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Unterwegs in Pücklers Gartenreich

Um den Landschaftspark in Bad Muskau zu erkunden, sollten Besucher Zeit mitbringen. Er ist riesig und bietet viel.

Kutschfahrten durch den Unesco-Welterbe-Park in Bad Muskau sind sehr beliebt. Anbieter stehen auf deutscher und polnischer Seite. Wer das Pücklersche Gartenreich im gemächlichen Trab erkunden will, muss sich einfach nur in eine der wartenden Kutschen setz
Kutschfahrten durch den Unesco-Welterbe-Park in Bad Muskau sind sehr beliebt. Anbieter stehen auf deutscher und polnischer Seite. Wer das Pücklersche Gartenreich im gemächlichen Trab erkunden will, muss sich einfach nur in eine der wartenden Kutschen setz © Joachim Rehle

Fürst Pückler war Gartennarr. Genialer Gestalter. Gigantomane. Liebhaber englischer Gärten. Seinen Traum vom idealen Landschaftsgarten im englischen Stil verwirklichte Pückler in seiner Standesherrschaft Muskau. Dafür ließ er Dörfer umsiedeln, Flüsse und Seen durch die angezapfte Neiße schaffen, riesige Bäume umsetzen und ein Wegesystem anlegen, das jeden Winkel des Parks erreichbar machte.

„Ein Park ist erst dann ein Park, wenn man ihn im flotten Trab eine Dreiviertel Stunde lang durchfahren kann, ohne den Weg zweimal zu benutzen“, war Pücklers Maxime, die er in seinem 830 Hektar großen Gartenreich umsetzte. Kein Wunder, dass sogar Besucher der Dauerausstellung im Neuen Schloss per Kutsche durch überdimensionale Seiten aus Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ fahren. Überhaupt sind Kutschfahrten bei Parkbesuchern auf deutscher und polnischer Seite sehr beliebt. So wie Radfahren. Um den Park, Bauten und Brücken, inszenierte Sichtachsen, Perspektiven und Attraktionen wirklich zu erleben, sollte der Park aber zu Fuß erkundet werden. Die Wege leiten Wanderer durch die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau geschaffene Landschaft und sorgen als stumme Führer dafür, dass nichts verborgen bleibt.

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Wieslawa Kölzow, Leiterin der Schlossgärtnerei, ist für Blumen, Küchengärten und Ananaszucht zuständig.
Wieslawa Kölzow, Leiterin der Schlossgärtnerei, ist für Blumen, Küchengärten und Ananaszucht zuständig. © Joachim Rehle

Einer, der mit Vorliebe den Muskauer Park zu Fuß und mit dem Sonnenlauf erkundet, ist Cord Panning. „Laufen ist die beste Methode, um sich auf seine Schönheit einzulassen. Zwischen 7 und 8 Uhr morgens auf östlicher Parkseite mit der Sonne im Rücken starten und abends auf der Westseite enden“, rät der Parkdirektor. Für solche Wanderungen braucht es natürlich Zeit. Jene, die sich auf das Parkwandern einlassen, erleben dafür ungewohnte Sichten, überraschende Kolorierungen und von der Sonne in Szene gesetzte Bauwerke wie die Bergsche Kirchruine. „Wer am frühen Abend an der Schlossrampe ankommt, sieht dank Abendsonne einen einzigartigen Schattenwurf, der im vorigen Jahrhundert schon auf vielen Gemälden eingefangen wurde“, erzählt Cord Panning, der damit die auf der Schlosswiese widergespiegelte Silhouette des Schlosses meint.

Ein Tipp für Liebhaber phänomenaler Landschaftsblicke ist der Panorama-Rundweg. Wer ihm – oder allen anderen Wegen – mit Parkkarte folgt, verläuft sich nicht in dem Riesenareal und entdeckt Parkbereiche, Bauten oder Überreste wie Baumschule, Viadukt und Englisches Haus auf polnischer Seite ebenso wie auf deutscher Seite gelegene Gloriette oder das Weltenende.

Idealer Ort für eine lange Wanderpause ist das Neue Schloss samt Umfeld. Hier gibt es Ausstellungen undeine Turmbesteigung, man kann im Liegestuhl am Schlossteich ausruhen oder Pückler-Eis und Pückler-Torte im Café genießen. Ein Muss ist der Besuch der Schlossgärtnerei, wo Kräuter, Blumen, Obst, Gemüse und Ananas gezüchtet werden. Die Ananaszucht geht auf Fürst Pückler zurück. Er wollte die Königin der Früchte im großen Stil anbauen und jährlich 3 000 Früchte an Adelshäuser verkaufen. Dort liebte man die gelbe Exotin zu Eis, als Punsch, Bowle oder Dessert und schenkte die schönsten Früchte dem Kaiser zum Geburtstag. Pücklers Zucht floppte, weil überall in der Region Gewächshäuser für die Ananas entstanden. Dies und mehr gibt es in der Gärtnerei samt Ananas-Ausstellung zu erfahren. Die Ananas wird in Bad Muskau übrigens noch immer angebaut. Etwa 170 Früchte werden jährlich an eine sächsische Spirituosenmanufaktur geliefert, die in limitierter Auflage einen – wie Cord Panning schwärmt – „sehr schmackhaften und köstlichen“ Likör daraus macht. Interessenten für den „fürstlichen“ Tropfen sei das Tourismuszentrum im Park empfohlen. Dort wird er verkauft.

Von der Gärtnerei oder dem Schloss aus gelangen Entdecker auf Schusters Rappen über den Neißedamm zum Badepark, wo vieles zu entdecken ist. In diesem „Park im Park“ hält die Waldeisenbahn, die auf Schmalspur von Weißwasser nach Bad Muskau und Kromlau und zurück fährt. Wer lieber weiter wandert, kommt vom Badepark zur Maiwiese und dem „Sichtachsenlotto“. Bei gutem Wetter sind von dort Riesen- und Isargebirge zu sehen. Über die große Schlucht und den westlichen Panoramaweg mit traumhaftem Blick auf Schloss und Neißetal geht es zurück zum Park. „Je länger man sich hier aufhält, umso stärker wirkt er, merkt man emotionale, seelische und körperliche Effekte“, meint Cord Panning. „Da schweift der Blick auf das meditativ wirkende Neißetal und man erlebt, dass der Muskauer Park kein Gartenpark ist, sondern ein innovativ und herrlich offensiv gestalteter Landschaftsgarten.“ Noch ein Geheimtipp für alle, die nur eine kleine Entdeckertour machen wollen: Gehen Sie den Apostelweg! Er führt zur evangelischen Kirche und zu den Gräbern von Pücklers Parkmeister Jacob Heinrich Rehder, Muskaus Dichter und Komponist Leopold Schefer und von Machbuba, Pücklers Geliebter.

Mit diesem Teil endet die Sommerserie der SZ.

Tipps und Informationen

- Der Muskauer Park ist seit 2014 deutsch-polnische Unesco-Welterbestätte (zwei Drittel Fläche auf polnischer, ein Drittel auf deutscher Seite).

- Am Schlossvorwerk sind Anbieter für Fahrradausleihe, Kutschfahrten, Neiße-Paddeltouren (eine Anlegestelle ist im Park), Töpferei, Tourist-Information, Ferienwohnungen, Gastronomie.

- Informationen rund um den Park samt Öffnungszeiten, Veranstaltungen, Anreise unter www.muskauer-park.de

Auskünfte zur Waldeisenbahn unter: www.waldeisenbahn.de

Gordon Gran hat seine Töpferei direkt im Park. Die Waren entstehen im traditionellen Muskauer Salzbrand.
Gordon Gran hat seine Töpferei direkt im Park. Die Waren entstehen im traditionellen Muskauer Salzbrand. © Joachim Rehle

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