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Schnelles Internet bis an jede Milchkanne

Auch die Lommatzscher Ortsteile bekommen jetzt Breitband. Bis es überall so weit ist, dauert es aber noch einige Jahre.

Jetzt gehts los: Bürgermeisterin Dr. Anita Maaß und Enso Netz-Geschäftsführer Wolfgang Jäger haben die Vereinbarung zum geförderten Breitbandausbau unterzeichnet.
Jetzt gehts los: Bürgermeisterin Dr. Anita Maaß und Enso Netz-Geschäftsführer Wolfgang Jäger haben die Vereinbarung zum geförderten Breitbandausbau unterzeichnet. © Lutz Weidler

Lommatzsch. Diese Aussage von Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) brachte viele Bewohner auf dem Lande in Rage: „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig. „Wenn wir 4G flächendeckend haben, sind wir schon sehr gut ausgestattet. Um in die Fläche zu gehen, können wir uns ein bisschen Zeit lassen. 5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig. “ 

Das galt zwar für das hochmoderne Mobilfunknetz, trifft aber auf schnelles Internet genauso zu. Auch hier hinkt Deutschland immer nochweit hinterher. Das Versprechen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass es bis 2018 im ganzen Land schnelles Internet für alle geben wird, löste sich in Wohlgefallen auf. Nun gibt es ein neues Versprechen. Bis 2023 sollen alle Haushalte über Breitbandanschlüsse verfügen.

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In Lommatzsch, vor allem in den ländlichen Ortsteilen, ist man davon bisher weit entfernt. Beispielsweise in Neckanitz. Dort sitzt Jörg Uhlemann vor seinem Computer und ist der Verzweiflung nahe. Über Festnetz oder DSL gibt es gar keine Verbindung zum Internet. Der IT-Spezialist hat sich selbst eine LTE-Technik per Funk aufgebaut. Dadurch hat er jetzt eine Bandbreite von sieben MBit. Aber das Datenvolumen ist begrenzt. Ab einer bestimmten Datenmenge wird man runtergedrosselt. „So kann man einfach nicht arbeiten“, sagt er.

Doch nun besteht Hoffnung. Auch Neckanitz soll Breitband bekommen, wie alle anderen Lommatzscher Ortsteile. Die Stadt Lommatzsch hat jetzt die Energieversorgung Sachsen Ost (Enso) mit dem Breitbandausbau beauftragt und in der vergangenen Woche einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. 

Das Unternehmen hat bereits in große Teile der Lommatzscher Innenstadt schnelles Internet gebracht. Jetzt erfolgte der Startschuss für den geförderten Breitbandausbau in den ländlichen Ortsteilen.

Und dennoch wird es noch Jahre dauern, bis auch der letzte Ortsteil an das schnelle Internet angeschlossen ist. In welcher Reihenfolge die Orte angeschlossen werden, steht noch nicht endgültig fest. „Priorität haben diejenigen Ortsteile, in denen es Gewerbegebiete und große Landwirtschaftsbetriebe gibt“, sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Bis 2023 soll und muss alles fertig sein. Länger darf es auch nicht dauern, denn dann endet der Förderzeitraum. 

Anders ausgedrückt: Für Ortsteile, die bis dahin nicht mit Breitband versorgt sind, müssten die Fördermittel zurückgezahlt werden. Schnelles Internet wäre für diese Dörfer dann auf unabsehbare Zeit Utopie. Der Breitbandausbau wird vom Bund zu 90 Prozent gefördert.

 Lange Zeit gab es Streit darum, wer die restlichen zehn Prozent bezahlen soll. Viele Kommunen sahen sich damit überfordert. In manchen Städten und Gemeinde hätte dieser Eigenanteil im Millionen-Euro-Bereich gelegen. Der Freistaat und die jeweiligen Landkreise werden die restlichen zehn Prozent jetzt bezahlen.

Bis 2023 werden rund 600 Privathaushalte und Gewerbebetriebe in Lommatzscher Ortsteilen einen Glasfaser-Direktanschluss erhalten. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird für die Haushalte künftig eine Versorgung mit Datenraten von mindestens 100 Mbit/s im Download möglich sein, so Stephan Hönigschmid, Pressesprecher der Enso. Privathaushalte und Unternehmen könnten zudem Anschlüsse für ein Gbit/s und mehr erhalten, dies kostet allerdings extra. 

Extra-Kosten entstehen generell auch für das Verlegen der Kabel innerhalb des Hauses. Die Enso verlegt die Kabel bis ins Haus, in der Regel bis in den Keller. „Auf Wunsch und gegen Entgelt werden die Kabel von uns auch innerhalb des Hauses verlegt“, so Hönigschmid. 

Wie hoch diese Kosten sind, konnte er am Montag aber nicht sagen. Der Ausbau in Lommatzsch für rund elf Millionen Euro wird dank einer Förderung des Bundes und des Landes Sachsen möglich.

Die Enso setzt dabei auf die sogenannte FTTB-Technologie. Dies bedeutet, dass die Glasfaserkabel bis ins Gebäude gelegt werden. Nötig sind dafür Tiefbau- oder Umbauarbeiten am und im Haus der Kunden.

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 Insgesamt verlegt das Unternehmen in Lommatzsch 252 Kilometer Glasfaser auf einer Strecke von 68 Kilometern. Bereits 2017 hatte die Enso das Breitband-Internet eigenwirtschaftlich in das Stadtgebiet von Lommatzsch gebracht und 250.000 Euro investiert.

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