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Sachsen trocknet immer weiter aus

Kaum Regen, dafür viel Sonne, heftig Wind und jede Menge Wärme. Der Boden ist staubtrocken. Eine Prognose, wie es nun weitergeht.

Trockenheit an der Elbe in Dresden in der Nähe des Blaues Wunder. Foto: Sven Ellger
Trockenheit an der Elbe in Dresden in der Nähe des Blaues Wunder. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Dresden/Leipzig/Offenbach. Die Flüsse und Bäche in Sachsen müssten jetzt eigentlich voll sein. Doch sie haben meist nicht mal mehr ein Drittel des üblichen Wassers. Das geht aus den Daten des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) von vergangener Woche hervor.

„Die Niedrigwassersituation wird sich weiter verschärfen“, kommentiert Landesamt-Hydrologe Andy Philipp diese Daten. „Das war absehbar, weil wir ein horrendes Wasserdefizit der Jahre 2018 und 2019 noch vor uns herschieben“, sagt er im SZ-Gespräch.

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„Das Defizit beträgt in Sachsen durchaus einen halben Jahresniederschlag.“ Und was sich für jeden sichtbar in den Gewässern zeigt, setzt sich unbemerkt im Boden fort. Das Grundwasser befindet sich viel tiefer als normal. Alle 108 sächsischen Messstellen zusammengenommen und gemittelt sollte es eigentlich nur 4,80 Meter tief sein. Doch das Wasser ist 60 Zentimeter tiefer. „Den eigentlich üblichen Wiederanstieg des Grundwassers über die Wintermonate Dezember und Januar hinweg gab es kaum“, sagt Philipp.

Für die Landwirtschaft wird derzeit weniger das Grundwasser, dafür die oberste Bodenschicht zum Problem. Die ist teils so trocken, dass Pflanzen in bis zu 20 Zentimetern Tiefe kein für sie verwertbares Wasser mehr finden, und darunter nur spärlich. Den Bodenfeuchtedaten des Deutschen Wetterdienstes(DWD) zur Folge ist derzeit das Elbland mit Dresden, Meißen besonders betroffen, aber auch Nossen.

Der April hat sich grundlegend verändert

„Der April, eigentlich als wechselhaft und launisch bekannt, war in den letzten 15, ja 20 Jahren immer wieder zu trocken, zu warm, zu sonnenreich“, sagt Philipp. Und so gibt es auch dieses Jahr die gleichen Anzeichen wie vergangenes Jahr. So wie 2018. So wie 2017. Seit Jahren sind verstärkt trockenere, wärmere Witterungen hier über Sachsen, über Deutschland angekommen. Gesteuert von einem Drucksystem in 5.500 Metern Höhe.

Omega-Wetterlage nennt sich das, links und rechts in West und Ost blockieren Tiefdruckgebiete, mittendrin sitzt ein Hoch. Genau darunter sind wir. Das alles bewegt sich fast nicht von der Stelle. „Da gibt es kein Vor und kein Zurück“, sagt Florian Engelmann vom DWD in Leipzig. Das ganze Wettergebilde stärkt und erneuert sich immer wieder selbst.

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