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Vom Maurerlehrling zum Firmenchef

Der Bauboom der 1990er-Jahre brachte einer Firma aus Käbschütztal gute Geschäfte. Die goldenen Jahre sind vorbei, aber der junge Chef ist optimistisch.

Richard Raue ist Firmenchef und führt das Werk seines Vaters Eberhard Raue weiter.
Richard Raue ist Firmenchef und führt das Werk seines Vaters Eberhard Raue weiter. © Claudia Hübschmann

Käbschütztal. Dieses ehemalige Rittergut in Leutewitz ist ein wahres Schmuckstück geworden. Eberhard Raue hat das Grundstück von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft erworben. Es gehörte der Familie Steiger, die 1945 enteignet  und vertrieben wurde. Eberhard Raue hat den großen Hof komplett saniert. Es gibt dort 17 Wohnungen, die alle vermietet sind.

 "Viele Familien kommen aus Dresden und Umgebung. Sie schätzen die günstigen Mieten, die Ruhe, die großen Wohnungen und den Garten", sagt Richard Raue. Er ist der Sohn des Unternehmers, der die Firma Raue Bauunternehmung GmbH gründete und den Hof kaufte. Hier hat auch die Baufirma ihren Sitz. Seit fünf Jahren ist Richard Raue Firmenchef. Er übernahm das Unternehmen von seinem Vater, der im April dieses Jahres starb. 

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Die Firma, die Hoch- und Tiefbauarbeiten, Altbausanierung und Ausbau durchführt, war vor allem in den Nachwendejahren sehr erfolgreich. Zeitweise waren 80 Leute beschäftigt. Doch nach dem Boom kam das große Tief. "Vor allem Anfang der 2000er-Jahre kam ein Einbruch. Der große Nachholebedarf nach der Wende  war erst einmal gedeckt", sagt der 35-jährige Firmenchef. 

Inzwischen hat die Firma wieder viele gute Aufträge. Derzeit sind 24 Leute angestellt. Es könnten viel mehr sein. "Ich würde gern einstellen, zum Beispiel Maurer, Beton- und Stahlbauer. Wir könnten sofort fünf Leute neu beschäftigen. Doch es findet sich niemand. Der Fachkräftemangel wird bei uns deutlich spürbar. Dabei zahlen wir nach Tarif", sagt der Firmenchef. 

Er selbst hat den Job von der Pike auf gelernt,  war Maurerlehrling in der Firma seines Vaters. Auf der Abendschule bildete er sich zum Baukaufmann weiter. Er arbeitete etliche Jahre auf den Baustellen, vor allem als Polier und als Vorarbeiter. Dann setzte er sich noch einmal auf die Schulbank, absolvierte ein Direktstudium zum staatlich geprüften Techniker.

War es von Anfang an vorgesehen, dass er, der noch eine Schwester hat, künftig den väterlichen Betrieb übernimmt?  "Nein, erst mal nicht. Doch spätestens, als ich das Studium anfing, war klar, dass mein Platz hier ist", sagt der zweifache Familienvater.  Am 1. August feierte die Firma gleich zwei Jubiläen. Zum einen das 30-jährige Bestehen, zum anderen ist er seit fünf Jahren Chef. Er übernahm die Firma ebenfalls an einem 1. August. Damals war er gerade  30 Jahre alt.  

Richard Raue kann nicht klagen. Die Firma hat gut zu tun, vor allem in den vergangenen fünf Jahren sind die Aufträge deutlich angestiegen. Bis Mitte nächsten Jahres ist der Betrieb vorerst mit Arbeit versorgt. Nicht nur in der Region, wo Raue Bau derzeit die Sporthalle in Krögis saniert, hat sich das Unternehmen einen guten Ruf erworben.

In Dresden hat die Firma beispielsweise den kompletten Rohbau für eine Zwei-Feld-Sporthalle hingestellt, die 15. Grundschule in der Neustadt saniert. Auch in der Athletikhalle im Heiligen Grund war das Unternehmen maßgeblich beteiligt. Gearbeitet wird das ganze Jahr, Entlassungen oder Kurzarbeit im Winter gibt es nicht. 

Was für die Fachkräfte gilt, ist bei den Lehrlingen nicht besser. Seit Richard Raue die Firma führt, wurde kein Einziger ausgebildet. Der Grund: Es gibt keine Bewerber. "Viele junge Leute wollen nicht mehr körperlich arbeiten. Sie wollen lieben einen Bürojob mit Computer", sagt er bedauernd. 

Schlechte Aussichten für die Branche also? Er bleibt optimistisch. "Trotz allem ist es uns gelungen, in den vergangenen Jahren auch jüngere Leute einzustellen",  sagt er. Er will alles dafür tun, die Zukunft der Firma zu sichern und in den folgenden Jahren weiterzuführen. 

Zu den Nachfahren der ehemaligen Besitzer besteht übrigens bis heute ein sehr gutes Verhältnis. "Sie sind sehr froh, dass ihr Grundstück in gute Hände gekommen ist", sagt Richard Raue. Und so ließen es sich die Steigers auch nicht nehmen, zum 30. Betriebsjubiläum nach Leutewitz zu reisen.  Auch sie sind beeindruckt, was das alte Rittergut für ein Schmuckstück geworden ist. 

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