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Von Bella Italia zum Zinzendorfplatz

Uwe Gramsch ist Gastwirt mit Leib und Seele. Seit 20 Jahren ist er selbstständig. In seiner dritten Gaststätte fühlt sich der Nieskyer angekommen.

Inhaber Uwe Gramsch mit Lebensgefährtin Gudrun Wolf und ihrer Köchin von Anfang an, Kerstin Kasper, in ihrer Gaststätte "Am Zinzendorfplatz" in Niesky.
Inhaber Uwe Gramsch mit Lebensgefährtin Gudrun Wolf und ihrer Köchin von Anfang an, Kerstin Kasper, in ihrer Gaststätte "Am Zinzendorfplatz" in Niesky. © SZ/Steffen Gerhardt

Am Dienstag werden es 25 Jahre, dass Uwe Gramsch seine erste Pizza in den Ofen einer Gaststätte schob. Diese nannte sich "Bella Italia" und befand sich im inzwischen abgerissenen Bäckereigebäude im Gewerbegebiet Süd in Niesky. Zu dieser Zeit war der Nieskyer Angestellter in der Pizzeria, fünf Jahre später machte er sich selbstständig und übernahm die Gaststätte. "Der Standort war ideal für uns. Die Einkaufsmärkte ringsum, die bis abends geöffnet haben, und ausreichend Parkplätze", nennt Uwe Gramsch die Vorteile. Und natürlich die Pizzas, die er und seine Mitarbeiter machten. Das lockte die Gäste an, aber auch viel außer Haus wurde besonders bei Pizzas geliefert.   

"Bella Italia" hatte sich in Niesky etabliert und lockte die Menschen auch von außerhalb Nieskys an. Knapp zehn Jahre ging das gut, bis die Insolvenz des Backhauses  Uwe Gramsch vor die Frage stellte: Bleiben wir als Mieter in dem Objekt oder suchen wir uns etwas Neues? Uwe Gramsch entschied sich für den Neuanfang. Denn: "Die Zukunft des Backhauses war mir zu unsicher. Hinzu kamen die hohen Betriebskosten und die Miete. Ausziehen war aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung, denn das Haus steht inzwischen nicht mehr." Aber wo sollte es weitergehen? Die Stadtwerke Niesky unterbreitete Uwe Gramsch das Angebot, die Gaststätte "Am Waldbad" zu übernehmen. Nicht zum ersten Mal. Schon seit längerem wurde nach einem neuen Pächter gesucht.     

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Weniger Zuspruch am Waldbad

"Wir ließen uns davon leiten, dass die Gaststätte durch Waldbad und Eisstadion sowie das angrenzende Krankenhaus genügend Zuspruch hat. Aber dieser erfüllte sich nur teilweise", erinnert sich der Gastronom an seine Waldbad-Jahre. Nur in den Sommermonaten brummte der Laden durch die Besucher im Waldbad. Uwe Gramsch hatte den Wechsel vollzogen, um künftig auch Feiern ausrichten zu können. Die Gaststätte am Waldbad bot diese Möglichkeit, bis hin zu einer Tanzfläche. Zudem war der Bedarf nach geschlossenen Gesellschaften da. Das rettete den Gastwirt wirtschaftlich über die maue Zeit, in der das Waldbad geschlossen blieb. Denn, dass die Gäste nicht vor dem Haus parken konnten, sah Uwe Gramsch schon mit Übernahme der Gaststätte als ein Problem an. 

 Erschwerend kam hinzu, dass sich Uwe Gramsch ein neues Team zusammenstellen musste. Seine bisherigen Mitarbeiter blieben in der Pizzeria, die ein Unternehmer aus See übernommen hatte. Nur seine Lebensgefährtin Gudrun Wolf und Köchin Kerstin Kasper blieben ihm treu und wechselte zum Waldbad mit. Auch im 20. Jahr ihrer Zusammenarbeit steht die Nieskyerin am Herd und kocht deutsche und italienische Küche. „Sie ist meine Mitarbeiterin der ersten Stunde, hat so manche Höhen und Tiefen miterlebt und ist immer noch dabei. Das freut mich“, lobt Uwe Gramsch die 56-Jährige. Sie selbst sagt, dass ihr die Arbeit immer noch Spaß macht und sie mit Herz Köchin ist.

Damit kommt der 57-Jährige auf das leidige Personalproblem zu sprechen, dass ihm schon am Waldbad ereilte. "Gute Leute zu finden, die die Gastronomie als ihren Beruf sehen, das ist sehr schwierig geworden." Das merkt Uwe Gramsch auch in der Familie. Er hat zwei Töchter, seine Lebenspartnerin Gudrun Wolf eine Tochter und einen Sohn. Alle sind inzwischen erwachsen, aber keiner verdient sein Geld in der Gastronomie.  

Keine Vergrößerung geplant

Daran hat sich auch mit dem Umzug in das Brüderhaus auf den Zinzendorfplatz nichts geändert. Der Umbau des ehemaligen Bäckerladens zu einer modernen Gaststätte hat die Brüdergemeine übernommen. Dennoch gab es noch einiges zu tun, damit zu Ostern 2016 die Gaststätte „Am Zinzendorfplatz“ öffnen konnte. Mit 40 Sitzplätzen bietet sie zwar weniger Platz als „Am Waldbad“ mit 50 Plätzen. Aber für Uwe Gramsch ist das eine machbare Größe. „Mehr Plätze heißt auch mehr Miete und mehr Personal, was alles erwirtschaftet werden muss.“ Der Gastronom könnte sich im Brüderhaus räumlich noch vergrößern, aber davon nimmt er Abstand. „So, wie es jetzt läuft, ist es gut für uns alle“, schätzt er ein. Fünf Angestellte zählt sein Team. Auf dem Zinzendorfplatz schafft er über den Sommer einen Freisitz und der Straßenverkauf von Speiseeis lockt zusätzliche Gäste an. Feiern sind auch am Zinzendorfplatz möglich und das Außer-Haus-Liefern von Büffets wird auch weiter praktiziert. „Nur Pizzas fahren wir nicht mehr aus, die müssen die Leute sich bitte selbst abholen“, ergänzt Gramsch. 

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Dass in Niesky die Gaststätten schwinden, merkt auch Gramsch. Im positiven Sinne an mehr Gästen. Mit ihm sind es noch fünf an der Zahl, die in der Stadt ein gastronomisches Angebot haben (siehe Kasten). Eigentlich sechs, wenn man den Spezi-Grill am alten Gymnasium mit seiner Mittagsversorgung mit einbezieht. Ungleich höher ist aber die Zahl an Imbissständen unterschiedlicher Nationalitäten. Für den Gastwirt ist das keine gesunde Entwicklung im Hinblick auf die etablierten Gaststätten in der Stadt.     

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