungsinstitut der Hochschule darüber hinaus an einer Erhebung des Bundeskriminalamtes mit dem Titel "Sicherheit und Kriminalität in Deutschland". "Dabei soll festgestellt werden, wie stark die Furcht der Bevölkerung vor Kriminalität ausgeprägt ist und in welche Richtung das geht", erläutert Carsten Kaempf. Die Polizeihochschule - und hier vor allem das SIPS - wird zudem ein Projekt begleiten, das von den Regierungsparteien im sächsischen Landtag in Auftrag gegeben worden ist. Dabei geht es um weitere Dunkelfeldstudien, deren Ergebnisse in ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung des Rechtsextremismus im Freistaat einfließen sollen.

Kooperation mit zahlreichen Partnern

Bearbeitet werden aber auch Problempunkte, die direkt aus dem praktischen Polizeidienst an das Forschungsinstitut herangetragen werden. Ein Beispiel dafür ist die künftige Entwicklung des Diensthundewesens. Für welche Einsatzzwecke werden die tierischen Helfer gebraucht, wie lange dauert ihre Ausbildung und wann muss damit begonnen werden, um stets genügend "vierbeinige Mitarbeiter" in den eigenen Reihen zu haben. "Wir sind hier mit den Dienststellen vor Ort im Kontakt, um praxistaugliche Lösungen zu finden", so Kaempf.

Mit seinen Anstrengungen ist das Forschungsinstitut der sächsischen Polizeihochschule aber nicht allein. So gibt es bestehende und angebahnte Kooperationen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen, dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht in Freiburg und weiteren Einrichtungen. Auch mit der Hochschule Zittau/Görlitz soll über eine engere Zusammenarbeit gesprochen werden. "Für uns ist dieser interdisziplinäre, in vielen Fällen sehr spezielle Erfahrungsaustausch wichtig. Denn das SIPS soll bei der sächsischen Polizei kompetenter Ansprechpartner für Wissenschaft und Forschung werden", nennt der Rektor das Ziel der Einrichtung.

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