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Löbau

Wenn Bauarbeiter beim Rollator anpacken

Wegen der B-96-Baustelle fürchtete Ines Schneider um die Existenz ihres Ebersbacher Sanitätshauses . Freundliche Bauarbeiter haben ihr die Angst genommen.

Vor dem "Sanitätshaus Winkler" von Ines Schneider ist mindestens noch bis zu den Sommerferien Baustelle.
Vor dem "Sanitätshaus Winkler" von Ines Schneider ist mindestens noch bis zu den Sommerferien Baustelle. © Foto: Markus van Appeldorn

Direkt nach Ostern war es, da rückten die Bagger an und rissen den Asphalt raus vor dem "Sanitätshaus Winkler" in der Ebersbacher Hauptstraße. Das Geschäft von Ines Schneider liegt an dem letzten rund 100 Meter langen Abschnitt der Ortsdurchfahrt B 96, der noch nicht saniert ist.

Seit 80 Jahren existiert das Traditionsgeschäft hier, das Ines Schneider gemeinsam mit ihrem Partner Mario Heine betreibt. Doch die beiden fürchteten, dass dieses Jahr wegen der Bauarbeiten das letzte sein könnte.

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Denn als Sanitätshaus verkaufen die beiden etwa Rollatoren, Krankenbetten und viel Bedarf für vornehmlich ältere Menschen. Viele ihrer Kunden sind nicht mehr gut zu Fuß. Und wenn ihnen wegen der Baustelle vor der Tür für ein paar Monate die Kundschaft ausbleibt, so fürchteten Ines Schneider und Mario Heine, könnten sie anschließend ganz zuschließen.

Jetzt nach den ersten Wochen Bauarbeiten ist bei Ines Schneider die Existenzangst gewichen. "Es ist längst nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte", sagt sie. Das läge vor allem daran, weil das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gegenüber Ines Schneider nicht nur Wort gehalten, sondern auch noch die Baustellensituation zu ihren Gunsten entgegen den ursprünglichen Plänen geändert hat.

"Das Lasuv hatte uns auf einem gegenüberliegenden Grundstück an der Weberstraße Stellplätze für Kunden und den Lieferverkehr versprochen", sagt Ines Schneider. Tatsächlich haben Bauarbeiter gleich zu Beginn der Maßnahme das Grundstück gegenüber planiert und eine kleine Treppe hoch zur Straße gebaut. "Viele Kunden wissen noch gar nicht, dass dort ein Parkplatz für sie ist. Deshalb haben wir ein Schild angebracht", sagt sie. In der ersten Woche habe sie wegen der Baustelle einen leichten Kundenschwund bemerkt, mittlerweile habe sich die Situation weitgehend normalisiert. 

Von dem provisorischen Parkplatz gelangen Kunden leicht zum Sanitätshaus.
Von dem provisorischen Parkplatz gelangen Kunden leicht zum Sanitätshaus. © Foto: Markus van Appeldorn

Existenziell noch bedeutsamer ist für Ines Schneider und Mario Heine aber die Dauer der Bauarbeiten. Und die hat sich erheblich verkürzt. "Ursprünglich wollte das Lasuv hier bis Anfang November bauen", sagt Schneider. Vorgesehen war nämlich, jeweils eine Straßenseite zu sanieren, und den Verkehr durch eine Baustellenampel geregelt über die andere Seite rollen zu lassen. Das hätte für das Sanitätshaus mehrere Nachteile gehabt. "Viele Autofahrer hätten dann wahrscheinlich die Weberstraße als Umfahrung genutzt, statt vor der Baustellenampel zu warten", sagt Ines Schneider. Die Weberstraße führt wie ein Bypass um die Baustelle herum. Bei dieser Lösung befürchtete Schneider, dass viele Anwohner in der Weberstraße geparkt und so auch regelmäßig ihre Kundenparkplätze blockiert hätten. Außerdem dauert die Sanierung nur jeweils einer Straßenseite viel länger. Nun aber hat das Lasuv die gesamte Hauptstraße auf dem Abschnitt gesperrt und führt den Verkehr per Baustellenampel über die Weberstraße. Das sorgt für schnellen Baufortschritt. "Man hat uns nun mitgeteilt, dass bis zu den Sommerferien alles fertig ist", sagt Frau Schneider.

Besonders glücklich ist Ines Schneider auch über die Hilfsbereitschaft der Bauarbeiter. "Vor ein paar Tagen haben die einen älteren Herrn mit Rollator vom Parkplatz über die Treppe bis in den Laden gebracht", berichtet sie. Und das ist noch nicht alles. Auch bei schweren und sperrigen Lieferstücken seien die Männer vom Bau sehr zuvorkommend. "Neulich als der Lieferant mit einer größeren Ladung kam, haben die Bauarbeiter gleich gefragt, ob sie mit anpacken können", sagt Schneider. Dass man sich so um ihren Laden kümmern würde, damit hatte sie gar nicht gerechnet. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird die Situation für das Sanitätshaus sogar besser sein als zuvor. "Vor dem Geschäft kommen Parkbuchten für zwei bis drei Autos hin", sagt Ines Schneider. Die Parkplätze dort seien zwar für jedermann nutzbar und nicht für ihre Kundschaft reserviert, aber vor Beginn der Bauarbeiten hatte sie nur unbefestigte Stellplätze am gegenüberliegenden Straßenrand. Ines Schneider hofft, dass sie auch nach den Bauarbeiten Parkgrund nutzen kann, wo jetzt der provisorische Kundenparkplatz ist. "Das Grundstück gehört dem städtischen Wohnungsbauunternehmen EWU. Ich weiß natürlich nicht, was die später damit machen", sagt Ines Schneider.

Dieses selbstgemachte Schild weist auf den Kundenparkplatz hin.
Dieses selbstgemachte Schild weist auf den Kundenparkplatz hin. © Foto: Markus van Appeldorn

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