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Schubert fällt in Ungnade - das Team reagiert

Dynamos Torwart hält beim 0:1 in Ingolstadt stark, wird aber von den eigenen Fans ausgegrenzt. Kapitän Sören Gonther bezieht eindeutig Position.

Von Sven Geisler & Tino Meyer
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Schubert bewahrt Dynamo mit seinen Paraden in der ersten Hälfte dreimal vor einem Rückstand.
Schubert bewahrt Dynamo mit seinen Paraden in der ersten Hälfte dreimal vor einem Rückstand. © WORBSER-Sportfotografie

Nun könnte es doch noch mal eng werden. Dynamo verpasst die Chance, den Klassenerhalt in der zweiten Liga de facto perfekt zu machen und verliert mit 0:1 beim FC Ingolstadt. Der späte Treffer von Moussa Koné zählt nicht, Abseits in der Nachspielzeit. Doch das Ergebnis rückt beinahe in den Hintergrund bei diesem Spiel, das das erste ist, nachdem Markus Schubert seinen Abschied aus Dresden nach der Saison bekannt gegeben hat. Natürlich steht er im Tor.

Ja, und? Was soll sein? Er hat sich bisher von seiner scheinbar ungeklärten Zukunft nicht aus der Ruhe bringen lassen, warum also sollte das am Tag nach seiner Absage an Dynamo anders sein? Schließlich hatte er das vielleicht schwierigste Gespräch in seiner bisherigen Zeit als Fußballer endlich hinter sich gebracht und Ralf Minge ehrlich abgesagt. Wenn er sich etwas vorwerfen lassen muss, dann, dass er den Sportgeschäftsführer so lange hingehalten hatte. Und auch wieder nicht, wenn er bis zuletzt gegrübelt haben sollte.

Fiel: Ich wäre verrückt

Es wird spannend zu hören sein, was Schubert erzählt, wenn er selbst über seinen Wechsel spricht. Noch aber ist er ein Dynamo und nicht zu verstehen, wie schnell ihn einige aus der angeblichen Familie ausgeschlossen haben. Die in den sozialen Netzwerken aktiven Fans, hatten einen sofortigen Torwartwechsel gefordert, sicher lässt sich daraus kein Meinungsbild ableiten, aber es wird eben Stimmung gemacht.

Cristian Fiel interessiert das herzlich wenig. Die Aussage des Trainers war zwar auf Erich Berko bezogen, der seinen Wechsel nach Darmstadt bereits Ende Januar verkündet hat. Aber sie ist durchaus grundsätzlich gemeint. „Ich bin vor die Jungs getreten und habe ihnen gesagt: Wer wechselt oder nicht, das interessiert mich jetzt nicht“, sagt der 39-Jährige. „Die hier spielen wollen und ihr Bestes geben, sind für mich vollwertige Mitglieder dieses Kaders. Ich wäre verrückt, wenn ich auf einen aus so einem Grund verzichte.“ Nach dem Spiel sagt Fiel, er habe keinen Grund gesehen, den Torwart zu wechseln.

Schubert jedenfalls erledigt seinen Job auch in Ingolstadt zunächst unaufgeregt, lässt sich auch von einem Fehlabspiel nicht verunsichern, sondern spielt weiter den kurzen wie den langen Ball. Was noch wichtiger ist: Der Schlussmann bewahrt Dynamo mit seinen Paraden in der ersten Hälfte dreimal vor einem Rückstand. Zweimal taucht nämlich Dario Lezcano frei vor ihm auf, erst von links, dann von rechts beide Male pariert er reaktionsschnell im kurzen Eck (11., 16.). Genauso flink ist er unten, als Marcel Gaus einen Konter abschließt – wieder gehalten (24.). Auch bei hohen Eingaben lässt der 1,87 Meter große Schlussmann nichts anbrennen.

Es gäbe also einigen Grund, ihn kurz vor der Pause zu feiern. Aber einige der mehr als 2.000 Dynamo-Fans unter den 11.208 Zuschauern reagieren mit Liebesentzug. Jetzt ist es nicht mehr nur der eine, der vor dem Anpfiff beinahe über den Zaun gehüpft wäre und Schubert wütend seine Meinung entgegen geschrien hat. Nicht mal fünf Meter sind es zwischen Fanblock und Torlinie. Sie singen „Auf Dynamo!“. Und einige krakeelen im Rhythmus. „Außer Schubert!“ Es werden immer mehr.

Auf der einen Seite hängt das Transparent vom Fanclub Nossen, gegründet 1994, da war Schubert noch nicht geboren. Zehn Jahre später begann er bei der SV Lok und seinem Vater Tino als erstem Übungsleiter im Verein zu spielen. Auf der anderen Seite enthüllen die Ultras in der Pause ein Banner, schwarz auf weiß. „Spieler kommen, Spieler gehen.“ Soweit die Binse. Darunter die Beleidigung: „Doch du bist die größte Hure.“ Ohne Namen zwar, aber ob sie den vor zwei Jahren abgewanderten Stefan Kutschke meinen oder Schubert, ist spätestens egal, als sie auch noch Ersatztorwart Patrick Wiegers mit Sprechchören feiern.

So schnell geht es im Fußball: Gerade noch Liebling der Massen und der „Schubi“, der selbst einmal im K-Block gestanden hat, jetzt einer, der den Verein im Stich lässt. Das mag mancher so empfinden, andererseits ist zu akzeptieren, dass sein Vertrag nach dieser Saison ausläuft und er sich beruflich neu orientiert. Das ist eben wie im richtigen Leben, nur bietet der Profi-Fußball für den in seiner Altersklasse talentiertesten deutschen Torwart vielleicht mehr Möglichkeiten.

Nach dem 0:1 übermotiviert

Genau wie Ingolstadt in diesem Spiel. Freistoß an der Strafraumgrenze. Sonny Kittel – an der Mauer vorbei in den Winkel. Das 1:0 für die „Schanzer“ ist verdient – und Schubert machtlos, danach allerdings etwas übermotiviert oder doch verunsichert von den eigenen Fans. Wem das nutzen soll, sei dahingestellt.

Was die Mannschaft betrifft, stimmt zwar die Einstellung, das ist anders als in Sandhausen. Aber der erste Abschluss von Baris Atik nach 52 Sekunden verspricht mehr, als die Dresdner an diesem Abend halten können. Offensiv erzielen sie so gut wie keine Wirkung, denn bei allem Bemühen ist Ingolstadt doch präsenter in den Zweikämpfen und zielstrebiger im Spiel.

Fiel bringt Koné, der nach seiner Suspendierung wieder dabei sein darf. Niklas Kreuzer trifft mit seinem Freistoß nicht so genau – knapp vorbei (77.). Sie wehren sich, stemmen sich gegen die Niederlage, aber eine klare Chance hat nur noch Ingolstadt. Wieder ist Schubert da, verhindert im Verbund mit Sören Gonther das 0:2 (81.). Und der Torwart rettet mit der Flugeinlage beim Schuss von Yannik Neumann (84.). Er macht seinen Job – gut.

Das Statement des Dynamo-Kapitäns

Die Mannschaft geht direkt nach dem Schlusspfiff in die Kabine, Kapitän Sören Gonther stellt sich im Interview demonstrativ vor Markus Schubert. Der Torwart war von den eigenen Fans unter anderem mit einem Plakat beleidigt worden. Gonthers Erklärung:

„Das Plakat ist für mich ein absolutes No-go. Es ist für mich selbstverständlich, dass wir nach dieser Aktion als Mannschaft geschlossen reingehen, das haben wir gemeinsam beschlossen. Markus Schubert ist bis zum 30. Juni ein Spieler von uns, er hat diese Saison hervorragende Spiele für uns gemacht, hat auch heute hervorragend gehalten. Das hat nichts mit Unterstützung zu tun. Das kann man gar nicht ausblenden, wenn man von den eigenen Fans solche Sprechchöre zu hören bekommt. Der Junge ist 20 Jahre alt. Ob er den Verein wechselt, hin oder her, das ist scheißegal. So sind auch schon Spieler zu Dynamo gekommen. Ich weiß nicht, was das mit mir machen würde, wenn mich die eigenen Fans so angehen, nur weil ich den Verein wechsel. Das geht nicht. Markus Schubert ist einer von uns, und wenn einer von uns so angegriffen wird, wehren wir uns.“

Bilder vom Spiel

© WORBSER-Sportfotografie
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