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Dresden

So schlecht steht es um Dresdens Vögel

Eine Vogelart ist schon ganz aus der Stadt verschwunden, eine andere ist dabei auszusterben. Was dagegen unternommen wird. 

Sorgen um seine Existenz muss sich auch der Haussperling machen.
Sorgen um seine Existenz muss sich auch der Haussperling machen. © dpa

Zwitschern im Morgengrauen – manche nervt es, andere können sich keinen schöneren Wecker vorstellen. So oder so, möglicherweise wird man Vogelgesang in Dresden bald kaum noch hören.

Offenbar weg ist die Goldammer. Der Singvogel kam bislang in der Moritzburger Kleinkuppenlandschaft und damit auch im Norden der Stadt vor. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Vogelart dort ausgestorben ist, teilt Bürgermeister Detlef Sittel auf Anfrage der Linken im Stadtrat mit. Schlecht geht es auch dem Rebhuhn. Nur einige wenige würden sich noch bei Rähnitz halten. 

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Sachsenweit habe die Art in den letzten Jahrzehnten etwa 90 Prozent ihres Bestands verloren, so die Stadt. Die Naturschutzbehörde versuche zusammen mit Landwirten, das Aussterben der Art zu verhindern. Nicht viel besser gehe es den Kiebitzen und Feldlerchen. Sie seien kaum noch vorhanden. Auch Kuckucke, Heidelerchen und Rauchschwalben seien gefährdet. Bei Haussperlingen, Pirolen und Grauammern gingen die Bestände stark zurück, weshalb sie auf der Vorwarnliste stünden.

Land- und Forstwirtschaft tragen wohl eine Mitschuld

In den ländlichen Randbereichen Dresdens würden die Land- und Forstwirtschaft als Ursachen für das Vogelaussterben infrage kommen, so die Stadt. Obwohl die Verwaltung mit Landwirten im Gespräch sei, sei der Gesetzgeber gefragt, um den Entwicklungen entgegenzuwirken.

In Dresdens Innenstadt schadet vor allem dichte Bebauung den Vögeln. Je mehr Häuser und Straßen es gibt, umso kleiner ist der Lebensraum der Tiere. Auch Wiesen, die zu oft gemäht werden, sind nicht gut für die Vögel, da sich dort kaum noch Insekten ansiedeln können. Diese sind allerdings die wichtigste Nahrungsquelle für Sperlinge und Co.

Mit begrünten Dächern und weniger Rasenpflege versucht Dresden, wieder mehr Insekten in der Stadt heimisch zu machen. So werden unter anderem die Mittelstreifen an der St. Petersburger Straße oder der Grunaer Straße deutlich seltener gemäht als früher.

Konkrete Vogelzahlen für Dresden erwartet die Stadt in Kürze. Derzeit werde ein Brutvogelatlas für die Landeshauptstadt erarbeitet. Daran beteiligt sind der Naturschutzbund, die sächsische Vogelschutzwarte und der Verein sächsischer Ornithologen. Bei einer letzten Nabu-Zählung von Haussperlingen wurden in Dresden durchschnittlich rund fünf Tiere pro Garten beobachtet. Viele sind das nicht. In Berlin zum Beispiel kam man auf einen Durchschnittswert von sieben Vögeln.

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