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Taxi und Corona: "Es ist existenzbedrohend"

Die Dresdner Taxifahrer leiden extrem unter der Krise. 80 Prozent der Umsätze fallen weg. Was macht man da?

"Es fährt einfach niemand mehr Taxi": Taxiunternehmer Ralph Dathe hat mehrere Wagen seiner Flotte abgemeldet.
"Es fährt einfach niemand mehr Taxi": Taxiunternehmer Ralph Dathe hat mehrere Wagen seiner Flotte abgemeldet. © J. Loesel, loesel-photographie.d

Opern und Theater sind zu, die Bars und Restaurant in Dresden dunkel. Wer sich sonst gerne mit dem Taxi am Abend heim fahren lässt, muss jetzt ohnehin zuhause bleiben. Nicht nur die Kultur- und Gastrolandschaft trifft die Krise hart, sondern auch die Dresdner Taxifahrer. So wie Taxi-Unternehmer Ralph Dathe.

Eigentlich hat der Unternehmer in seiner Firma 32 Autos im Einsatz. "Bereits am 18. März ,also vor den strengen Ausnahmeregelungen, habe ich auf 16 Fahrzeuge reduziert", sagt Dathe. Doch derzeit fährt einfach niemand Taxi. "Nur noch zehn Prozent der Fahrten finden statt, nur die Fahrten zum Arzt", so Dathe. Seine Fahrer fahren die Dresdner zu Dialyse oder Chemotherapie. Diese Kosten übernimmt die Krankenkasse. Doch alle anderen Touren aus dem Theater oder der Kneipe nach Hause oder zum Flughafen: Alles fällt weg. Selbst Fahrten, die sonst zuverlässig für Einnahmen sorgten, wie die für die alte Dame, die sich zum Einkaufen fahren lässt, sind nicht mehr da. "Jetzt haben viele Verwandte Zeit, ihre Senioren selbst durch die Stadt zu fahren und brauchen kein Taxi", sagt Dathe.

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"Es ist eine harte Zeit für unsere Branche", so der Taxi-Chef, der seine Firma seit 2002 in Dresden hat. Alle Unternehmer müssten schnell von den laufenden Kosten runterkommen. Doch Dathes Raten für seine finanzierten Auto laufen weiter. Zudem sei die Versicherung für die Taxis hoch. Daher plant er von seinen 32 Autos insgesamt noch mehr abzumelden. "Vielleicht bleiben noch drei Autos übrig", sagt er.

Eigentlich arbeiten 45 Menschen für Dathe, inklusive Aushilfen. "Letztere habe ich allerdings schon zu Beginn der Krise heim geschickt", sagt er. Von den fest angestellten Fahrern sind jetzt viele in Kurzarbeit, einfach weil die Aufträge nicht da sind. Die Fahrer mit Familien erhalten derzeit 67 Prozent vom Nettolohn, bei vielen reicht das nicht, um die Familie zu ernähren. Hier wünscht sich der Chef schnelle und unbürokratische Hilfe. Die Fahrer, die jetzt noch fahren, achten sehr auf Schutzmaßnahmen, erzählt er. "Sie tragen Mundschutz und desinfizieren sich ganz oft die Hände."

Ralph Dathe hofft, dass er mit einem "dunkelblauen" Auge aus der Krise herauskommt. Eigentlich sei sein Unternehmen robust aufgestellt, doch er rechnet nicht damit, dass er ein Ergebnis wie 2019 in diesem Jahr erzielt. "Die Corona-Krise hat uns nach den sowieso schwachen Monaten mit Januar und Februar erwischt."

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Jan Kepper, Chef der Taxi-Genossenschaft Dresden, spricht ebenfalls von großen Sorgen. "Ich rechne mit 80 Prozent Einbruch." Er bestätigt Dathes  Beobachtung. Die rund 400 Dresdner Taxis führen eigentlich nur noch  Menschen zu Dialyse und Bestrahlung fahren. "Es ist existenzbedrohend", so Kepper. Etliche Taxis seien stillgelegt, damit die Unternehmen die Versicherung oder die Raten nicht zahlen müssten. Es geht bei vielen um das Überleben. Er rechnet damit, dass die Taxibranche noch sehr lange mit den Folgen der Krise zu kämpfen hat. Und selbst wenn wieder Normalität einziehen würde, in Dresden würden erstmal die Schulen und Läden wieder öffnen. Erst danach die Kultureinrichtungen und Lokale. Doch genau diese brauchen die Fahrer so dringend. Denn die Fahrten nach dem Ausgehen nach Hause seien entscheidend. "Am vergangenen Wochenende ist das Geschäft komplett zum Erliegen gekommen", sagt Kepper. Niemand sei mehr raus gegangen, wenn es nicht dringend nötig war.

Seine große Bitte an die Dresdner: "Bitte nutzt die Taxis als Hilfe beim Einkaufen oder anderen Besorgungen". Kepper hofft, dass gerade Senioren, die ja besonders gefährdet sind und  nicht mehr selbst shoppen gehen, sondern sich ihre Lebensmittel vielleicht das ein oder andere Mal liefern lassen vom Taxifahrer. So könnten seinen Kollegen und er noch ein paar Euro verdienen. 

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