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Raumwunder für das Lausitzer Seenland

Wären Kleinsthäuser eine Übernachtungsalternative in der Region? Louise Seeliger hat das untersucht.

Von Anja Wallner
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Louise Seeliger aus Tätzschwitz hat für ihre Bachelorarbeit die Tiny Houses als umweltfreundliche und preiswerte Urlauberunterkunft beleuchtet.
Louise Seeliger aus Tätzschwitz hat für ihre Bachelorarbeit die Tiny Houses als umweltfreundliche und preiswerte Urlauberunterkunft beleuchtet. © Foto: Anja Wallner

In Baumhäusern, Ferienwohnungen, in Bungalows, Zelten oder Hotelzimmern können Touristen im Lausitzer Seenland nächtigen. Der Bedarf an Urlaubsunterkünften in der Region steigt, gerade in Seenähe. Mit einer weiteren potenziellen Übernachtungsmöglichkeit im Seenland, die sowohl originell als auch ressourcenschonend ist, hat sich jetzt eine aus Tätzschwitz stammende Studierende beschäftigt. 

Louise Seeliger schrieb ihre Bachelorarbeit in Betriebswirtschaftslehre an der Dresdener Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) über eine „ökonomische und ökologische Übernachtungsmöglichkeit im Lausitzer Seenland“– im Speziellen über richtige Wohnwinzlige, sogenannte Tiny Houses: klein, aber nicht unkomfortabel oder spartanisch ausgestattet. Der Trend zum Leben auf wenigen (dadurch günstigen) Quadratmetern und mit wenig „Krempel“ kommt aus den USA, wo man eigentlich sonst eher in größeren Dimensionen denkt (siehe Kasten).

Louise Seeliger ist auf das Thema gestoßen, weil ihr auch privat Nachhaltigkeit am Herzen liegt: faire Mode statt Fast Fashion, Plastikreduktion, Wiederverwenden statt Wegwerfen. Die junge Frau macht sich wie zum Glück viele Menschen ihrer Generation Gedanken um den Klimawandel und über den Tourismus, der – ein Stichwort: Flugreisen – zumeist nicht eben umweltfreundlich daherkommt.

In einer Dokumentation über Minimalismus ging es schließlich um Tiny Houses. Und da die Tätzschwitzerin, die ihr Abitur 2015 am Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasium abgelegt hat, schon wegen ihres Heimatortes ein Auge auf die Entwicklung des Lausitzer Seenlands zu einer Tourismus-Region hat, fügte sich eins ins andere. Louise Seeliger möchte mit ihrer Arbeit zeigen, dass es umweltverträgliche Unterkünfte geben kann, mit denen sich gleichzeitig Geld verdienen lässt. Sie weiß aber auch, dass ihre Idee nur eine im wahrsten Sinne des Wortes kleine Möglichkeit ist, Tourismus nachhaltig zu gestalten.

Wie könnte also solch ein Öko-Tiny-House im Lausitzer Seenland aussehen? Wo könnten derartige Unterkünfte stehen? Louise Seeliger skizziert die Idee folgendermaßen: Häuser schaffen und dabei Material nutzen, das wiederverwendbar, recycelt und langlebig ist und möglichst weder dem Menschen noch der Natur schadet. Ein gesamtökologisches Konzept zu erstellen – dafür reichen die neun Monate Zeit, die sie für die Bachelorarbeit zur Verfügung hatte, nicht aus. „Die Häuser sollten an einem See stehen, vielleicht etwas abgelegen, aber dennoch gut erreichbar und eingebettet in ein Umfeld, das auch den Einheimischen nützt“, überlegt die 22-Jährige. Ein Sportzentrum vielleicht oder eine Einkaufsmöglichkeit. Für den Unterhalt der Tiny-House-Siedlung braucht es allerdings Service-Personal. „Und das muss hier gern und gut leben wollen und können.“ Mal eben 50 Häuschen hierherzusetzen, das bringe nicht viel, wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Für die Erarbeitung ihrer Bachelorarbeit, die sie von ihren Dozenten mit der klasse Note von 1,7 verziert wiederbekommen hat, hat die 22-Jährige unter anderem Interviews geführt, mit Professor Rolf Kuhn, „Vater“ der IBA Fürst-Pückler-Land, und Daniel Just, dem Geschäftsführer des Zweckverbands Lausitzer Seenland Sachsen. Um ein Meinungsbild einzufangen, hat sie zudem in einer Nachhaltigkeitsgruppe im Internet-Netzwerk Facebook eine Umfrage erstellt, um herauszufinden, inwieweit Interesse an nachhaltigem Reisen besteht. Die Ergebnisse flossen aber mangels Repräsentativität nicht in die Arbeit ein.

Fazit: Ja, das Interesse besteht, aber dennoch hat der Begriff „ökologisch“ noch immer einen Beigeschmack. Er klingt nach Müsli-Tanten, Strickpullovern, Einschränkung, Verzicht – was ja gar nicht so sein muss. Im Seenland, so bilanziert die Studierende, sei bei den Übernachtungsmöglichkeiten bisher nicht vordergründig auf Nachhaltigkeit geachtet worden. „Die Region ist erst im Aufbau, da steht die Wirtschaftlichkeit eher im Fokus.“ Der Tourismus selbst, schätzt Louise Seeliger ein, sei eine Chance für die Region, Eco-Tourismus ebenfalls. „Der Kohleabbau war alles andere als umweltfreundlich, jetzt könnte man etwas Gegenteiliges machen.“

Ihre Arbeit beschreibt ein mögliches Projekt für die Zukunft, vielleicht sogar für ihre eigene. Sie selbst würde die Idee der Tiny Houses irgendwann selbst im Seenland umsetzen. „Ich will gern im Tourismus hier arbeiten.“ Für ihre zukünftige Tätigkeit sei es ihr wichtig, Ökonomie, Ökologie und Soziales – Stichwort ordentlich bezahlte Arbeitsplätze – zu verknüpfen. Ein Zwischending, ein Gleichgewicht der Komponenten zu finden. Klar müsse man Gewinne machen. „Aber muss man immer mehr und mehr wollen?“

Bevor sie aus Dresden zurück in die Lausitz zieht, wird aber noch einige Zeit vergehen. Die letzte Bachelor-Prüfung am Ende des dreieinhalbjährigen Studiums ist geschrieben, aber im März schließt sich gleich der aufbauende, eineinhalbjährige Masterstudiengang an, in dem es um das Management Mittelständischer Unternehmen geht. Und dann muss auch ein Job in der Region für sie da sein. Aber irgendwann wird Louise Seeliger sicher einen kürzeren Weg haben, um ihre Lieblingsplätze in der Gegend zu besuchen, Tätzschwitz gehört natürlich dazu, der Geierswalder See und auch die Warthaer Teiche.