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Schwerverletzte nach Bahnunglück

Die Feuerwehr übt  in Weinböhla die Rettung aus einem verunglückten Zug. Kein unrealistisches Szenario mit drei Bahnlinien im Ort.

Geübt: Sieben Verletzte musste die Weinböhlaer Feuerwehr aus einem Waggon holen.
Geübt: Sieben Verletzte musste die Weinböhlaer Feuerwehr aus einem Waggon holen. © Peggy Zill

Weinböhla. Das ist gegen die Natur der Feuerwehrleute: Warten. Als sie am Unglücksort eintreffen, stehen die Loks und Waggons zwar still, aber der Notfallmanager der Bahn fehlt noch. Er ist für die Bahnerdung zuständig. Der Strom der Oberleitung muss abgeleitet werden. Bevor das passiert ist, darf keine Einsatzkraft dem Zug zu nah kommen. Die Weinböhlaer Feuerwehrleute nutzen die Zeit, um Löschbereitschaft herzustellen, während die Verletzten im Zug ausharren müssen.

Zum Glück alles nur eine Übung. Nachdem im Winter die Theorie auf dem Dienstplan stand, folgte nun die Praxis. Nachgestellt wird, was passiert, wenn zwei Züge kollidiert sind oder einer mit einem Baum zusammengestoßen ist. So ein Unglück ist in der Gemeinde, mit drei großen Bahn- und der Straßenbahnlinie nicht unrealistisch. 

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Im Ernstfall würde es vermutlich viel mehr Verletzte geben. Die S-Bahn Meißen – Schöna hat zum Beispiel etwa 100 Sitzplätze. Die Leitstelle hätte auch mehrere Feuerwehren alarmiert, Rettungswagen, Notärzte und einen Hubschrauber geschickt.

Bis der Notfallmanager der Bahn am Unglücksort eintrifft, kann eine halbe Stunde vergehen. Feuerwehrmann Michael Becker, der für die Übung in diese Rolle schlüpft, hat nur ein paar Minuten gebraucht, spielt mit einer Kameradin das Erden im Schnelldurchlauf durch und gibt dann die Erlaubnis, mit der Rettung zu beginnen.

Während ein Einsatztrupp sich um die beiden Verletzten in der Lok kümmert, öffnet der zweite die Türen des Waggons. Eng ist es im Abteil. Mitglieder der Jugendfeuerwehr spielen die Passagiere. Die ersten Verletzten können noch selbstständig aussteigen, zwei müssen getragen werden.

Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Lukas Herrig und Benedikt Feiereis mimten die Opfer. Zwei weitere Verletzte gab es in der Lok. 
Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Lukas Herrig und Benedikt Feiereis mimten die Opfer. Zwei weitere Verletzte gab es in der Lok.  © Peggy Zill

Wäre der Einsatz auf einer echten Bahnstrecke, wären die Waggons über den Bahndamm noch schwieriger zu erreichen, als auf dem Gelände an der Weinböhlaer Straße in Niederau. Auf den Gleisen des ehemaligen Staatsreservelagers, die der Usedomer Eisenbahn Gesellschaft gehören, stehen alte Loks und Waggons, die nicht mehr gebraucht werden. Drinnen teilweise schon ausgeschlachtet, außen bunt besprüht.

Kaputtmachen darf die Feuerwehr trotzdem nichts. Brecheisen, Spreizer und Flex werden zwar ausgepackt, kommen aber nicht zum Einsatz. Dafür eine Leiter: Denn obwohl das Gelände eben ist, ist der Einstieg recht hoch. Viele Hände sind nötig, um die Trage mit den Verletzten sicher aus dem Waggon zu holen. Der wird zur Sammelstelle, wo er – theoretisch – vom Rettungsdienst weiter versorgt wird.

Zur Auswertung der Übung sitzen die Verletzten wieder putzmunter auf der Wiese. Lobende Worte von Michael Becker: „Das habt ihr gut gemacht, die Zeit am Anfang genutzt, um Löschbereitschaft herzustellen, auch wenn es nicht brennt. Es könnte ja noch etwas passieren.“

Gleichzeitig zeige das den Passagieren, dass Hilfe da ist, die Feuerwehr etwas macht. Und die Retter überbrücken die Zeit, bis die Bahnstrecke betreten werden darf. Einfach nur abwarten, das sei nicht im Sinne der Feuerwehr. „Da muss man sich selbst zügeln“, sagt Kai Walther, stellvertretender Wehrleiter.

Gleichzeitig müssen die Retter versuchen, beruhigend auf die Leute einzuwirken. Denn die wollen aussteigen oder brechen in Panik aus. Und es geht um die Sicherheit der Feuerwehrleute. Selbst wenn die Bahn geerdet ist, könnte sie noch wegrollen oder ein weiterer Zug sich nähern. Eigenschutz geht vor. Bisher habe es noch kein Bahnunglück in Weinböhla gegeben. Trotzdem sei es gut, das mal durchzuspielen, so Walther.

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