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Umweltaktivisten schlagen selbst zu

Meist sind Umweltschützer für kritische Worte bekannt. Auch die BUND-Regionalgruppe hält damit nicht hinterm Berg. Aber sie kann auch anders.

Saskia Bellmann gehört mit Karl und Richard zu den Helfern, die die Bäume an der Straße von Polditz nach Kalthausen vom Verbissschutz und den Holzpfählen befreien.
Saskia Bellmann gehört mit Karl und Richard zu den Helfern, die die Bäume an der Straße von Polditz nach Kalthausen vom Verbissschutz und den Holzpfählen befreien. © Dietmar Thomas

Leisnig. Statt einkaufen zu gehen oder gemütlich daheim Plätzchen zu backen, haben sich einige Familien aufgemacht und einen Vormittag der Umwelt „geopfert“.

Als Tagesaufgabe stand, die vor fünf Jahren gepflanzten Pflaumenbäume an der Straße von Polditz nach Kalthausen von dem zu befreien, was überhaupt nicht mehr nötig ist und die Bäume in ihrem weiteren Wachstum eher behindern könnte. „Zuvor haben wir uns von einem Fachmann versichern lassen, dass die Bäume gut angewachsen und sowohl der Verbissschutz als auch die Holzstützen überflüssig sind“, sagt Maja Lichtenstein. Die Polditzerin engagiert sich in der Regionalgruppe Leisnig des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND.

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Mit anderen Umweltschützern und deren Familien ging es nun daran, die Bäume von den Plastikhüllen im Stammbereich zu befreien. Die Pfosten ringsum, die anfänglich an Anwachshilfe und zur Stabilisierung dienen, wurden abgesägt. Dass dies noch nicht passiert ist, hatte Maja Lichtenstein vor einiger Zeit in einer Stadtratssitzung kritisiert. Sie geht davon aus, dass für diese Rückbauten einfach keine Zeit gewesen ist. „Deshalb haben wir dies in Absprache mit dem Leisniger Bauamtsleiter erledigt. Wir wollen nicht nur schimpfen, sondern auch selbst etwas beitragen“, begründet sie die jüngste Aktion der Gruppe.

Nach Jahren ist kurz vor Polditz Ersatz für gefällte Bäume gepflanzt worden. Darüber freuen sich Gerd Schwenke (links) sowie Richard und Maja Lichtenstein.
Nach Jahren ist kurz vor Polditz Ersatz für gefällte Bäume gepflanzt worden. Darüber freuen sich Gerd Schwenke (links) sowie Richard und Maja Lichtenstein. © Lutz Weidler

Nach ihren Beobachtungen wird das Früchteangebot am Straßenrand von Einheimischen wie Durchfahrenden durchaus angenommen. „Ich habe schon mehrfach Leute beobachtet, die sich ein kleines Körbchen Pflaumen gepflückt oder aufgelesen haben“, erzählt die Polditzerin.

Nicht nur zu meckern, darum geht es ihr auch bezüglich der Nachpflanzungen an der Straße zwischen dem Feuerwehrgerätehaus Wiesenthal und der Kirche Polditz. Dort waren in der Wintersaison 2016/17 Bäume gefällt worden. Vor etwa einem Jahr fragte Maja Lichtenstein in einer Stadtratssitzung schließlich: „Wann folgen endlich die Ersatzpflanzungen?“

In der ersten Dezemberwoche sind nun genau an dieser Straße 14 Bäume als Ersatz für zuvor gefällte und bei Stürmen umgestürzte in die Erde gekommen. Die hat sich die Polditzer BUND-Mitstreiterin genau angeschaut – und ist begeistert: „Es handelt sich dabei um schöne, schon etwas größere Bäume“, lautet ihr Urteil. Besonders erfreut sei sie darüber, dass die Firma Rockstroh einige alte Sorten wie die Wildkirsche pflanzen konnte. „Das habe ich dem Bauamtsleiter auch gesagt“, so Lichtenstein.

Dieses Beispiel dürfe Schule machen. Das meint Gerd Schwenke vom Heimatverein Polditz ebenso. Er findet die gepflanzten Feldhecken aus Hagebutten und Hasel in Verlängerung des Weges Polditz-Böhlen wichtig. Eine ähnliche Hecke ist im vergangenen oder schon im Jahr davor in Polditz weggekommen, als die Kommune dort für eine ordentliche Ableitung des Regenwassers vom Rückhaltebecken zur Mulde gesorgt hat. Eine Neuanpflanzung sei vom Grundstückseigentümer nicht gewünscht, hatte Maja Lichtenstein zur Antwort bekommen, als sie in Leisnig danach fragte. „Das stimmt so nicht“, so die Umweltschützerin. In Gesprächen mit den Eigentümern habe sie etwas anderes erfahren.

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