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Dresden

Stadt kontert Vorwürfe des CSD-Chefs

Ronald Zenker soll Sex mit Schutzbefohlenen gehabt haben. Er vermutete hinter dieser Behauptung eine Intrige aus dem Sozialamt.

Ronald Zenker ist CSD-Chef und Landeskoordinator für homo- und transsexuelle Flüchtlinge.
Ronald Zenker ist CSD-Chef und Landeskoordinator für homo- und transsexuelle Flüchtlinge. © Sven Ellger

Der Fall Ronald Zenker schlug in der vergangenen Woche hohe Wellen. Die Kurzform: Zenker soll mit ihm anvertrauten Flüchtlingen Sex gehabt haben. Diese sollen mit ihm geschlafen haben, da sie fürchteten, sonst keine Hilfe mehr von ihm zu bekommen. Zenker wies das vehement zurück. Er ist überzeugt: „Gegen mich läuft eine Intrige.“ Bislang ist weder das eine noch das andere bewiesen – Zenker hat als unschuldig zu gelten. Der Auslöser der Intrige sei das Sozialamt, so Zenker, der auch Landeskoordinator für queere, also homo- und transsexuelle, Flüchtlinge ist. Konkret nannte er eine Sachgebietsleiterin, die von der Amtsleiterin und einem Abteilungsleiter gedeckt werde. Sie „schießt alles zusammen“, so Zenker.

Jetzt äußert sich das Sozialamt zu den Vorwürfen von Zenker, der auch Chef des Christopher Street Day Vereins (CSD) in Dresden ist. „Die Vermutung von Herrn Zenker entbehrt jeder Grundlage. Vonseiten des Sozialamts wurden ihm gegenüber keine Vorwürfe erhoben“, heißt es aus dem Rathaus. Zu der Zusammenarbeit mit dem CSD-Chef sagte das Sozialamt nur so viel: Es hätte fachliche Differenzen über die Betreuung der Flüchtlinge gegeben. Diese seien mit ihm besprochen worden. Das Amt habe mit dem CSD-Verein über die Erwartungen und Anforderungen der Stadt gesprochen, und der 46-Jährige habe seine Meinung einbringen können. „Aufgezeigte Mängel und Kritikpunkte in der Flüchtlingssozialarbeit und in der Unterbringung wurden und werden im Sozialamt ernst genommen, analysiert und, soweit möglich, abgestellt“, so das Amt. Weiter wollte sich das Amt nicht zur Zusammenarbeit äußern. Über die Anzeige, die Zenker nach eigener Aussage wegen Verleumdung gegen das Amt gestellt hat, hat das Sozialamt keine offiziellen Erkenntnisse.

Tatsächlich gab es für die Vorwürfe bislang nur wenig Haltbares: Im Februar 2019 meldeten sich zwei Geflüchtete beim Sozialamt mit Nötigungsvorwürfen.„Belege dafür konnten sie allerdings nicht anführen“, so die Stadt. Sie seien auch nicht zur Polizei gegangen. Es meldete sich aber, wie bereits berichtet, ein weiterer Flüchtling. An Eides statt versicherte er, er habe Sex mit Zenker gehabt aus Angst, dass dieser ihm sonst nicht mehr helfe. Auch andere Flüchtlinge hätten aus diesem Grund Sex mit Zenker gehabt. Sie würden aber nicht darüber reden, aus „Angst vor Konsequenzen“. Der so Beschuldigte reagiert entsetzt darauf. Zenker weist die Vorwürfe entschieden zurück. In einer Pressemitteilung des CSD-Vereins hieß es, „ich habe weder sexuelle Handlungen zur Voraussetzung für die Unterstützung für Geflüchtete gemacht, noch habe ich eine Unterstützung aus diesen Gründen versagt“. Im Gespräch mit der SZ sagte er, er habe dem sächsischen Sozialministerium bereits Mitte Mai ebenfalls eidesstattlich versichert, die Vorwürfe seien unwahr. Bewiesen ist nichts, es gilt die Unschuldsvermutung.

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Kritisiert wurde Zenker auch dafür, dass er mit Generalvollmachten arbeitet. Der Bevollmächtigte kann damit Angelegenheiten etwa bei Behörden regeln. Der Einsatz dieser Vollmachten sei unüblich, so der sächsische Flüchtlingsrat. Zenker sagte, es sei das Sozialamt gewesen, das auf die Idee mit den Vollmachten gekommen sei.

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