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Steimles Hänger

Beim Saisonauftakt der Maxener Naturbühne bibbern die Organisatoren und Steimle macht auf der improvisierten Bühne, was er immer macht.

Maxens neue Naturbühne auf dem Feld: Uwe Steimle hat sie am Sonntag eröffnet.
Maxens neue Naturbühne auf dem Feld: Uwe Steimle hat sie am Sonntag eröffnet. © Steffen Unger

Es ist alles anders an diesem Sonntag. Es ist der zweite Anlauf am alternativen Spielort der Naturbühne Maxen. Feld statt Zuschauerraum, eigene Stühle statt Bänke und Traktoranhänger statt Bühne. Nachdem das Feld eine Woche vorher unter Regenwasser stand, spielt das Wetter diesmal mit. Wird auch alles andere klappen? Die Leute vom Heimatverein können organisieren und improvisieren, das beweist ihre Idee mit dem Anhänger. Aber das Ganze auch noch unter Corona-Bedingungen? 

Auch wenn es Open Air mit eigenem Stuhl schon gibt, zum Beispiel beim Landschaftstheater, in aufgemalten Parzellen saß noch keiner. Es ging auch noch niemand mit Mund-Nase-Schutz zu seiner Parzelle. Zu essen gibt es nichts, aber zu trinken. Weil ohne Pfand, damit sich kein Stau bei der Rückgabe bildet, gibt es Müllbeutel für fünf Euro Pfand. Die Maxener scheinen an alles gedacht zu haben. 

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"Super Verein"

Die Ersten stehen 15 Uhr, zwei Stunden vor Beginn, mit dem Stuhl am Eingang. Die elektronische Besucherzählung sieht aus wie Fiebermessen. Für die, die doch keinen Stuhl haben, gibt es einen Hänger voll. Doch die meisten sind komplett ausgestattet. Die Naturbühnen-Leute werden von Mitgliedern anderer Arbeitsgruppen des Heimatvereins unterstützt. Die Vorstellung ist finanziell wichtig für den Verein. 

Die Böhmes aus Mühlbach sitzen in der ersten  Reihe ganz am Rand. Sie sind Stammgäste, besuchen fast jede Veranstaltung und haben sich für den Sonntag extra Stühle gekauft. Frau Ritschel aus Pirna konnte sich nicht vorstellen, wie das auf der Wiese funktioniert. "Super, besser als nichts", sagt sie. Die Ritschels waren auch schon eine Woche vorher da, so wie etwa 40 Leute. Hätten die Ritschels beim zweiten Mal nicht gekonnt, hätten sie die Karten dem Verein gespendet. Frau Ritschel hat da eine Kollegin. "Das ist ein super Verein." Die Karten, die zurückgegeben wurden, sind wieder verkauft. Das Feld ist sozusagen ausverkauft. 

Uwe Steimle kommt in einem sachsengrünen Jacket und dem schwarzen T-Shirt mit dem umstrittenen Emblem der einstigen FDJ, deren drei Buchstaben er durch CDU ersetzt hat. Damit hat sich Kabarettist Steimle bei der CDU keine Freunde gemacht, aber erstens ist das nicht seine Aufgabe und zweitens, mag er die Mutti-Partei sowieso nicht.  Und noch einige andere nicht. Darunter die Sächsische Zeitung, die er "Sachsen-Prawda" nennt. 

Steimle wechselt immer wieder zwischen seinem Plädoyer fürs Sächsische und die Sachsen, die dann meist in einer politischen Aussage münden. Das Eine ist für ihn nicht vom Anderen zu trennen. Mal bedient er die geschundene DDR-Seele, mal die unterschätzten Sachsen. Da sagt er Sätze wie "alles Nazis, außer Mutti" und "wir verblöden am offenen Hirn" und "wir werden vom Wahnsinn regiert und das Verrückte, wir lassen es uns gefallen." Zwischendurch macht er seinen Honecker, der kommt immer wieder und noch immer an, und singt -  "deutsche Lieder, so lange man das noch darf, ist noch  nicht alles verloren." Steimle steht auf dem Anhänger, vor Tisch, Sessel und Lampe. Er erzählt 75 Minuten. Mal sagt er, "was wollte ich jetzt sagen?" Egal, ob es inszeniert oder live ist, es ist gut gemacht. Es gibt Beifall, mal an Stellen,  wo es überrascht, mal fehlt der Applaus, wo man ihn erwartet hatte. 

Nächste Feld-Vorstellung mit Licht

Die Leute gehen zwischendurch mal ein Bier holen, mal auf Toilette, eine Pause gibt es nicht.  Zaungäste gibt es kaum. Nur mal ein Auto und Radfahrer halten. Die Leute von der Siedlung folgen dem Spektakel auf ihrer Terrasse sitzend. Bei Dirk Kluge vom Naturbühnen-Team lässt die Anspannung langsam nach. Es läuft alles. Er übergibt Steimle eine große Flasche Weesensteiner Bier. Später trinkt Kluge mit den anderen auch noch ein Bier. Der letzte Besucher geht gegen 19.15 Uhr, aufgeräumt ist dann auch schnell. Danach sind alle erleichtert. "Das Feedback war durchweg positiv", sagt Kluge. Beim Gehen erleben die Maxener noch eine Überraschung. Viele geben ihre Müllbeutel zurück, ohne die fünf Euro Pfand wiederhaben zu wollen. 

Nach Steimle ist vor Flache. Der Maxener kommt zum Heimspiel am 10. Juli, dann wieder auf dem Feld, aber abends und mit Licht. Die Organisatoren werden wieder bibbern - und danach ein Bier trinken.

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