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Leben und Stil

Urlaub mit dem Pubertier - so funktionierts

Haben Sie auch launische Teenies, die bis Mittag schlafen und danach nur chillen wollen? 5 Tipps, wie es anders geht.

Jugendliche brauchen Rückzugsorte im familiären Trubel.
Jugendliche brauchen Rückzugsorte im familiären Trubel. © plainpicture/amanaimages

Endlich Urlaub! In zwei Wochen starten viele sächsische Familien in die Ferien. Dumm ist, wenn dann jeder etwas anderes möchte, um sich zu erholen: Vater wandern und Radfahren, Mutter durch Städte bummeln und ins Museum gehen – und die pubertierende Tochter? Bis in die Puppen schlafen und am Strand abhängen, 14 Tage lang. Wie geht das zusammen?

Tipp 1: Ansprüche checken

Familienurlaube haben viel Konfliktpotenzial. „Eltern kommen oft aus einem stressigen Alltag und freuen sich das ganze Jahr auf den Urlaub. Sie haben viel weniger frei als die Kinder, daher sind ihre Erwartungen oft höher“, sagt Dr. Susanne Knappe, Psychologin an der Technischen Universität Dresden. Zudem werden Kinder in der Pubertät selbstständiger und bestehen eher darauf, dass auch auf ihre Wünsche eingegangen wird. Damit es am Urlaubsort nicht ständig kracht und kriselt, sollten sich alle vorher überlegen, was jeder vom Urlaub erwartet und wie er seine freie Zeit gern verbringen möchte. Gemeinsam bespricht man dann, auf welches Ziel und welche Urlaubsgestaltung sich alle einigen können – und ob das Budget die Pläne zulässt. „Am besten schon vor der Buchung“, empfiehlt Knappe. Denn wenn die Eltern viel Geld bezahlt haben und das Kind bockt, weil es sich einen anderen Urlaub gewünscht hat, entsteht schnell Stress. „Für Familien, denen Budgetsicherheit bei der Urlaubsplanung generell wichtig ist, sind Hotels mit Kinderermäßigungen attraktiv“, sagt Stephanie Holweg von der TUI Deutschland. Wer all-Inclusive bucht, habe zudem jederzeit eine Auswahl an Speisen und Getränken ohne Zusatzkosten.

Schritt für Schritt
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Tipp 2: Kompromisse eingehen

„Auch im Urlaub ist es wichtig, gelassen zu bleiben und ab und an Kompromisse zu schließen“, sagt Katrin Kalusa vom DER Reisebüro im Neefepark Chemnitz. So müssen die Eltern nicht mit dem Frühstück warten, bis ihr Kind sich endlich aus den Kissen schält – aber sie müssen es auch nicht wecken, um dann mit einem unleidigen, müden Teenager durch den Tag zu stolpern. Stattdessen könnten sie morgens die Umgebung mit dem Rad erkunden, während das Kind ausschlafen darf. Dafür geht es am Nachmittag mit an den Strand und am Abend auf einen gemeinsamen Stadtbummel. „So kommen alle auf ihre Kosten, und die Zufriedenheit steigt“, so Kalusa. „Wichtig ist: Wenn Abstriche gemacht werden müssen, dann muss sie jeder machen, nicht nur die Kinder“, sagt Knappe. Wenn sie sehen, dass auch die Eltern von ihren ursprünglichen Vorstellungen abweichen, um einen gemeinsamen Weg zu finden, sind sie kompromissbereit. Am besten klappt das, wenn man dieses Aufeinanderzugehen schon zu Hause praktiziert. „Im Urlaub können wir unsere Gewohnheiten nicht einfach abstellen. Zu erwarten, dass dann alles funktioniert, was sonst schiefläuft, halte ich für eine Illusion“, sagt die Psychologin.

Tipp 3: Freiheiten gewähren

Viele Jugendliche organisieren ihren Schulalltag und die Freizeitaktivitäten selbstständig und sind dafür häufig allein unterwegs. Dabei halten sie gewisse Regeln ein. Warum sollte das im Urlaub anders sein? „Auch dann kann sich mein Kind ruhig einmal außerhalb meiner Sichtweite bewegen, wenn es sich das wünscht“, rät Knappe. „Man sollte nicht den Anspruch haben, alles gemeinsam erledigen zu müssen. Kleine Freiräume wirken Wunder“, sagt auch Kalusa. Um unterschiedlichen Interessen nachgehen zu können, könne man einen Treffpunkt verabreden oder telefonieren. So kann die Mutter ins Museum, während die Tochter shoppen geht.

Tipp 4: Flexibel sein

„Hilfreich ist es, sich hin und wieder in sein Kind hineinzuversetzen und sich zu fragen: Wie hätte ich das als Jugendlicher gefunden?“, empfiehlt Knappe. Das ebnet den Weg für das Verständnis, wenn sich der Junior weigert, mit den Eltern an den FKK oder zum Helene-Fischer-Abend am Hotelpool zu gehen. Je nach Budget und Anspruch kann darüber nachgedacht werden, eine Freundin oder einen Freund des Kindes mitzunehmen. „Wenn es den Urlaub mit Gleichaltrigen verbringt, hebt das die Laune – auch von den Eltern“, sagt Holweg. Bei einem Campingurlaub könnten die Jugendlichen beispielsweise ein Zelt teilen. Wer seinen Urlaub im Hotel verbringen möchte, kann sich vorher erkundigen, ob es Teenager-Angebote, spezielle Clubs oder Zonen gibt, wo das Kind neue Freunde kennenlernen und treffen kann.

Tipp 5: Erlebnisse teilen

Damit der Urlaub trotzdem ein Familienurlaub bleibt und nicht zur Aneinanderreihung individueller Aktivitäten wird, rät Kalusa dazu, manche Dinge zusammen zu erleben. Das können Tagesausflüge zu Zielen sein, die alle interessieren, oder das Ausprobieren von Sportarten, die in der Familie noch niemand beherrscht. Angesagt sind etwa Stand-Up-Paddeling, ein Mix aus Surfen und Paddeln, oder Ziplining, also Seilrutschen, mit denen Schluchten überquert werden können. „Das sind schöne Erlebnisse, die der ganzen Familie Spaß machen – und ein gemeinsamer Adrenalin-Kick schweißt außerdem zusammen“, sagt die Reisekauffrau.

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