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Teilung des Dorfes befürchtet

Momentan laufen in Wiednitz Voruntersuchungen für eine Ortsumfahrung von Bernsdorf aus. Womöglich ist die gar nicht nötig.

Diese Skizze mit dem möglichen Trassenverlauf einer Umgehungsstraße wurde Anfang 2016 im Wiednitzer Ortschaftsrat vorgelegt und von diesem unverbindlich für gut befunden – obwohl die Strecke zwischen Wiednitz und Heide hindurch führt.
Diese Skizze mit dem möglichen Trassenverlauf einer Umgehungsstraße wurde Anfang 2016 im Wiednitzer Ortschaftsrat vorgelegt und von diesem unverbindlich für gut befunden – obwohl die Strecke zwischen Wiednitz und Heide hindurch führt. © Skizze/Archiv: privat

Das Thema Umgehungsstraße beschäftigt insbesondere die Wiednitzer nicht erst, seit dieses Straßenbauvorhaben Bestandteil des gerade eben vom sächsischen Kabinett beschlossenen Landesverkehrplanes (LVP) Sachsen 2030 ist. Beginnend mit der Fertigstellung der Ortsumfahrung Straßgräbchen-Bernsdorf im Sommer 2015 wurde in den verschiedensten Gremien und Runden darüber gesprochen, zuletzt auch wieder im Kreise der Wiednitzer Ortschaftsräte. Wobei die ursprünglich nicht öffentlich geplante „Diskussion über die angedachte Umgehungsstraße“ auf Antrag von Klaus Zschech (Wählergemeinschaft Radfahr-Verein) in den öffentlichen Teil der Sitzung verlagert worden war.

Es gibt noch keine Festlegung

„Ich würde die Streckenführung über die Kippen favorisieren“, eröffnete Ortsvorsteherin Edeltraud Ritter (Die Linke) die Aussprache. Damit ist sie einer Meinung mit dem Bernsdorfer Bürgermeister Harry Habel (CDU). Der hat zuletzt wiederholt diesen Steckenverlauf, der über bergbauliches Sperrgebiet geht, als die von der Stadt Bernsdorf bevorzugte Variante genannt. Allerdings wiederholte er auch fast schon gebetsmühlenartig, dass derzeit noch eine Voruntersuchung durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) im Gange sei. Bei der würden drei Varianten betrachtet werden. Eine Festlegung zu einer bevorzugten Trassenführung gibt es aber nicht.

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Nicht alle Wiednitzer wollen das aber glauben. Offenbar macht die Runde, dass der Ortschafsrat bereits einer Trassenführung zugestimmt hat. Die Ortschaftsräte drängten daher auf eine „Klarstellung zu Gerüchten im Dorf“. Knut Moschke (Die Linke) formulierte es so: „Wir haben als Ortschaftsrat weder einer Variante zugestimmt noch einen Beschluss gefasst.“ Die Ortschafträte waren sich zudem einig, dass sie die im aktuellen Landesverkehrsplan dargestellte Trassenführung ablehnen, weil diese das Dorf spalten würde. Es handelt sich um eine Trasse, die zwischen Wiednitz und Heide die Bahnstrecke queren und weiter zur vorhandenen Straße zwischen Wiednitz und Grünewald verlaufen würde.

Über genau diesen Trassenverlauf war allerdings Anfang 2016 schon einmal gesprochen worden. Seinerzeit lag dem Ortschaftsrat eine entsprechende Skizze vor, die auch schon die Weiterführung der Straßen als südliche Ortsumfahrung um Grünewald in Brandenburg herum kenntlich gemacht hat. Seinerzeit haben sich die Ortschaftsräte sehr angetan gezeigt. Mehr allerdings auch nicht. Zumal es sich bei der Skizze um kein offizielles Dokument, sondern um eine selbst angefertigte Darstellung des Trassenverlaufs gehandelt hat.

Schon damals war aber klar, dass es ohne Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Brandenburg nicht gehen würde. Das ist nun aktueller denn je. Klaus Zschech machte auf die gemeinsame Kabinettssitzung aufmerksam, die am 11. Juni in Hoyerswerda stattfand und bei der es unter anderem um den Strukturwandel in der Lausitz ging. Die Verkehrsinfrastruktur spielt bei alledem eine entscheidende Rolle. „Es müssen gemeinsame Planungen zwischen Sachsen und Brandenburg stattfinden“, meinte Klaus Zschech und merkte an, dass man versuchen müsse, die „Wiednitzer Ortsumfahrung dort mit reinzubringen“.

Neun Landräte aus drei Ländern

Vielleicht ist die Umfahrung ja letztlich gar nicht mehr nötig. Stichwort „Milau“. Dieses Straßenverkehrsprojekt wurde im November 2017 von neun weitsichtigen Landräten aus drei Bundesländern aus der Taufe gehoben. In der „Torgauer Erklärung“ forderten die Kommunalpolitiker die Bundesregierung sowie die Regierungen der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg dazu auf, den Bau einer neuen Ost-West-Straßenverbindung voranzutreiben, welche die infrastrukturellen Voraussetzungen für wirtschaftliche Neuansiedlungen in den betroffenen Revieren Mitteldeutschland und Lausitz schafft. In Anlehnung an die geografische Lage erhielt das Projekt den Namen „Milau“. Es soll zusätzlich gefördert werden, so lautete seinerzeit der ausdrückliche Hinweis, und nicht zu Lasten anderer Vorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan gehen.

Die „Milau“ soll durch den Ausbau vorhandener Bundes- und Staatsstraßen Mitteldeutschland von Halle, Leipzig, über Torgau, Elsterwerda, Lauta, Hoyerswerda bis Weißwasser mit der Lausitz verbinden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die „Milau“ erst vor wenigen Tagen in einem Interview als die Autobahnanbindung von Hoyerswerda bezeichnet (TAGEBLATT berichtete).

Das lässt aufhorchen, denn das Projekt Autobahnzubringer zwischen Hoyerswerda und der A 13 bei Ruhland, das die Bezeichnung „B 96n“ trug, ist vor nunmehr schon sechs Jahren beerdigt worden. 2013 hatte der Freistaat auf die Wiederanmeldung des Autobahnzubringers für den Bundesverkehrswegeplan verzichtet. In diesem Plan war das Projekt bis dahin unter der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft gewesen. Begründet wurde diese Entscheidung mit einer erheblichen Kostensteigerung und dem geringen Verkehrsaufkommen. Rund zwei Jahrzehnte mit immer konkreteren Planungen bis hin zum angeschobenen Raumordnungsverfahren waren plötzlich für die Katz.

Das resultierte allerdings auch aus dem Strategiewechsel im Freistaat, der dem Erhalt und Ausbau vorhandener Straßen den Vorrang vor dem Bau neuer Straßen einräumte. Der Elsterheider Bürgermeister Dietmar Koark (CDU) hatte seinerzeit schon darauf aufmerksam gemacht, dass sich an der Situation in der Region, wegen der ein Autobahnzubringer gefordert worden war, in den letzten zehn, fünfzehn Jahren nichts geändert habe. Auch die damalige Aussage seines Bernsdorfer Amtskollegen Harry Habel (CDU) ist heute noch aktuell: „Wir wollen ein Seenland entwickeln in den nächsten 20 Jahren. Dafür brauchen wir die entsprechende Infrastruktur.“ Er nannte dabei Bahn und Autobahn im gleichen Atemzug und merkte hinsichtlich der B 96n an: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das schon das letzte Wort war.“

Wenn er recht behalten sollte und anstelle der B 96n die „Milau“ realisiert wird, dann würde das für Bernsdorf und Wiednitz eine neue Perspektive eröffnen. Genau genommen ist es ein alte Variante, die nun plötzlich wieder aktuell werden könnte. Es geht um die Weiterführung der Ortsumgehung Straßgräbchen-Bernsdorf von der B 97 aus nach Norden an Leippe vorbei, um im Bereich Lauta-Dorf in die „Milau“/Autobahnzubringer eingebunden zu werden. Sollte es damit klappen, bräuchte niemand mehr eine Wiednitzer Ortsumfahrung ...

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