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Traum vom Glück in Schutt und Asche

Ein Paar wollte in drei Wochen in sein frisch saniertes Umgebindehaus in Ruppersdorf einziehen. Nach dem Brand vom Montag reißen die Hiobsbotschaften nun nicht ab.

Von Anja Beutler
 4 Min.
Jens Wittig und seine Partnerin Stefanie Ritzschel müssen noch einmal ganz von vorn anfangen.
Jens Wittig und seine Partnerin Stefanie Ritzschel müssen noch einmal ganz von vorn anfangen. © Matthias Weber

Jens Wittig und Stefanie Ritzschel steht der Schock buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Nicht nur, dass der Dachstuhl ihres frisch sanierten Umgebindehauses in Ruppersdorf ein Raub der Flammen geworden ist. Das Haus ist generell unrettbar. Abrissreif. Totalschaden. Statisch nicht mehr sicher. Dabei wollte das junge Paar eigentlich in drei Wochen einziehen. "Es war alles so gut wie fertig", sagt Jens Wittig.

Die neue, erschreckende Erkenntnis haben die Kriminaltechniker der Polizei den beiden heute Vormittag deutlich vor Augen geführt. Die beiden großen Autos parken noch auf dem Hof und die Polizisten verabschieden sich bei den beiden: "Ich wünsche Ihnen alles Gute und sage nicht ,Auf Wiedersehen' - jedenfalls nicht unter diesen Umständen", sagt einer vom Team der Brandursachenermittler. Dann fahren die Autos davon und das Paar versucht erst einmal zu verdauen, was in den vergangenen anderthalb Tagen ihrem Leben und ihren Plänen eine abrupte Wendung gegeben hat.

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Seit anderthalb Jahren haben sie das Haus ausgebaut und saniert, berichtet Jens Wittig und schaut zum verkohlten Dachstuhl, der aussieht wie ein abgenagtes, schwarzes Fischskelett. Zuletzt habe er noch am Sonnabendvormittag im Haus gewerkelt. Eines der dabei wohl genutzten Arbeitsgeräte mit Akku könnte der Auslöser des Feuers gewesen sein, haben die Ermittler festgestellt. "Da denkt man dann schon: Ach hätte ich doch ...", sagt der 33-jährige Oderwitzer, der morgen Geburtstag hat.

Auf das Haus ist das Pärchen per Zufall gekommen: Jens Wittig war oft in der Nachbarschaft bei einem Freund zu Gast. Immer wieder habe man sich auch mit der älteren Dame unterhalten, die in dem großen Umgebindehaus wohnte, das Gebäude aber zunehmend schwerer allein bewirtschaften konnte. "Irgendwann sind wir uns dann einig geworden, es hat gepasst", erzählt Wittig.

Ausgebaut haben die beiden das Haus im Wesentlichen selbst - mithilfe von Firmen und Freunden. Die Fassade sollte noch gestrichen werden, eine erste Farbprobe erkennt man noch am alten Putz im ersten Stock. Solarpanele waren auch ein Thema, erste Vorbereitungen waren eingeplant. "Bei der Elektrik im Haus hat mein Nachbar geholfen, er ist vom Fach", sagt Wittig. Die Nachbarsfamilie war es auch, die das Feuer zuerst entdeckt hatte. Als sich die Nachbarin früh gegen 5 Uhr für die Arbeit fertig machen wollte, habe sie Nebel beobachtet, der vom Nachbarhaus herüber waberte. Rasch war klar, dass es kein Nebel, sondern Rauch war. Danach ging alles ganz schnell: Die Feuerwehren von Ruppersdorf, Herrnhut und Großhennersdorf rückten mit 36 Kameraden an. Bis 9 Uhr war das große Feuer gelöscht, aber der riesige Schaden am Haus war nicht mehr zu verhindern. Das Dach brannte schon beim Eintreffen der Wehr in ganzer Länge. Die Polizei sprach von einigen hunderttausend Euro Schaden.

Der Dachstuhl ist völlig ausgebrannt. Hier oben ist das Feuer offenbar ausgebrochen.
Der Dachstuhl ist völlig ausgebrannt. Hier oben ist das Feuer offenbar ausgebrochen. © Matthias Weber
Das stattliche Umgebindehaus sollte noch einen neuen Anstrich bekommen. Nun muss es wohl abgerissen werden.
Das stattliche Umgebindehaus sollte noch einen neuen Anstrich bekommen. Nun muss es wohl abgerissen werden. © Matthias Weber

Für Jens Wittig und Stefanie Ritzschel ist der ganz persönliche Schaden aber weitaus größer. Der Plan, ein eigenes, gemeinsames Heim zu haben, ist geplatzt. Vorerst zumindest. Immerhin sitzen die beiden nun nicht auf der Straße: "Ich wohne bei meinen Eltern, meine Freundin hat in Oderwitz noch ihre Wohnung", sagt Wittig. "Zum Glück habe ich die noch", schiebt Stefanie Ritzschel nach. Wie es weitergehen soll? "Wir müssen auf die Entscheidung der Versicherung warten", erklärt Wittig. Der Versicherungsvertreter habe sein Kommen angekündigt. Da das Haus aber nicht mehr zu retten ist, wird den beiden kaum etwas anderes übrig bleiben, als neu zu bauen - wenn sie das wollen und können. Ob man Teile des alten Hauses einbeziehen kann? "Schwierig, da passt ja dann nichts mehr zusammen", wägt Wittig ab.

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Erst einmal müssen die beiden aber den Schock verdauen. Beide wirken ernüchtert, ratlos und schicksalsergeben. Schließlich haben sie sich im Geiste schon in ihrem neuen Haus gesehen, das sie füreinander eingerichtet hatten - ganz individuell. Weil Stefanie Ritzschel beispielsweise ein Fan der Trickfilm-Katze Hello Kitty ist, hatte ihr Freund das Schlafzimmer extra mit einer Hello-Kitty-Tapete versehen. Die ist jetzt allerdings ziemlich verkohlt. "Wird schon irgendwie", sagt Stefanie Ritzschel mit bitterem Unterton - und schaut auf die Brandruine, die eigentlich ihr Zuhause sein sollte.

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