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Görlitz

Vor 388 Jahren gab es schon eine Pandemie

Die Pest forderte damals viele Opfer, auch in der Lausitz - trotz Vorsichtsmaßnahmen der Herrschenden. Eine Erinnerung daran steht in Petershain.

Der Pestaltar an der Straße Sproitz-Petershain erinnert an die Jahre 1632/33 und ihre Folgen in Petershain und der Oberlausitz
Der Pestaltar an der Straße Sproitz-Petershain erinnert an die Jahre 1632/33 und ihre Folgen in Petershain und der Oberlausitz © Bernhard Donke

Von Bernhard Donke

Etwas ähnliches wie das, was wir heute in diesen Tagen und voraussichtlich auch noch in den nächsten Wochen durchstehen müssen, haben unser Vorfahren bereits mehrmals erlebt. Vom 14. bis hinein ins 18. Jahrhundert war es keine Corona-Virus-Pandemie, sondern die gefürchtete Pest, die den Menschen Schrecken einjagte und große Opfer unter der Bevölkerung forderte.

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1346 wurde sie vom Orient nach Venedig vermutlich durch Handelsschiffe eingeschleppt. 1349 im deutschsprachigen Raum angekommen, fiel ihr fast ein Drittel der damaligen Bevölkerung zum Opfer. 1463 hatte sie in der Oberlausitz verheerende Folgen. Die Hinterbliebenen der Pestopfer waren nicht in der Lage, die Ernte in diesen Jahren einzubringen, sodass das darauffolgende Jahr zusätzlich eine Hungersnot unter der verbliebenen Bevölkerung zur Folge hatte.

Eine weitere Pest brach 1629 bis 1644 in unterschiedlichen Landesteilen mit verheerenden Folgen aus - das war zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, der von 1618 bis 1648 in Deutschland wütete. Die Oberlausitz traf es von 1632 bis 1634 sehr hart, denn ihr fielen auch diesmal sehr große Teile der Bevölkerung zum Opfer. Auch der Landkreis Görlitz war betroffen.

Nochten weigerte sich, Boxberger Tote zu begraben

Es gab damals so viele Opfer, dass sich Kirchgemeinden wie Nochten sogar weigerten, die Pest-Toten aus Boxberg, das zum Kirchspiel Nochten gehörte, zu begraben. Die Gemeinde Klitten nahm daraufhin die Pest-Toten auf. Auch in Kreba ging die Krankheit um, wie die Aufzeichnungen der Kirchenchronik berichten. Pfarrer Ernst Büttner bekam von der Herrschaft 1634 die Anweisung, die Messe auf Kähnen im Gewässer Schwarze Lache abzuhalten. Am darauffolgenden Tag verstarben 34 der 84 Gottesdienstteilnehmer.

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Noch im selben Jahr raffte die Pest weitere 135 Krebaer dahin. Sie alle sollen in einem Grab am Ufer der Schwarzen Lache beerdigt worden sein. Auch Petershain setzte die Pest von 1632 arg zu und ließ die Einwohnerzahl stark schrumpfen. Um die Ansteckungsgefahr unter den Bürgern zu verringern, hatte der damalige Pfarrer ebenfalls seine Gottesdienste außerhalb der Kirche an die Straße Sproitz-Petershain verlegt. An der Stelle, an welcher der Gottesdienst stattfand, erinnert heute noch ein großer Stein mit Aufschrift "Pestaltar 1632" an das Ereignis und seine Folgen für die Bevölkerung.

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