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Sachsen

Wie Sachsen das Coronavirus in den Griff bekommen will

Das Coronavirus breitet sich im Freistaat weiter aus. Die Staatsregierung verkündet ihr Maßnahmenpaket zur Verlangsamung – mit Einschnitten im Alltag.

In die Semperoper passen mehr als 1000 Menschen. Beim Semperopernball, wie auf dem Foto, sind es noch mehr.
In die Semperoper passen mehr als 1000 Menschen. Beim Semperopernball, wie auf dem Foto, sind es noch mehr. © Archivfoto: Robert Michael

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rechnet mit einer Ausbreitung des Coronavirus. Der Regierungschef warnt aber vor Hysterie und Panik. Die Krankheit werde zwar langfristig 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung erreichen. Das kann sich auf Erkrankungen, aber eben auch auf Kontakt mit Kranken oder Quarantäne beziehen. 

In den allermeisten Fällen nimmt aber die Erkrankung der Atemwege laut Kretschmer einen milden Verlauf, etwa mit leichtem Fieber oder Halskratzen. Dennoch kommt es im öffentlichen Leben Sachsens zu Einschränkungen. Diese haben zunächst das Ziel, Infektionswege zu unterbinden und genügend Klinikplätze für schwer Erkrankte zu ermöglichen. Das Maßnahmenpaket der Staatsregierung umfasst mehrere Punkte.

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Großveranstaltungen müssen abgesagt werden

Oper in Dresden und Leipzig, Konzerte im Dresdner Kulturpalast und Profifußball wird es in den kommenden Wochen nicht oder nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit geben. Kretschmer und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) präsentierten einen Erlass, der formal Gesundheitsämter in die Lage versetzt, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern zu untersagen. Köpping sagte, man könne auch von einem Verbot sprechen: „Der Erlass ist bindend, und es gibt vorerst kein Enddatum.“ Womöglich gelten die Einschränkungen bis Ostern. 

Betroffen sind auch Demonstrationen mit mehr als 1.000 Teilnehmern. Die Kostenfrage bei bereits erworbenen Tickets ist noch nicht abschließend geklärt. Kretschmer sagte, Kartenbesitzer erhielten vom Veranstalter Geld zurück. Doch dieser bekommt Finanzprobleme, da ja vorübergehend Einnahmen fehlen. Kretschmer warb nicht nur mit Blick auf die Veranstaltungsbranche für einen bundesweiten Hilfsfonds gegen wirtschaftliche Schäden.

Kleinere Veranstaltungen sind weiter möglich

Ein Land in Zeitlupe oder gar im Stillstand will die Staatsregierung nicht. Kleinere Veranstaltungen können stattfinden, allerdings müssen die Veranstalter dafür Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts befolgen, wie Köpping sagte. Kretschmer ergänzte, Görlitzer könnten sehr wohl in ihr Kino gehen. Ein Besuch der Semperoper sei deshalb etwas anderes und vorerst nicht möglich, weil das Haus mit 1.300 Plätzen größer sei. „25 Prozent der Besucher kommen nicht aus Sachsen“, sagte Kretschmer mit Blick auf etwaige Infektionsketten.

Semester an sächsischen Hochschulen soll später beginnen

Auch der Lehrbetrieb mit mehr als 100.000 Studenten in Sachsen muss mit Einschränkungen rechnen. Fachminister Sebastian Gemkow (CDU) empfahl Universitäten und Fachhochschulen, den Beginn des Sommersemesters bis Ende April oder Anfang Mai zu verschieben. Anders als Köpping kann er nichts anweisen, da Hochschulautonomie gilt. Er will die Verschiebung der Landesrektorenkonferenz empfehlen.

Schulen bleiben geöffnet, wenn niemand erkrankt ist

Flächendeckende Schulschließungen will Sachsen vermeiden. Bislang ist ein Gymnasium in Riesa geschlossen. Abiturprüfungen sollen nach bisherigem Stand nicht verschoben werden, am Donnerstag treffen sich die Kultusminister. Klassenfahrten in Risikogebiete sollen dagegen nicht stattfinden. Wenn, dann sollen Schüler und Lehrer innerhalb Sachsens auf Klassenfahrt gehen. Kretschmer empfahl den Menschen im Freistaat generell, die Osterferien im Bundesland zu verbringen.

Menschen in Quarantäne können mit Unterstützung rechnen

Quarantäne dauert derzeit 14 Tage. Köpping sagte, die Gesundheitsbehörden kontrollierten telefonisch, böten aber auch Hilfe an: „Das Gesundheitsamt prüft bei Betroffenen von Quarantänemaßnahmen, ob diese ausreichend versorgt sind“. Kretschmer und Köpping mahnten aber auch zu Solidarität mit den Betroffenen und Hilfe, etwa durch Freunde und Verwandte. Wer sich der Quarantäne entzieht, muss mit einer Geldstrafe rechnen, die im Maximalfall 25.000 Euro betragen kann.

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Für medizinisches Personal kauft Sachsen Masken für 1,4 Millionen Euro. Professor Michael Albrecht vom Universitätsklinikum Dresden sagte, derzeit würden 70 bis 80 Menschen aus Urlaubsregionen wie Südtirol täglich getestet – meist negativ. Köpping sprach am Mittwochnachmittag von 27 Infizierten in Sachsen. Albrecht verwies darauf, dass es im Freistaat 1.500 Intensivbetten in Krankenhäusern gebe: „Wir sind gut aufgestellt.“ Köpping sagte, ihr Haus arbeite im Krisenmodus. Aber auch sie sehe keinen Grund für Panik. Kretschmer betonte, der gesunde Menschenverstand böte einen guten Schutz. Er deutete auch an, wie es weitergehen könnte. Womöglich komme es zu Lockerungen der Quarantäne für Mediziner, Pfleger oder Polizisten. Auch sei denkbar, dass es irgendwann nicht mehr um Quarantäne, sondern um das „Abarbeiten der Erkrankungen“ gehen könne.