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Radebeuls einziger Sternekoch wechselt

Mit Stefan Hermann ist Marcel Kube nach Radebeul in die Villa Sorgenfrei gekommen. Jetzt orientiert er sich ganz anders.

Auf ein Gläschen! Marcel Kube, bisher Küchenchef des Restaurants Atelier Sanssouci in der Villa Sorgenfrei, ist jetzt bei Matthias Gräfe anzutreffen.
Auf ein Gläschen! Marcel Kube, bisher Küchenchef des Restaurants Atelier Sanssouci in der Villa Sorgenfrei, ist jetzt bei Matthias Gräfe anzutreffen. © Norbert Millauer

Radebeul. Es ist bei jungen Leuten, erst recht bei sehr guten Köchen so. Sie wollen weiter, Neues lernen und in berühmte Restaurants. Marcel Kube ist so einer mit gesundem Ehrgeiz und offenbar Potenzial für noch mehr.

Vor vier Jahren kam er nach Radebeul. In den letzten zwölf Jahren hat er sich vom Koch-Lehrling zum Sternekoch entwickelt. Nach seiner Ausbildung in Berlin kochte der Brandenburger fünf Jahre lang an der Nordsee und kam dann nach Dresden, um bei Sternekoch Stefan Hermann zu arbeiten und zu lernen. Der stellte Kube zunächst im „bean&beluga“ auf dem Weißen Hirsch ein und machte ihn später zum Küchenchef des Restaurants „william“ im Dresdner Staatsschauspiel.

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Von dort holte ihn Hermann dann nach Radebeul. Die Küche in der Villa Sorgenfrei wurde vom Besitzer Max Iann modernisiert und endlich der notwendige Verbindungsgang zwischen Küche und Restaurant gebaut.

Marcel Kube kombinierte nicht selten einfache, klare Gerichte mit Verfeinerungen, die bei den Gästen gut ankamen. Im feinen Restaurant zwischen den Weinbergen hat er auch schon Kutteln vorgesetzt - allerdings mit Rahm und Meerrettich köstlich zubereitet. „Es hat geschmeckt“, sagt er und lacht verschmitzt.

Die Villa Sorgenfrei in Radebeul.
Die Villa Sorgenfrei in Radebeul. © Arvid Müller/Archiv

Im vorigen Jahr gab es dann den Ritterschlag. Die Inkognito-Tester vom Restaurant-Empfehler Michelin waren offenbar sehr angetan, von den Kochkünsten Kubes. Das Ergebnis: Er bekam seinen ersten Michelin-Stern verliehen, war stolz wie Bolle, aber hob nicht ab. Er mag weiterhin Klassiker und bodenständige Hausmannskost - allerdings immer mit einem gewissen Kick eben.

Die zweite große Ehrung gab es ebenfalls vor einigen Monaten, als Corona noch nicht die Küchen schloss. Sternekoch Kube wurde aus Dutzenden Lokalen in der Region Dresden mit Kritiken vom essenden Publikum zum Sieger der Kochsternstunden gekürt.

Und jetzt die Überraschung: Marcel Kube geht weg von der Villa Sorgenfrei und von Stefan Hermann. Mit den Meriten von 2019 denkt freilich jeder, es zieht ihn in ein Edelrestaurant nach Berlin, Hamburg oder München. Deftig gefehlt. Der Koch mit dem feinen Gespür bleibt sogar in Radebeul.

Matthias Gräfe hat ihn sich geangelt. Der Feinschmecker mit seinem Bistro und Verkauf in der Hauptstraße in Ost ist schon länger mit Kube befreundet. Gräfe, dafür bekannt, regionale Köstlichkeiten von allerlei direkten Erzeugern aus Sachsen zusammenzuholen, musste ja unweigerlich dem besonderen Koch begegnen.

Genussvolles Essen auf der Hauptstraße

Die beiden sind inzwischen Freunde geworden. Und Marcel Kube sagt: „Ich wollte mich verändern. Der Zwang, immer eine bestimmte Speisekarte Tag für Tag zu bedienen, das will ich vorerst nicht mehr.“ Familienplanung - Nachwuchs steht an - habe derzeit Vorrang.

Um das und Beruf und eben auch Geldverdienen unter einen Hut zu bekommen, macht er jetzt etwas eigentlich ganz anderes. Er kümmert sich um die Organisation in der Küche, um Logistik, um das Zusammenstellen von Gerichten. Stellt das zufrieden, einen Sternekoch?

Marcel Kube in T-Shirt und schwarzer Jeans grient zufrieden und sagt einfach: Ja. Und sein Freund und neuer Chef und Kollege Gräfe deutet zumindest an, wo es hingehen soll. Nämlich nicht mehr nur Ladenverkauf und Eintagesbistro, sondern eine ordentliche Nummer größer.

Die beiden wollen einerseits fast die gesamte Woche von Dienstag bis Samstag zum genussvollen Essen in die Hauptstraßen einladen. Dabei soll vieles ausprobiert und auch von dem erfahrenen Küchenchef organisiert werden.

Marcel Kube zum Start in Radebeul, mit Sorgenfrei-Chefin Antje Kirsch und Betreiber Stefan Hermann.
Marcel Kube zum Start in Radebeul, mit Sorgenfrei-Chefin Antje Kirsch und Betreiber Stefan Hermann. © Arvid Müller/Archiv

Zum anderen planen die beiden eine größere Online-Geschichte. Davon vorerst nur so viel, sagt Gräfe: „Wir bereiten besondere Zutaten und Komponenten vor und jeder, der das bestellt - mit Rezept - kocht sich dann selbst zu Hause am Herd die Speise.“ Start für diese neue Sache soll wahrscheinlich Ende August sein.

Zurück zur Villa Sorgenfrei. Stefan Hermann wird jetzt wahrscheinlich öfter hier sein. Er gibt in Dresden alle seine Gaststätten auf. Damit sind das Restaurant „william“ im Dresdner Schauspielhaus sowie das Restaurant „Klara“ im Kleinen Haus gemeint, die er nach der Sommerpause nicht mehr betreiben wird. Lediglich den Konzertplatz auf dem Weißen Hirsch und eben die Villa Sorgenfrei will er weiter führen. Auch Hermanns Begründung: Mehr Zeit für sich und nicht mehr ein so hohes Arbeitspensum wie die letzten 30 Jahre haben.

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