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Reporterlegende des "Sterns" starb in Görlitz

Seinen Lebensabend hat Randy Braumann an der Neiße verbracht. Er hatte viel zu erzählen. Jetzt ist er für immer verstummt. Ein Abschiedsbrief.

Dorothea und Randolph Braumann an der Görlitzer Altstadtbrücke.
Dorothea und Randolph Braumann an der Görlitzer Altstadtbrücke. ©  Archiv/Nikolai Schmidt

Lieber Randy, in Deiner letzten Mail an mich hast Du Dir ein paar Zeilen gewünscht. Und so werde ich in unseren Dialogen das letzte Wort haben.

Wir werden uns künftig nicht mehr zufällig über den Weg laufen, wie früher, wenn Du zwischen Augustastraße und Postplatz als „Krücken-Schleicher“ Deine Runde gedreht hast: 50 Schritte, kleine Pause, 50 Schritte, kleine Pause... Deine Stadterkundungsgänge waren mit den Jahren kürzer geworden. 

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Aber diszipliniert hast Du am täglichen Gang zum Zeitungsladen festgehalten, um dann in der „Brasserie“ – auch die hast Du überlebt – Currywurst und einen Rosé zu bestellen, um dabei die „Neue Zürcher“ und das „Heimatblatt“ zu durchblättern. Zeitungen aus Papier waren für Dich, obwohl Du doch „Journalismus nicht mehr ertragen“ konntest, so wichtig wie die Sportsendungen im Fernsehen und die Gespräche. Immer neue interessante Menschen hast Du kennengelernt, beziehungsweise sie Dich, kaum dass sie in Görlitz angekommen waren.

Randy Braumann lebte seit elf Jahren in Görlitz.
Randy Braumann lebte seit elf Jahren in Görlitz. © Peter Chemnitz

Deine in der ganzen Welt verteilten Freunde hast Du auf die Stadt an der Neiße aufmerksam gemacht und sie sind angereist. So ist es eben: Wenn der Ex-Chefredakteur diverser großer Reisemagazine per Mail die Werbetrommel rührt, muss man einfach kommen und sich diese Stadt anschauen.

Elf Jahre sind Dir an der Neiße vergönnt gewesen. Ein Lebensabend in einer kleinen, aber hohen Gründerzeitwohnung und nicht, wie einst erträumt, unter der Sonne Südafrikas oder Griechenlands. Deine vor Jahrzehnten eingegangene Wette auf einen frühen Tod hat es Dir in Deinen letzten Jahren unmöglich gemacht, Dein gewohntes großzügiges Leben fortzusetzen. 

Aber Du hattest ja Freunde wie die Griechen vom „Rhodos“ und „Mediteranos“ oder wie den besten Küchenchef der Stadt, Thierry Baumgart. Dein alter Arbeitgeber, der „Stern“, für dessen Auflage Du ein Jahrzehnt lang Dein Leben auf den afrikanischen und asiatischen Schlachtfeldern und im Nahen Osten riskiert hast, hat Dir noch vor einem Monat ein Gnadenbrot aus „formellen“ Gründen verweigert.

"und Randy lebt und lebt und lebt..."

Für uns in Görlitz warst Du ein feiner Kerl, ein begnadeter Geschichtenerzähler. Am Küchentisch im Bonehaus staunten Jung und Alt Bauklötze, wenn Du erzählt hast. Denn all diese alten Konflikte sind noch immer aktuell. Zunehmend hast Du mit Deinem Schicksal gehadert: „Andere alte Männer stürzen, werden bewusstlos ins Klinikum eingeliefert, verharren im Koma und sterben“, hast Du einmal geklagt, „und Randy lebt und lebt und lebt ... ,In schā‘ Allāh‘.“

Und Dein Leiden an einem immer weniger funktionierenden Körper hast Du einmal im schönsten „Stern“-Duktus so beschrieben: „Ich falle immer auf den Rücken, komme dann nicht alleine hoch, aber es strömen immer sofort Helfer, vor allem ganz junge Menschen, aus allen Richtungen, um dem alten Maikäfer (die kommen ja auch nicht hoch, wenn sie mal auf dem Rücken liegen) auf die Beine zu helfen.“ Ein einziger Satz, der sagt: Diese Stadt funktioniert.

In der Nacht zum 21. August hast Du im 85. Lebensjahr uns und diese Welt auf eine Art verlassen, wie Du sie Dir immer gewünscht hast und wie es Deine tapfere Frau Dorothea in dem Satz zusammengefasst hat: „Randolph hat schlafend die Grenze zum Jenseits überschritten.“ Das sei Dir gegönnt gewesen, obwohl Du schon jetzt fehlst.

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