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Radebeul

Apothekerinnen im Sondereinsatz

Die Mitarbeiter der Stadtapotheke in Radebeul und der Alten Apotheke Weinböhla sagen, wie sie gerade jetzt für ihre Patienten da sein wollen.

Rezept durch die Plexiglasscheibe. In der Stadtapotheke in Radebeul-West haben die Mitarbeiter schnell reagiert, um nicht angesteckt zu werden.
Rezept durch die Plexiglasscheibe. In der Stadtapotheke in Radebeul-West haben die Mitarbeiter schnell reagiert, um nicht angesteckt zu werden. © Norbert Millauer

Radebeul/Weinböhla. Während es in den meisten Arztpraxen derzeit ziemlich leer aussieht, herrscht in den Apotheken im Landkreis viel Betrieb. Die normale Grippe ist noch nicht ausgestanden. Patienten brauchen Herz-Kreislauf-Mittel. "Bei uns kommt derzeit alles zusammen und keiner weiß, was wer mitbringt", sagt Apothekerin Bettina Lange.

Die freundliche und energische Frau managt zwei Apotheken - die Stadtapotheke auf der Bahnhofstraße in Radebeul-West und die Alte Apotheke auf der Hauptstraße in Weinböhla. 17 Mitarbeiter hat sie, von denen jetzt möglichst keiner ausfallen soll.

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Abstand auf zwei Meter herrscht auch in der Apotheke hinter dem Verkaufstresen. Eine Kollegin ist schwanger. "Sie arbeitet seit letzter Woche nur noch im hinteren Bereich - zum Schutz haben wir das sofort festgelegt", sagt Bettina Lange. Ihr Mann, handwerklich begabt, hat gleich große Plexiglasscheiben besorgt und die auf Holzklötzer montiert. Der Verkaufstresen hat zum Kunden nur noch eine Verbindung über einen kleinen runden Ausschnitt, ähnlich dem früheren Fahrkartenverkauf auf Bahnhöfen. 

Vor dem Eingang - ein Plakat sagt in Weinböhla und Radebeul den Patienten, wie sie handeln sollen, bevor sie die Apotheke betreten.
Vor dem Eingang - ein Plakat sagt in Weinböhla und Radebeul den Patienten, wie sie handeln sollen, bevor sie die Apotheke betreten. © Norbert Millauer

Handeln in getrennten Teams

Seit dieser Woche arbeiten die Besatzungen in Radebeul wie auch in Weinböhla in getrennten Teams. Die Chefin: "Wenn sich doch jemand ansteckt oder in Quarantäne muss, bleiben wir dennoch handlungsfähig." Jeden Tag fit für die Patienten in Radebeul und Weinböhla zu sein, heißt nicht nur Plexiglasscheibe und viel Hände waschen. Viermal am Tag wird in den beiden Apotheken alles desinfiziert, was Kunden anfassen und mit Tröpfchen infizieren könnten. 

Weil nicht genug Desinfektionsmittel da ist, haben Bettina Lange und Kolleginnen schon letzte Woche begonnen, selbst welches herzustellen. Im hinteren Bereich der Apotheke werden die Mittel nach Vorschriftsrezeptur gemischt. Dann muss die Flüssigkeit 72 Stunden stehen. Und erst dann darf sie verkauft werden. "Ein hoher Aufwand, aber notwendig", sagt die Apothekerin. 100 Milliliter kosten aktuell 6,90 Euro.

Für die Patienten in Weinböhla und Radebeul beginnt Apotheke jetzt strikt schon vor den Ladenstufen. Bettina Langes Mann hat ein Plakat entworfen und drucken lassen, mit klaren Hinweisen zum Verhalten wegen Corona. "Bitte bleiben Sie vor der Apotheke und betätigen Sie die Klingel", steht da drauf. Dazu sind ergänzende Symbole, wie der Patient handeln sollte. Bettina Lange: "Dennoch sind Einzelne einfach reingestürzt." 

Mittlerweile hätten das auch die wenigen begriffen. Als Erstes hinter der Ladentür springt die Patienten förmlich der Spender mit dem Desinfektionsmittel für die Hände an - auch wieder mit den Hinweis, es unbedingt zu tun.  

Hände desinfizieren, gleich am Eingang der Apotheke, ist jetzt für die Patienten ein Muss.
Hände desinfizieren, gleich am Eingang der Apotheke, ist jetzt für die Patienten ein Muss. © Norbert Millauer

Die Apothekerinnen bemerken schon, dass sich - ähnlich wie im Supermarkt - einige Kunden anders verhalten. Paracetamol als Fiebersenker werde verstärkt gekauft. "Wir geben nur noch eine Packung je Haushalt ab." Manche kommen dann am nächsten Tag noch mal. 

Die Inhaberin der beiden Apotheken hat sich schon letzte Woche einer deutschlandweiten Gruppe von Apothekern angeschlossen, die ihre Erfahrungen austauschen. "So kommen wir schneller zu nützlichen Hinweisen, die uns im Geschäft wie auch den Patienten nutzen", sagt sie. Etwa, dass ihre Mitarbeiter seit letzter Woche strikt Alltags- und Arbeitskleidung in zwei verschiedenen Umkleideschränken trennen.

Und wenn doch ein Corona-Patient in die Apotheke kommt? Dann haben die Mitarbeiter spezielle Kittel für den ganzen Körper und Mundschutzmasken. "Letzteres aber nur für uns begrenzt, nicht zum Verkauf", sagt Bettina Lange. Sie habe lediglich 50 Stück bekommen.

Einige Tests sind jetzt nicht möglich

Die Apothekerinnen geben sich derzeit besonders große Mühe, ihren Service am Patienten zu erfüllen - gerade unter dem großen Risiko. Deshalb könne in der Situation jetzt auch nicht, wie sonst üblich, der Test für den Blutzucker durchgeführt werden. Blutdruckmessung und Kompressionsstrümpfe anpassen sei auch nur im Notfall und unter Schutzkleidung möglich - eben wegen des nötigen Abstands.

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Bettina Lange: "Wir bemerken auch, dass sich mancher Patient, der einen normalen Husten hat, sich jetzt etwas schämt, wenn er reinkommt. Muss er nicht. Er sollte nur eben all die Regeln beachten, wie wir sie vor der Apotheke auf dem Plakat stehen haben. Dann kriegen wir das mit der Versorgung auch sicher hin."

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