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Homosexuell sein in Pirna? Wie geht das?

Der bunte Christopher Street Day fällt in Pirna aus. Eine andere Veranstaltung nicht. Dazu haben sich bereits hochrangige Politiker angemeldet.

Christian Hesse ist der Vorsitzende des Vereins Christopher Street Day Pirna. Er freut sich, dass am 5. Juli die bunte Regenbogenflagge am Pirnaer Rathaus gehisst wird.
Christian Hesse ist der Vorsitzende des Vereins Christopher Street Day Pirna. Er freut sich, dass am 5. Juli die bunte Regenbogenflagge am Pirnaer Rathaus gehisst wird. © Archivbild: Daniel Förster

Eigentlich sollte in diesem Jahr, wie immer, schrill und bunt der traditionelle Christopher Street Day (CSD) in Pirna gefeiert werden. Doch coronabedingt muss die große Party auf dem Markt ausfallen. SZ sprach mit Christian Hesse. Es ist der Vereinsvorsitzende des CSD Pirna und äußert sich über Anfeindungen, Unterstützung , Botschaften und künftige Feiern

Herr Hesse, Sie sind homosexuell, haben den Verein Christopher Street Day Pirna gegründet und engagieren sich für Toleranz gegenüber Homosexuellen, Transen und Bisexuellen. Sind Sie schon mal in Pirna oder Umgebung angefeindet worden? 

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Nein, ich persönlich habe bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Wenn ich mit meinen Lebenspartner durch die Stadt laufe, dann ist es zu keiner unschönen Begegnung gekommen. Allerdings halten wir uns jetzt auch nicht die Hände in der Öffentlichkeit. Aber böse Briefe oder E-Mails wurden auch noch nie an mich gesandt. Ebenso höre ich keinen Klagen von den anderen Vereinsmitgliedern. Im Gegenteil, ich stelle fest, dass es viele Personen in Pirna und der Region gibt, die unserer Lebensweise gegenüber  offen eingestellt sind und uns auch unterstützen. 

Haben Sie ein Beispiel?

Ja, 2019 hatten wir gemeinsam mit dem Pirnaer Verein Akubiz eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. Es ging um die Stolperstein-Legung für einen Pirnaer Homosexuellen, der während der Nazi-Zeit ins KZ Sachsenhausen  deportiert und ermordet wurde. Innerhalb kürzester  Zeit wurde die benötigte Summe gespendet. Ich war damals wirklich überwältigt. Auch bei dem CSD im vergangenen Jahr hatten uns zahlreiche Händler  unterstützt, worüber wir uns sehr freuten. 

Aber der CSD vor zwei Jahren verlief nicht ganz so friedlich ...

Das ist korrekt. Unbekannte hatten in der Nacht von Freitag auf Sonnabend die Bühnenplane aufgeschlitzt. An dem eigentlichen Tag versuchten dann Personen das Fest zu stören, was durch das Eingreifen von Polizei und Sicherheitskräfte  verhindert werden konnte. Es war aber eine Ausnahme. 2019 blieb alles friedlich und war sehr fröhlich. Wir hatten damals über 4.000 Besucher, unser bisheriger  Rekord. 

In diesem Jahr sollte der 9. CSD am 11. Juli eigentlich wieder fröhlich, laut und bunt gefeiert werden. Corona machte einen Strich durch die Planung. 

Ja, leider. Bereits im Februar hatten wir die Entwicklung der Corona-Pandemie aufmerksam verfolgt. Die Ausmaße ab März waren uns zunächst nicht so bewusst, weshalb wir noch an dem CSD in diesem Jahr  festhielten.  Aber als dann das Stadtfest Pirna abgesagt wurde, war uns klar, dass wir auch den CSD ausfallen lassen. Eine reduzierte Variante hätte uns und den Besuchern nichts gebracht. Der CSD lebt von Begegnung, Beratungen und davon, dass man sich auch mal spontan in den Arm nehmen kann. Das wäre wegen der Hygieneregeln ja alles nicht möglich gewesen. 

Gibt es eine Alternative zum CSD in diesem Jahr?

Nein, wir lassen die Feier wirklich komplett ausfallen. In Dresden wurde es etwas anders gehandhabt. Ein Truck mit viel Musik fuhr die Unterstützer und Stationen des dortigen CSD an, unter anderem durch die Neustadt. Das ist aber für uns in Pirna keine Option.

Aber die Regenbogenflagge wird gehisst .... 

Ja, am 5. Juli um 18 Uhr wird die bunte Flagge am Rathaus Pirna aufgezogen, ebenso wie die Transgender-Flagge. Mit dem Flaggen-Hissen wollen wir auch das Zeichen setzen, dass Pirna friedlich, offen und tolerant ist. Leider gingen bei der Corona-Demonstration im Mai hässliche Bilder von Pirna aus um die Welt. Und das ist nicht da korrekte Bild. Wir sind froh über die Unterstützung des Rathauses und freuen uns, dass auch Politiker ihre Teilnahme zugesagt haben und Grußworte verlesen wollen. 

Wer kommt? 

Unter anderem Katja Meier, die sächsische Justizministerin und André Hahn von den Linken. Michael Kretschmer hatten wir auch angefragt, aber sein Büro sagte aus terminlichen Gründen ab. 

Plant Ihr Verein weitere kleinere Veranstaltungen in diesem Jahr? 

Wir wollen das Begegnungszentrum zur Förderung der Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Landkreis Sächsische Schweiz auf der Langen Straße wieder mit Leben füllen. Die Beratungen laufen jetzt wieder an. Größere Veranstaltungen sind dort aber wegen der Hygieneregeln nicht möglich. 

Und im nächsten Jahr?

Auf jeden Fall wird der CSD im Sommer so richtig groß gefeiert. Und wir planen die Queer Art. Angedacht ist, dass Künstler aus der homosexuellen und Transgender-Szene ihre Werke an verschiedenen Standorten in der Pirnaer Innenstadt ausstellen, unter anderem im Begegnungszentrum in der Langen Straße. Vorgaben werden nicht gemacht. Maler, Bildhauerei oder andere Kunst-Genre werden gezeigt. Wir möchte den Künstlern mit dieser Aktion eine Plattform geben, sich und ihre Werke zu präsentieren. 

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