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Sachsen hat kaum fahrradfreundliche Bahnhöfe

Warum man in Groß- und in Kleinstädten besser kein Fahrrad anschließt. Die Ergebnisse eines groß angelegten Bahnhof-Tests.

So überfüllt wie an Dresdens Hauptbahnhof, sollte es nicht aussehen. Erfahrungen aus NRW zeigten, dass durch verbesserte Abstellmöglichkeiten auch die Zahl der ÖPNV-Abos steigt.
So überfüllt wie an Dresdens Hauptbahnhof, sollte es nicht aussehen. Erfahrungen aus NRW zeigten, dass durch verbesserte Abstellmöglichkeiten auch die Zahl der ÖPNV-Abos steigt. ©  dpa/Sebastian Kahnert

So gern die Fahrrad-Lobby die Sachsen auch ermutigen würde, häufiger mit dem Fahrrad zur Bahn zu fahren – guten Gewissens kann sie es nicht tun. Spätestens seit der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) alle 521 sächsischen Bahnhöfe geprüft hat, stellt er ein ernüchterndes Zeugnis aus. 40 Prozent der Bahnhöfe verfügen über gar keine Fahrradständer – weitere 20 Prozent seien äußerst mangelhaft: Trachau, Pieschen, Plauen. Trotz mehr als 1.000 täglichen Einsteigern, gibt es keine Abstellmöglichkeit.

Lediglich an den Bahnhöfen in Delitzsch, Neukieritzsch und Oschatz hatte selbst der ADFC, nichts bemängeln. Dort gibt es für jeden siebten Fahrgast einen überdachten Abstellplatz und genug Fahrrad-Boxen. Durchschnittlich schnitten die Bahnhöfe im Mitteldeutschen Verkehrsverbund am besten ab. Den meisten Nachholbedarf gibt es im Bereich des Verkehrsverbund Vogtland.

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Der Bahnhof in Leipzig Connewitz, sei ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte: Hier gibt es zwar gute Abstellmöglichkeiten. Nur sei die Distanz zum Bahnsteig zu weit und die Fahrräder trotzdem wild am Geländer angeschlossen.
Der Bahnhof in Leipzig Connewitz, sei ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte: Hier gibt es zwar gute Abstellmöglichkeiten. Nur sei die Distanz zum Bahnsteig zu weit und die Fahrräder trotzdem wild am Geländer angeschlossen. © ADFC Sachsen

„Die meisten Probleme haben wir bei sehr großen und sehr kleinen Bahnhöfe gefunden“, resümiert Janek Mücksch vom Vorstand des ADFC Sachsen. In Dresden verfügten 73 Prozent der Stationen über keine oder mangelhafte Abstellmöglichkeiten. In Chemnitz sind es 77 Prozent, in Leipzig 55. Immerhin sehe es in mittelgroßen Städten mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern besser aus: „Trotzdem sind auch hier, die Hälfte der Bahnhöfe im Test durchgefallen.“ Um nicht durchzufallen reicht es, jedem 30. Fahrgast einen sicheren Stellplatz anzubieten.

So haben die sächsischen Bahnhöfe abgeschnitten: Hier geht’s zur interaktiven Übersicht.

Das genügt erst mal, denn in Sachsen gibt es vergleichsweise wenig Pendler, die mit dem Rad zum Bahnhof fahren. 28 Prozent kommen mit dem Auto oder lassen sich fahren, fast jeder Zweite ist zu Fuß unterwegs. Gerade einmal elf Prozent kommen mit dem Fahrrad – jeder vierte davon nimmt es mit in den Zug. Denn mit der zunehmenden Nutzung von teuren E-Bikes, würden einfach Vorderradhalter nicht mehr ausreichen, erklärt Mücksch. Fahrradboxen oder Sammelschließanlagen seien eigentlich schon Stand der Technik. „Mittlerweile stehen wir extrem viel schlechter da, als andere Bundesländer“, erklärt ÖPNV-Marketing-Experte Gehard Probst, der die Studie begleitet hat. Nur sei das Geld in Sachsen in kostenlose Parkplätze geflossen.

In Radeberg gibt es bereits die ersten abschließbaren Fahrradboxen. Der ADFC hätte sich mehr davon gewünscht.
In Radeberg gibt es bereits die ersten abschließbaren Fahrradboxen. Der ADFC hätte sich mehr davon gewünscht. © ADFC Sachsen

Warum der ADFC gerade jetzt so auf den Ausbau pocht, liegt daran, dass die Realisierung neuer Fahrradständer viel günstiger geworden ist. 2009 hat die Deutsche Bahn eine Bike & Ride Offensive gestartet, um den Bau solcher Plätze zu fördern, und der Fördersatz wurde vom Bundesumweltministerium 40 auf 60 Prozent erhöht. „Kombiniert mit anderen Fördermitteln, tragen finanzschwache Kommunen so nur noch zehn bis 15 Prozent der Kosten“, rechnet Mücksch vor. Ein guter Fahrradparkplatz würde so nur noch 15 Euro kosten. Während in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg fleißig Förderanträge ausgefüllt werden, kam noch kein einziger aus Sachsen. Das liege vor allem an der unübersichtlichen Verteilung von Verantwortung

In Freiberg gibt es nur 140 sichere Abstellmöglichkeiten. Das sieht man.
In Freiberg gibt es nur 140 sichere Abstellmöglichkeiten. Das sieht man. © ADFC Sachsen

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Das soll sich ändern: Letzte Woche sind die Ergebnisse in Druck gegangen und die Kommunen mit den Ergebnissen konfrontiert worden. Dass es für zusätzliche Fahrradstellplätze keinen Platz gibt, möchte Konrad Krause, der Geschäftsführer des ADFC nicht gelten lassen: „Das hören wir öfter, aber wenn Verantwortliche der Bike & Ride Offensive finden immer eine ganze Reihe von geeigneten Stellen.“

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