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So reagiert die Region aufs Lausitz-Festival

Die Organisatoren der neuen Veranstaltung ernten viel Kritik für die bisherigen Pläne. Aber Musikfeste der Region sind offen für Kooperationen.

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Symbolbild ©  dpa

Seit konkret ist, dass ab 2019 ein neues Musik- und Kunstfestival in der Lausitz etabliert werden soll, sind die kulturellen Akteure und Institutionen in Ostsachsen aufgewühlt. Die einen ärgern sich, fühlen sich übergangen oder nicht ernst genommen, auch weil sie nicht zu der Ideenkonferenz eingeladen wurden, auf der heute und morgen in Hoyerswerda diskutiert werden soll, wie das Lausitz-Festival gemeinsam mit den hiesigen Akteuren ein Erfolg werden könnte. 

Andere sehen eine große Chance darin, dass der Bund bereit ist, jährlich vier Millionen Euro in ein Vorhaben zu investieren, das es schaffen könnte, die kulturellen Schätze der Lausitz zu heben und international davon zu künden.

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Lausitzer Ensemble in Hamburg?

Zu denen, die sich besonders über die kurzfristige Ankündigung des geplanten Festivals ärgern, gehören verständlicherweise Menschen, die in der Vergangenheit bereits mit viel Energie versucht haben, Festivals zu etablieren, oder regelmäßig solche veranstalten. Das Kulturbüro der Stadt Bautzen etwa, Veranstalter des Lausitzer Musiksommers, ist nicht begeistert, Konkurrenz zu bekommen. „Es hat uns irritiert und verwundert, dass so ein Festival geplant ist, ohne dass wir etwas davon wissen“, sagt Pressesprecher André Wucht. „Der Lausitzer Musiksommer ist eine feste Marke im Zweijahresrhythmus. Es wäre kontraproduktiv, etwas dazuzuerfinden.“ 

Auch Peter Hesse von der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft in Löbau, früher Veranstalter des Dreiklangfestivals, ärgert sich: „Wie würden die Hamburger es finden, wenn wir unsere Lausitzer Ensembles zusammennehmen, bei ihnen auftreten und ihnen erklären wollten, was Kultur ist?“ Zudem wisse er aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, die regionalen und lokalen Akteure von einer Idee zu überzeugen und etwas Gemeinsames aufzubauen. Birgit Weber vom Landkreis Bautzen hatte sich ebenfalls gewundert, nicht in die Planung eingebunden gewesen zu sein: „Ich finde es schade, die Chance nicht zu nutzen, gemeinsam stärker zu werden.“

Genau das will das Lausitz-Festival aber tun. Die bevorstehende Ideenkonferenz dient dazu, die regionalen Akteure, darunter auch Theaterintendanten und Museumschefs, zu treffen und anzuhören. Festivalintendant Daniel Kühnel sagt: „Der Bund würde niemals eine derart große Summe Geldes bewilligen, wenn er wollte, dass wir einen Gastspielbetrieb etablieren.“ Das Festival dürfe in keiner Weise über die Köpfe der Region hinweg geschehen. Im Gegenteil, Ziel sei es, bestehende Initiativen, Festivals, Ensembles und Akteure so einzubeziehen, dass diese von dem überregional angelegten Festival profitieren, etwa indem sie durch ihre Beteiligung Zugang zu finanziellen Mitteln bekommen, die sie sonst nicht beschaffen könnten. Es nehme auch keiner an, dass es sich bei der Lausitz um eine kulturelle Wüste handle. 

„Sie gehört zu den kulturell, geschichtlich und geistig hochinteressantesten Gegenden Europas!“ Aber außerhalb ihrer Grenzen wisse keiner von diesem Reichtum. Doch sobald international bekannte Künstler hier aufträten, würde das die nationale und internationale Aufmerksamkeit erregen und die Lausitz könnte bekannt werden. „Ich kann aber verstehen, dass die Menschen vor Ort skeptisch sind, wenn jemand mit so einer Idee von außen kommt.“

Ebenso verständlich sei der Ärger über die kurzfristige Planung der Ideenkonferenz und der Konzerte rund um dieses Wochenende. „Die Kritik ist völlig berechtigt“, sagt Benedikt M. Hummel, Geschäftsführer der Görlitzer Kulturservicegesellschaft, die Ende 2018 die Trägerschaft für das Lausitz-Festival übernommen hat. Zuvor wurde lange darüber verhandelt, wer überhaupt die Organisation eines solch großen Vorhabens übernehmen kann. Es sei sehr wenig Zeit gewesen, um alles vorzubereiten, zumal der Zuwendungsbescheid für den Auftakt erst Mitte März kam.

Angebote zur Zusammenarbeit

Neben der Kritik an den Festivalplänen gibt es aber auch konstruktive Stimmen. André Wucht von der Stadt Bautzen sagt trotz der Konkurrenz zum Lausitzer Musiksommer: „Grundsätzlich ist es gut, wenn etwas für die Region getan wird. Für Gespräche wären wir selbstverständlich offen.“ Der Görlitzer Verein Ars Augusta verbindet mit seiner Kritik, Hamburger Künstler würden den hiesigen vorgezogen, ein Angebot zu einer Kooperation mit dem Lausitz-Festival. 

Und die Domowina, die seit 25 Jahren das „Folklorefestival Lausitz“ veranstaltet, beklagt zwar die Namensähnlichkeit als „unglücklich“, zeigt sich aber „offen für eine enge Verzahnung der verschiedenen Facetten des kulturellen Angebotes in der Lausitz“ und hoffe auf mehr Werbung für die verschiedenen Aspekte der vielschichtigen Kulturlandschaft in der Oberlausitz, so Vorsitzender Marko Kowar.

Letztlich ist es Ulf Großmann, der als Vorstand der Kulturstiftung Sachsen viel Anteil daran hat, dass das Festival in die Lausitz fand. „Ich bin ein unverbesserlicher Chancenergreifer“, sagt der frühere Kulturbürgermeister. „Erinnern wir uns, wie undenkbar es anfangs schien, dass Görlitz Kulturhauptstadt werden könnte. Und wie weit sind wir am Ende gekommen!“ 

Bei diesem Festival sei es genauso. Es sei alles andere als einfach gewesen, die Politik so weit zu bringen, es zu fördern. „Nun können wir endlich einmal unsere vielen Initiativen bündeln. Das müssen wir nutzen!“

Programm-Auftakt

Freitag, 19.30 Uhr: Nitai Hershkovits, Jazzpianist aus Israel, Lausitzhalle Hoyerswerda

Sa., 19.30 Uhr: Europa Chor Akademie, Bachs Johannespassion, Johanneskirche Zittau

So., 19 Uhr: Vokalensemble Intrada, Rachmaninows Chrysostomus-Liturgie, Kreuzkirche Görlitz

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Mo., 20 Uhr: Europa Chor Akademie, Liszt, Via Crucis, St.-Jakobus-Kathedrale Görlitz

Die., 20 Uhr: Symphoniker Hamburg, Bruckners 7., Dorfkirche Cunewalde

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