merken
PLUS Riesa

Endlich wieder gemeinsam singen

Corona-Chöre auf Youtube sind keine echte Alternative für Laien. Riesas Kantor freut sich auf die ersten Proben mit Posaunen- und Kirchenchor.

Sebastian Schwarze-Wunderlich ist seit November 2018 der Kantor der Kirchgemeinde Riesa.
Sebastian Schwarze-Wunderlich ist seit November 2018 der Kantor der Kirchgemeinde Riesa. © Sebastian Schultz

Riesa. Menschen filmen sich beim Einzelsingen und schicken die Videos zu ihrem Chorleiter. Er sammelt die Selfie-Filmchen, bastelt sie per Computerprogramm zu einem Musikvideo zusammen und lädt es auf Youtube hoch. Mehrere Chöre und Musikformationen überall in Deutschland, die sich seit Beginn der Corona-Krise nicht zum gemeinsamen Singen treffen konnten, haben das so gemacht. Im Internet haben sie tausende Klicks erhalten und werden gefeiert. 

Doch was da auf Youtube so leicht erscheint, ist es in Wirklichkeit nicht. Und für die allermeisten Laienchöre ist diese Art des Singens keine richtige Alternative zum gemeinsamen Musizieren. Das weiß auch der Riesaer Kantor Sebastian Schwarze-Wunderlich. 

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Er hat mit einem bekannten Video-Kommunikations-Programm versucht, mit seinem Kirchenchor in Verbindung zu bleiben. "Ich konnte die einzelnen Stimmen vorsingen", erzählt er. Aber viel mehr als das sei nicht machbar gewesen. Das hat einen einfachen Grund. "Viele Leute in den Chören trauen sich nicht, allein laut zu singen", sagt der Riesaer Kantor. "Meistens hört man drei, vier Stimmen aus dem Gesang heraus. Die anderen sind zurückhaltend." Das trifft auf viele Chöre zu, nicht nur auf die in den Kirchgemeinden.

Hier geht es herzlich zu

Oft seien Chöre ein Treffpunkt, wo soziale Kontakte mindestens eine genauso große Rolle spielen wie das gemeinsame Singen. Besonders nach der Chorprobe bleiben viele noch eine Weile zusammen, um den Abend gesellig ausklingen zu lassen. "Es geht ja sehr herzlich zu in Chören", sagt Sebastian Schwarze-Wunderlich und findet das auch gut so. 

Allerdings sei das wahrscheinlich auch der Berliner Domkantorei in der Corona-Zeit zum Verhängnis geworden. Anfang April hatten sich 60 der 80 Chormitglieder typische Krankheitssymptome gezeigt. Kurz darauf wurde das Virus bei 32 von ihnen nachgewiesen. Spätestens danach waren Chorproben in ganz Deutschland tabu.  

Jetzt tritt etwas Entspannung ein. Ab diesem Dienstag sollen die 52 Sänger der Kantorei zum ersten Mal nach langer Zeit wieder zur gemeinsamen Chorprobe zusammenkommen. Allerdings gestaffelt. Erst die Frauen, dann die Männer. 19.30 Uhr beginnen die Sopran-Stimmen. 

Normalerweise trifft sich die Kantorei  in einem Raum der Diakonie auf der Hohen Straße. Doch der ist zu klein, um die Corona-Abstandsregeln einhalten zu können. Schwarze-Wunderlich hat deshalb die Chorproben bis auf Weiteres in die große Trinitatiskirche verlegt. Die Riesaer Wahrzeichen bietet im Inneren genug Platz. 

Mitglieder des Riesaer Posaunenchors haben ihre Instrumente mit einem Corona-Spuckschutz versehen.
Mitglieder des Riesaer Posaunenchors haben ihre Instrumente mit einem Corona-Spuckschutz versehen. © Kirchgemeinde Riesa

Auch die zwölf Musiker des hiesigen Posaunenchors sollen sich hier ab dieser Woche immer mittwochs 19 Uhr zur Probe einfinden. Weil bei ihnen besonders viel Spucke anfällt, haben sie sich etwas einfallen lassen. Sie überziehen die Schalltrichter ihrer Instrumente mit dünnem Stoff, ähnlich einem Bettlaken mit Gummizug. "Das klingt vielleicht leicht gedämpft", sagt der Kantor. Aber Spucke, die in feinen Teilchen in die Luft geschleudert wird, kommt da garantiert nicht mehr raus. 

Sebastian Schwarze-Wunderlich hofft, dass die musikalischen Kreise der Kirchgemeinde Riesa nach dem Sommer wieder in den angestammten Proberaum auf der Hohen Straße zurückkehren können. Momentan können die Kinder der Kurrende weder hier noch in der Trinitatiskirche proben. "In den Schulen wird ja auch nicht gesungen", sagt er. Die Auflagen für Kinder seien noch hoch. 

Wenigstens können wieder die ersten Konzerte geplant werden. Hier die bisherigen Termine: 

  • 29. Juni, 18 Uhr in der Trinitatiskirche: Gregorianische Vesper mit dem Liturischen Singkreis Jena unter Leitung von Stephan Seltmann in der Trinitatiskirche, Eintritt frei.
  • 5. Juli, 10.45 Uhr in der Trinitatiskirche: Matinee, Musik für Cello und Orgel, Werke von Händel, Wagner, Saint-Saëns u. a., Eintritt frei (im Anschluss an den Gottesdienst).
  • 21. August, 19.30 Uhr in der Klosterkirche: Internationale Orgelkonzerte, Klosterkirche, an der Nikolaus-Jahn-Orgel der schwedisch-rumänische Organist Gustav Jannert, "Sommerpastorale" mit Werken von Bruhns, Bach, Brahms und anderen.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa