merken
PLUS Görlitz

Tippelmarkt eröffnet Sachsens Marktsaison

Erstmals können die Töpfer in Görlitz Mitte Juli ihre Waren verkaufen. Lange war das wegen Corona ungewiss, umso größer ist jetzt die Erleichterung.

So wird es in diesem Jahr nicht: Severine Meißner (re.) eröffnete 2019 mit Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer den Schlesischen Tippelmarkt in Görlitz.
So wird es in diesem Jahr nicht: Severine Meißner (re.) eröffnete 2019 mit Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer den Schlesischen Tippelmarkt in Görlitz. © Rolf Ullmann

Severine Meißners große Stunde beim Schlesischen Tippelmarkt schlug im vergangenen Juli. Gemeinsam mit Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer eröffnete sie den Töpfermarkt auf dem Görlitzer Untermarkt. Wenn die junge Töpferin aus dem Hähnicher Ortsteil Trebus daran zurückdenkt, so ist das wie an eine andere Zeit.

Die Corona-Krise hat die Töpferin schwer getroffen. Anfang April hätte die Saison der Märkte in Rietschen beginnen sollen. Anschließend wäre sie zusammen mit ihrem Schlesischen Braunzeug von Markt zu Markt gezogen und hätte verkauft, was sie den Winter über hergestellt hatte. Doch es kam anders. Die Märkte fielen aus, Severine Meißner lebt von den wenigen Kunden, die in ihrer Töpferei vorbeischauen. Über einen Online-Shop verfügt sie nicht, ein Versand der zerbrechlichen Ware wäre zu gefährlich.

Anzeige
Trendsetter seit 1471: Museale Innovation
Trendsetter seit 1471: Museale Innovation

Der interaktive Tablet-Guide, das "HistoPad", als Neuheit in Deutschland. Mit Augmented Reality und 3D-Inszenierungen die Albrechtsburg Meissen entdecken.

Umso größer ist ihre Freude, dass der Schlesische Tippelmarkt am 18. und 19. Juli in Görlitz doch stattfindet und somit die Marktsaison in Sachsen eröffnet. "Ich bin sehr froh und dankbar, dass der Görlitzer Kulturservice als Veranstalter des Marktes sich diese Mühe macht." Lange Zeit war es unsicher, ob der Tippelmarkt wirklich stattfinden kann. Doch als auch die Wochenmärkte wieder zugelassen wurden, wuchs die Zuversicht. Denn im Grunde ist das nichts anderes.

Keine Eröffnung, keine Imbisse, keine Unterhaltung

Tatsächlich gilt es vieles zu beachten, um die Vorgaben der Corona-Verordnungen einzuhalten. So wird Oberbürgermeister Octavian Ursu zwar den Tippelmarkt-Hut hochziehen, aber eine feierliche Eröffnung mit Umzug der Töpfer gibt es nicht. Auch Imbissstände werden die Besucher vergeblich suchen, die Restaurants und Cafés rund um den Untermarkt in der Görlitzer Altstadt haben aber geöffnet. Das Bühnenprogramm entfällt genauso wie der Wasserspielplatz, der in den vergangenen Jahren vor allem für Familien ein begehrter Anlaufpunkt war. Und an den Eingängen zum Tippelmarkt zählen Mitarbeiter des Kulturservices die Gästeschar, damit nicht zeitgleich mehr als 1.000 Besucher auf dem Markt zwischen Brüderstraße und Untermarkt in der Altstadt weilen.

Trotz all dieser Auflagen und Besonderheiten ist Benedikt Hummel am Donnerstag bei einem Pressegespräch ziemlich froh, den Markt dennoch veranstalten zu können. Er ist einer von zwei Geschäftsführern der Görlitzer Kulturservicegesellschaft. Zum einen, weil er spürt, dass die Leute endlich auch wieder zu einem gewissen Alltag zurückkehren wollen, zu denen auch die öffentlichen Feste gehören. Deswegen wird der Kulturservice  jetzt auch mit einem besonderen Pin  und ab Mitte August mit großen Fotos im Stadtgebiet an das Görlitzer Altstadtfest erinnern. 

Zum anderen aber will sein Unternehmen auch Erfahrungen sammeln für die Wintersaison mit Weihnachtsmarkt und Christkindelmarkt. "Wir wollen einfach zeigen, dass wir auch unter diesen Bedingungen verantwortungsvoll Märkte organisieren und durchführen können", sagt Hummel.

Töpfer froh, dass der Markt überhaupt stattfindet

Zu den Auflagen gehört auch, dass zwischen den Marktständen fünf Meter Abstand sein werden, dass es zwar keinen Maskenzwang wie in Läden oder dem öffentlichen Nahverkehr gibt. Aber überall, wo der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten wird, sollten die Menschen den Mundschutz verwenden. Und die obligatorische  Flasche mit Desinfektionsmitteln gibt es auch an verschiedenen Punkten des Marktes.

Es sei schon ein strenges Hygienekonzept, sagt auch Severine Meißner. Sie wird auch die Töpferscheibe zu Hause lassen, mit der sie auf den Märkten sonst ihr Handwerk demonstriert.  Und dennoch wächst bei ihr jetzt die Vorfreude, zumal sie nach Görlitz gleich zum nächsten Markt nach Jena weiterreisen wird. Die Hoffnung ist groß, dass dann im Herbst die Marktsaison mit den Märkten in Dresden Anfang September und in Neukirch Anfang Oktober noch ein versöhnliches Ende finden wird. 

Weiterführende Artikel

Mallorca ist jetzt wieder Corona-Risikogebiet

Mallorca ist jetzt wieder Corona-Risikogebiet

Reisewarnung für fast ganz Spanien - Tui sagt Reisen ab, Hort in Grimma nach Corona-Fall dicht, Telekom plant Internet-Flat für Online-Lernen - unser Newsblog.

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 19. Juli

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 19. Juli

Betroffene, Maßnahmen und der Umgang mit den Folgen: Die wichtigsten Geschichten vermelden wir in diesem Beitrag.

Großer Druck lastet auf Tippelmarkt-Organisatoren

Großer Druck lastet auf Tippelmarkt-Organisatoren

Es ist die erste große Veranstaltung nach dem Corona-Lockdown. Doch sie könnte gelingen, findet SZ-Redakteur Sebastian Beutler. Ein Kommentar.

Jetzt aber macht Görlitz den Anfang. Und Benedikt Hummel ist gespannt, ob die Besucher zu dieser ersten großen Veranstaltung im Görlitzer Kulturkalender genauso strömen werden wie in den Vorjahren. Severine Meißner hat keine Sorgen, dass der Andrang zu groß werden könnte. "Das Festgelände in Görlitz ist groß, das verläuft sich", ist sie sicher. "Ich freue mich jetzt einfach darauf, dass die Leute auf unseren Markt kommen, um etwas zu erleben."

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz